Rems-Murr-Kreis

Aufregung im Prozess  um versuchten Totschlag an Ehefrau in Winnenden

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Die Emotionen gingen hoch vor dem Stuttgarter Landgericht. © fotolia/rcfotostock

Zum Tatvorwurf des versuchten Totschlags an seiner Ehefrau und Mutter seiner acht Kinder schweigt er sich aus, Zeugenaussagen jedoch kommentiert er immer wieder: Im Stuttgarter Landgerichtsprozess gegen den 35-jährigen Iraker, der am Winnender Schulzentrum versucht haben soll, seine Frau mit einem abgebrochenen Flaschenhals zu erstechen, brach die 18-jährige Tochter in Tränen aus.

Als Tochter hätte die 18-jährige Auszubildende nichts zu der vermeintlichen Tat ihres Vaters an ihrer Mutter sagen müssen. Sie tat es aber doch, wenngleich es ihr sichtlich schwerfiel. Als sie sich vor Tränen beinahe nicht mehr halten konnte, durfte ihre bereits vernommene Mutter neben ihr Platz nehmen. Mit Blick zu ihrem angeklagten Vater fragte die Tochter: „Kann ich ihn umarmen?“

Mit einem „komischen Gefühl“ hätten sie sich auf den Weg zum Spielplatz gemacht

Ohne die Antwort abzuwarten, sammelte sich die 18-Jährige wieder und berichtete, sie und ihre Schwester hätten sich am Abend des 25. Juni vergangenen Jahres gewundert, warum ihre Mutter mit den Geschwistern so lange nicht vom Spielplatz am Schulzentrum Albertviller Straße heimkommt. Mit einem „komischen Gefühl“ hätten sie sich auf den Weg zum Spielplatz gemacht und die Mutter blutüberströmt vorgefunden. Der Vater sei nicht mehr da gewesen.

Mutter blutüberströmt vorgefunden

„Meine Mutter hat mir gesagt, dass mein Vater ihr das angetan hat“, sagte die Tochter zum Vorsitzenden Richter der 19. Strafkammer, Norbert Winkelmann. Als dieser fragte, ob es eine Vorgeschichte zu der Tat gebe, erklärte die Zeugin, ihr Vater habe eine andere Frau in der Türkei und ihre Mutter wolle, dass er die andere verlässt.

Die Tochter erinnerte sich auch daran, dass die Polizei kam, weil ihr Vater ihre Mutter zwei Tage vor der Tat in der Garage gewürgt hat, und dass ihr Vater einmal zwei Wochen lang im Zentrum für Psychiatrie in Winnenden war, weil er sein eigenes Auto verbrannt hat. Zum Verhalten ihres Vaters unter Alkoholeinfluss befragt, meinte die Tochter, betrunken sei er eher lustig als aggressiv gewesen, aber einmal hätte er zu Hause auch die Oma gegen die Wand geschubst. „Ich bin dein Vater“, mischte sich der Angeklagte ohne Rederecht in die Zeugenaussage seiner Tochter ein. „Jetzt reicht’s“, beendete Richter Winkelmann die versuchte Zeugenbeeinflussung.

Polizeibeamter vom Winnender Revier berichtet

Ein 36-jähriger Polizeibeamter vom Winnender Revier berichtete im Zeugenstand, beim Würgen in der Garage habe die Frau ihren Mann wegstoßen können, worauf sich dieser selbst mit seinem Autoschlüssel an der Wange verletzt und als Opfer dargestellt habe. Die 35-Jährige habe Todesangst vor ihrem Ehemann gehabt und gesagt, dieser hätte schon in der Vergangenheit versucht, sie umzubringen. Einmal, so der Polizist weiter, habe der Angeklagte seiner Frau die Kleider vom Leib gerissen und gedroht, sie zu vergewaltigen, wenn sie ihm kein Geld gibt.

Angeblich „Ehrenmord“ an einer Tochter gefordert

Eine 42-jährige Winnender Polizeibeamtin sagte aus, am 5. Mai letzten Jahres habe der Angeklagte der Polizei gemeldet, seine Ehefrau und deren Verwandte forderten den „Ehrenmord“ einer seiner Töchter, weil diese einen unpassenden Freund habe und sich nicht zwangsverheiraten lassen wolle.

Im Gerichtssaal wurden auch Filme gezeigt, die der Angeklagte mit seinem Handy gemacht hat. „Warum lügst du“, sagt der Angeklagte im Film zu seiner Frau, die ihn bittet, keine Aufnahmen von ihr zu machen. „An der Backe hast du mich verletzt“, zeigt der Beschuldigte im Film auf die Wunde, die er sich selbst mit den Autoschlüsseln zugefügt haben soll, worauf die Frau äußert: „Die Kinder wissen doch, wie es läuft“.

Bei der Fortsetzung des Prozesses am Donnerstag, 18. März, führt Dr. Adina Schweickhardt von der Tübinger rechtsmedizinischen Gesellschaft ihr Gutachten über die Lebensgefährlichkeit der Verletzungen des Opfers ein. Professor Nenad Vasic, Psychiater aus Göppingen, analysiert unter anderem die Alkoholgewohnheiten des Angeklagten im Hinblick auf dessen Schuldfähigkeit. Dieser hat beim Prozessauftakt über seine Verteidigerin, Svenja Kiefer, erklären lassen, er hätte vor der Tat acht bis zwölf Bier getrunken.

Zum Tatvorwurf des versuchten Totschlags an seiner Ehefrau und Mutter seiner acht Kinder schweigt er sich aus, Zeugenaussagen jedoch kommentiert er immer wieder: Im Stuttgarter Landgerichtsprozess gegen den 35-jährigen Iraker, der am Winnender Schulzentrum versucht haben soll, seine Frau mit einem abgebrochenen Flaschenhals zu erstechen, brach die 18-jährige Tochter in Tränen aus.

Als Tochter hätte die 18-jährige Auszubildende nichts zu der vermeintlichen Tat ihres Vaters an ihrer

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