Rems-Murr-Kreis

Aufruf von TransnetBW zum Stromsparen: Das sind die Gründe

Füreinander Miteinander Waschmaschine
Aufruf zum Stromsparen: Waschmaschinen sollten am Sonntagabend nicht benutzt werden. © Benjamin Büttner

Montagvormittag in einem Baumarkt im Rems-Murr-Kreis. Ein älteres Ehepaar sucht nach einer akkubetriebenen Tischlampe. Die beiden sind verunsichert, nachdem der Netzbetreiber TransnetBW die Bürgerinnen und Bürger in Baden-Württemberg am Sonntagabend zum Stromsparen aufgerufen hatte. Die Warnampel der „StromGedacht“-App leuchtete rot, schon tagsüber wurde über den Nachrichtendienst Twitter und im Radio dazu aufgerufen, zwischen 17 und 19 Uhr den Stromverbrauch einzuschränken. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer sprach in einem Facebook-Beitrag von „Panikmache und Irreführung“ der Öffentlichkeit in „solch heiklen Zeiten“.

Was steckt hinter der Warnung? Besteht die Gefahr eines Engpasses oder Stromausfalls?

Ein klares Nein. „Die Ampelfarben bedeuten nicht, dass Stromabschaltungen zu befürchten sind“, schreibt TransnetBW in einer Pressemitteilung. Vielmehr solle die Bevölkerung sensibilisiert werden, „dass TransnetBW mehr als gewöhnlich dafür tun muss, das Stromnetz stabil zu halten“.

Was genau tut TransnetBW mehr?

Der Netzbetreiber greift dann stärker in die Stromerzeugung ein, um Engpässe zu vermeiden. Am Sonntagabend sind nach Angaben des Netzbetreibers TransnetBW rund 3000 Megawatt (MW) eingesetzt worden. 1400 MW davon kamen demnach zwischen 17 und 19 Uhr aus Kraftwerken, die ohnehin am Markt sind. Reservekraftwerke lieferten etwa 800 MW, und 740 MW stammten aus der Schweiz. Solche sogenannten Redispatch-Maßnahmen werden laut einer Sprecherin inzwischen sehr häufig eingeleitet, aber sehr selten in dieser Größenordnung und mit einem solchen Importvolumen. Grund für den Redispatch war eine Windspitze im Norden, mit der 50 Gigawatt Energie erzeugt wurden.

Noch fehlen die Transportleitungen, um den vielen Windstrom in den Südwesten zu bringen, erklärt eine Sprecherin von TransnetBW. Die Übertragungskapazität reicht für solche Mengen nicht aus. Es entsteht quasi ein Stau, und der Strom sucht sich einen anderen Weg. Um den Bedarf in Baden-Württemberg zu decken, muss dann anderweitig Strom erzeugt oder importiert werden.

Wie hilft es dabei, wenn Menschen Strom sparen?

„Wenn die Menschen Strom sparen, sinkt der Verbrauch und wir können die Netzstabilisierung mit weniger Importstrom herstellen“, so die Unternehmenssprecherin.

Reicht es, Waschmaschine und Trockner nicht zu nutzen?

Waschmaschine oder Trockner reichen. Ob und wie viel Strom tatsächlich eingespart wurde am Sonntag, lässt sich laut der TransnetBW-Sprecherin nicht beziffern, da man nicht nachvollziehen könne, wie viele Menschen sich beteiligt haben. „Rein theoretisch könnten wir bei 100.000 Nutzern 100 MW einsparen, wenn jeder der Teilnehmenden in der vorgegebenen Zeit die Waschmaschine nicht einschaltet.“

Seit wann gibt es die App „StromGedacht“ und wie funktioniert sie?

Die App „StromGedacht“ wurde im November 2022 gestartet, inzwischen nutzen sie nach Angaben von TransnetBW rund 100.000 Menschen. Am Sonntag wurde sie zum zweiten Mal aktiviert. Gearbeitet wird mit Ampelfarben. Die Farbe Grün bedeutet Normalbetrieb. Wenn TransnetBW wie am Sonntagabend ein großes Redispatch-Volumen erwartet, springt die Ampel zunächst wie am Sonntag tagsüber auf Gelb. Dies soll ein Hinweis sein, den Stromverbrauch vorzuziehen oder zu verschieben. Die Ampel wird rot in der Zeit, in der der Netzbetreiber das größte Redispatch-Volumen anfordern muss. In dieser Phase, in der auch größere Mengen Strom aus dem Ausland zur Bedarfsdeckung verwendet werden, soll „Rot“ zum Stromsparen motivieren.

Die App sei keine Warn-App, betont die Sprecherin. „Wir wollen sensibilisieren für das Thema Stromversorgung und zeigen, dass jeder einen Beitrag leisten kann.“ Wenn viele Menschen mitmachten, könne TransnetBW die Menge des Stroms reduzieren, der zur Netzstabilisierung importiert werden muss. Das schone Klima und Geldbeutel.

Montagvormittag in einem Baumarkt im Rems-Murr-Kreis. Ein älteres Ehepaar sucht nach einer akkubetriebenen Tischlampe. Die beiden sind verunsichert, nachdem der Netzbetreiber TransnetBW die Bürgerinnen und Bürger in Baden-Württemberg am Sonntagabend zum Stromsparen aufgerufen hatte. Die Warnampel der „StromGedacht“-App leuchtete rot, schon tagsüber wurde über den Nachrichtendienst Twitter und im Radio dazu aufgerufen, zwischen 17 und 19 Uhr den Stromverbrauch einzuschränken. Tübingens

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