Rems-Murr-Kreis

Ausbildungsmesse Fokus Beruf Schorndorf: Chancen und Nöte der Jugend von heute

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Schwer was los am Stand der Bundespolizei: Blick in die Messe Fokus Beruf 2022 in Schorndorf. © Büttner

Welchen Beruf soll ich ergreifen? Es gibt so viele Optionen, dass junge Leute heute bisweilen überfordert sind mit der Qual der Wahl. Aber ihre Chancen stehen gut – Stichwort: Fachkräftemangel. Notizen zur Ausbildungsmesse Fokus Beruf in Schorndorf, mit Einschätzungen von Carla, Alexandra, Anna, Janis und Preben aus der Waiblinger Salier-Realschule ...

Wichtig. Wichtig. Wichtig! Das Wort ist immer wieder zu hören am Eröffnungstag der Ausbildungsmesse im Schorndorfer Schulzentrum Grauhalde; es sind allerdings weniger die Jugendlichen, die diese Vokabel im Munde führen, sondern meist Vertreter von Betrieben.

„Wir sind ausgebucht“, sagt Markus Beier von der IHK-Bezirkskammer Rems-Murr, „wir hätten noch wesentlich mehr Standplätze vergeben können.“ Nur ging irgendwann der Platz zur Neige. Früher habe er „aktiv Akquise betrieben“, diesmal kamen die 98 Aussteller mühelos zusammen. Und „viele bieten jetzt tatsächlich noch zum Herbst Plätze an“. (Mehr zu Fokus Beruf und zur Lehrstellen-Lage finden Sie hier.) Beier hält inne und schiebt nach: „Sehr viele.“ Die Zeiten, da Unternehmen und Betriebe nicht um Nachwuchs werben mussten, sind gründlich vorbei. (2021 fand Fokus Beruf coronabedingt nur virtuell statt - und mehr zu den Auswirkungen der Pandemie in diesem Bereich finden sie auch hier.)

FSJ oder Auslandsjahr, das gehört für viele zum nachschulischen Lebensgefühl

Und bei weitem nicht alle jungen Leute wollen nach der Schule gleich in die Ausbildung wechseln. „Wir sehen schon auch“, sagt Markus Beier, dass viele „erst mal irgendwo 'ne Runde drehen“, ein Freiwilliges Soziales Jahr einklinken oder als Au-pair ins Ausland gehen. Orientierungsphase. Es gibt Hunderte von Ausbildungsberufen, die Zahl der Studiengänge gehe „in die Tausende“, schätzt Beier – da schon in jungen Jahren das Richtige für sich zu finden, sei schon „eine Herausforderung“.

Das könnte Alexandra von der Salier-Realschule Waiblingen glatt so unterschreiben. Sie macht erst mal „Bundesfreiwilligendienst“ in der Waiblinger Zentralklinik. Nicht, dass sie unbedingt auf Dauer in der Gesundheitsbranche arbeiten will – aber das Jahr diene ihr dazu, um „nachzudenken“. Ja, sagt sie, es gibt „viele Möglichkeiten“. Sie lacht. „Zu viele.“

Auch ihre Freundin Carla ist noch unentschlossen. „Ins Kaufmännische“ vielleicht. Oder „Kosmetik“.

Und Anna ist sowieso eher deshalb hier bei der Messe, weil es eben eine Art Schulausflug ist. Sie zielt Richtung Abi, will studieren und „Anwältin werden“.

Also kein Tag der Entscheidung, hier und heute? „Nicht wirklich“, sagt Alexandra.

Smoker in groß: Team Fessmann auf der Suche

Dabei zeichnet sich eines überdeutlich ab: Eine Ausbildung bietet heutzutage enorme Möglichkeiten. Nehmen wir nur mal die Energiewende: Von der Gebäudeplanung über das Baugewerbe bis zur Energieberatung – „ein absolutes Zukunftsfeld“ sagt Beier. Wer da heute einsteige, „weiß, dass er die nächsten 20 Jahre ein Feld hat, wo die Arbeit nicht ausgeht“.

Wichtig? „Natürlich“, sagt Steffen Glock von der Firma Fessmann, natürlich ist diese Messe wichtig. „Wir sind auf der Suche nach Fachkräften. Wie jeder.“

160 Leute arbeiten bei Fessmann in Birkmannsweiler, „ungefähr die Hälfte sind ehemalige Azubis“. Die Nachfrage aber sei „schon rückläufig. Enorm“.

Dabei ist Team Fessmann auf einem interessanten Felde unterwegs: stellt Anlagen für die Lebensmittel-Industrie her. „Räuchern, kochen, backen.“ Aha, zum Beispiel auch Smoker, wie’s der ambitionierte Hobby-Griller heutzutage hat. „So ungefähr“, sagt Glocks Kollege Kristian Jelec. „Nur in ganz anderer Dimension. Sechs Meter hoch und 20 Meter lang zum Beispiel. Pro Stunde gehen acht Tonnen Wiener durch.“

Janis will erst mal „schön fließend Englisch lernen“

Tja, wohin soll’s gehen? „Bin grade am Überlegen“, sagt Preben Aldinger, ebenfalls von der Waiblinger Salier-Realschule: Elektrotechniker? Automatisierungstechnik? Oder doch aufs TG? Es gibt so viele Möglichkeiten. Erdrückend viele? „Ja, schon.“ Bei der Orientierung helfe es auch nicht, sich intensiver kundig zu machen. Denn dann höre man bloß dauernd von irgendwelchen Jobs, die „noch spannender“ klingen.

Prebens Kumpel Janis Gröber wird erst mal ein Jahr in die USA gehen und dort den Highschool-Abschluss machen. Die Reservierung habe er schon. „Schön fließend Englisch“ lernen, das kann für die Zukunft nicht schaden. Klingt soweit schon gut eingetütet. Wie es danach aber weitergeht, weiß auch er noch nicht. „Ich schwanke aktuell noch zwischen Mechatroniker“, sagt er, „und Polizei.“

Welchen Beruf soll ich ergreifen? Es gibt so viele Optionen, dass junge Leute heute bisweilen überfordert sind mit der Qual der Wahl. Aber ihre Chancen stehen gut – Stichwort: Fachkräftemangel. Notizen zur Ausbildungsmesse Fokus Beruf in Schorndorf, mit Einschätzungen von Carla, Alexandra, Anna, Janis und Preben aus der Waiblinger Salier-Realschule ...

Wichtig. Wichtig. Wichtig! Das Wort ist immer wieder zu hören am Eröffnungstag der Ausbildungsmesse im Schorndorfer Schulzentrum

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