Rems-Murr-Kreis

B14-Baustelle beim Leutenbachtunnel: Warum und wie lange noch?

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Zwei InLine-Pave ( Einbau der Binderschicht und die Deckschicht in einem Arbeitsgang) Einbauzüge im Einsatz  - Fahrbahndeckensan
Schweres Gerät im Einsatz: Der B-14-Abschnitt zwischen dem Leutenbachtunnel und Waldrems ist so stark befahren, dass jetzt zwei neue Asphaltschichten nötig sind. © Benjamin Beytekin
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Zwei InLine-Pave ( Einbau der Binderschicht und die Deckschicht in einem Arbeitsgang) Einbauzüge im Einsatz  - Fahrbahndeckensan
Die B 14 beim Leutenbachtunnel Richtung Backnang erhält zurzeit auf einer Strecke von 2,5 Kilometern eine neue Fahrbahndecke. Momentan ist noch der Abschnitt Richtung Stuttgart voll gesperrt. Voraussichtlich von Montag an wechselt die Vollsperrung auf die andere Seite Richtung Backnang. Der Verkehr fließt aber in beide Richtungen weiter – allerdings nur auf zwei Spuren statt auf vier wie sonst. © Benjamin Beytekin

Die B14 muss ordentlich was aushalten. Ein Auto am andern rauscht über die Bundesstraße. Tonnenschwere Laster sind unterwegs. Die Asphaltschichten sind nicht unbegrenzt belastbar, weshalb die B14 zurzeit zwischen dem Leutenbachtunnel und der Anschlussstelle Nellmersbach eine neue Doppel-Decke erhält.

Vor Beginn der Bauarbeiten vergangenen Freitag, 12. August, hatte das Regierungspräsidium Stuttgart Autofahrer/-innen auf „erhebliche Verkehrsbehinderungen“ eingestimmt: Sperrungen sind nötig, weshalb sich der gesamte Verkehr für beide Richtungen zwischen dem Leutenbachtunnel und Waldrems auf nur zwei statt sonst vier Spuren verteilt.

Der B14-Abschnitt Richtung Stuttgart war als Erster dran. Die Sanierung war laut Regierungspräsidium nötig geworden, weil die Bundesstraße „Ausmagerungen der Asphaltdeckschicht und vereinzelte Netzrisse“ aufwies. Um weitere Schäden und damit eine größere Sanierung zu vermeiden, erneuert man jetzt die Fahrbahndecke.

Zwei frische Asphaltschichten erhält die Bundesstraße im entsprechenden Abschnitt. Vielbefahrene Straßen wie die B14 wären innerhalb kürzester Zeit schwer beschädigt, würde nicht eine Asphaltbinderschicht auf der Tragschicht aufgebracht. Sie wirkt sozusagen als Bollwerk gegen die enormen Belastungen. Auf der Binder- liegt die Deckschicht. Mit zwei nigelnagelneuen Schichten dieser Art ist die Bundesstraße jetzt ausgestattet – bisher auf der Seite Richtung Stuttgart. Die Anschlussstelle Nellmersbach in Fahrtrichtung Stuttgart ist ebenfalls saniert, weshalb Autofahrer/-innen derweil in Winnenden-West von der Bundesstraße abfahren mussten und noch bis Sonntagabend müssen, sofern sie nach Nellmersbach oder Hertmannsweiler wollen.

Richtung Backnang: Bauarbeiten beginnen voraussichtlich am Montag

In Phase zwei, die voraussichtlich am Montag, 22. August, beginnt, wechseln die Baumaschinen den Standort, und die Arbeiten beginnen von vorn: Der betreffende B14-Abschnitt Richtung Backnang hat ebenfalls eine neue Decke nötig. Wann genau die Arbeiten in Richtung Stuttgart enden und in Richtung Backnang beginnen, hängt letztlich vom Wetter ab, wie eine Sprecherin des Regierungspräsidiums (RP) Stuttgart informiert: Bei Nässe kann man die Fahrbahnmarkierungen nicht aufbringen, weshalb sich die Arbeiten verzögern könnten.

Geplant ist, alle Arbeiten bis 8. September abzuschließen, teilt das Regierungspräsidium Stuttgart mit. Davor müssen Beschäftigte nochmals Nachtschichten leisten. Die wegen der Baustelle nötigen Mittelstreifenüberfahrten braucht niemand mehr, wenn alles fertig ist. Den Rückbau erledigen Bauarbeiter voraussichtlich vom 3. September an immer nachts. Sie starten um 20 Uhr und können um fünf Uhr früh nach Hause. Kostenpunkt alles in allem: 3,3 Millionen Euro. Da es sich um eine Bundesstraße handelt, zahlt – der Bund.

Während der Bauarbeiten gilt Tempo 60 zwischen Winnenden und Waldrems. Was am Freitagmorgen, 7.30 Uhr, im allerersten Tempolimit-60-Abschnitt kurz nach der Ausfahrt Winnenden-Zentrum kaum jemanden interessiert: Brav 60 fahrend, fühlt man sich als nervendes Verkehrshindernis und wird am laufenden Band überholt. Zumindest bis kurz darauf die Verengung beginnt: Überholverbot.

In der Ferienzeit sind weniger Autos unterwegs

Offenbar war’s eine gute Entscheidung, die Bauarbeiten mitten in die Sommerferien zu legen. Die ganz großen Staus sind ausgeblieben. Am frühen Freitagmorgen, mitten in der Berufsverkehrszeit, fließt der dichte Verkehr störungsfrei.

2023 steht die nächste „Zustandserfassung und -bewertung“ der Bundesstraßen in Baden-Württemberg an. 2024 sind die Landesstraßen dran – wobei es zunächst nur darum geht, Schäden zu dokumentieren. Längst nicht überall, wo’s nötig wäre, rücken gleich die Baustellenfahrzeuge an, im Gegenteil: Dafür reicht das Geld nicht, zumal zuerst marode Brücken zu sanieren sind. Bei der letzten Erhebung 2019 bewerteten Fachleute den Gesamtzustand der Bundesstraßen im Land mit Note drei auf einer Skala von eins (neuwertig) bis fünf (sofortiger Handlungsbedarf). Schlechter schnitten die Landesstraßen ab, die zuletzt 2020 begutachtet worden sind: Deren Gesamtzustand wurde seinerzeit mit der Gesamtnote 3,4 bewertet und lag damit sehr nah am „Warnwert“. Ab einer Note von 3,5 besteht einer Mitteilung des Landesverkehrsministeriums zufolge „Anlass zur intensiven Beobachtung und Analyse, ggf. Planung von Maßnahmen“.

Mit Blick auf die Bundesstraßen stehen in naher Zukunft im Rems-Murr-Kreis zwei weitere Vorhaben im Fokus, wie es in einer Antwort des Regierungspräsidiums Stuttgart auf eine Anfrage dieser Zeitung heißt: Auf der B 14 ist die Erneuerung der Überführung über die Kreisstraße 1858 an der Anschlussstelle Korb geplant. Zwischen Urbach und Lorch soll die B29 eine neue Fahrbahndecke erhalten. Die Betonung liegt auf „soll“: „Beide Maßnahmen können ab 2023 umgesetzt werden, falls die entsprechenden Voraussetzungen vorliegen und die notwendigen Haushaltsmittel zur Verfügung gestellt werden“, schreibt das RP.

Moderne Technik spürt Straßenschäden auf

Um herauszufinden, wo Sanierungen am dringendsten nötig sind, setzen die Behörden Messfahrzeuge ein, die mittels Lasertechnik und Kameras die Straßenoberfläche checken. Das System findet Spurrinnen, bemerkt mangelnde Griffigkeit und entdeckt Oberflächenschäden wie Risse, Flickstellen oder Kantenschäden. Auf Grundlage der Daten entstehen „Dringlichkeitslisten für alle Erhaltungsabschnitte an Bundes- und Landesstraßen“, sprich: Wo’s am schlimmsten ist, saniert man zuerst. Schneller schlimmer wird’s dort, wo besonders viel Schwerlastverkehr die Straßen belastet – wie auf der B14.

Die B14 muss ordentlich was aushalten. Ein Auto am andern rauscht über die Bundesstraße. Tonnenschwere Laster sind unterwegs. Die Asphaltschichten sind nicht unbegrenzt belastbar, weshalb die B14 zurzeit zwischen dem Leutenbachtunnel und der Anschlussstelle Nellmersbach eine neue Doppel-Decke erhält.

Vor Beginn der Bauarbeiten vergangenen Freitag, 12. August, hatte das Regierungspräsidium Stuttgart Autofahrer/-innen auf „erhebliche Verkehrsbehinderungen“ eingestimmt: Sperrungen sind

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