Rems-Murr-Kreis

Backnanger Mordprozess - Psychiater Peter Winckler: Keine „Tötung im Affekt“

Landgericht
Blick ins Landgericht Stuttgart. © ALEXANDRA PALMIZI

Wichtiger Einschnitt im Backnanger Mordfall (wir berichteten): Vor der Schwurgerichtskammer des Stuttgarter Landgerichts hat nun der Gerichtspsychiater Dr. Peter Winckler aus Tübingen gesprochen. Seine Expertise fiel für den Angeklagten nicht erfreulich aus.

Klare Worte vom Gutachter

Als von der Stuttgarter Staatsanwaltschaft beauftragter Gutachter findet Peter Winckler keine Anhaltspunkte für eine „Tötung im Affekt, die der 29-jährige Angeklagte gestanden hat. Das Ergebnis der psychiatrischen Untersuchung spricht eher für einen geplanten Mord, durch den die damals 25-jährige Ehefrau mit dem Tode bestraft werden sollte.

Der Gerichtsgutachter hat den mutmaßlichen Mörder sowohl im Untersuchungsgefängnis Stuttgart-Stammheim besucht als auch im Prozess beobachtet. Die Ausgangsfrage: Was ist am 4. Mai 2021 zwischen etwa 8 Uhr und ungefähr zehn Uhr in der Backnanger Wohnung passiert, bevor die Leiche der jungen Frau gefunden wurde? Getötet worden war sie mit fünf wuchtigen Messerstichen, von denen zwei das Rückenmark und den Darm durchtrennten.

Dass es sich zwischen dem Täter und dem Opfer um eine konfliktreiche Beziehung gehandelt hat, stand für den Gutachter fest. Er konnte beim Angeklagten jedoch keine psychische Erkrankung finden, die dazu führen hätte können, dass er zum Mörder wird.

2016 als falscher syrischer Asylbewerber nach Deutschland gekommen, habe der Angeklagte auch seine angebliche Drogenproblematik in der Türkei längst hinter sich gehabt.

Schuldunfähig? Nein, sagt Winckler

Gab es eine tatbedingte tiefgreifende Bewusstseinsstörung für die angebliche Affekttat? Eher nicht, glaubt Winckler. Denn der Backnanger, erklärte der Gutachter, habe das Ausbeinmesser am Morgen vor der Tat gekauft und sei damit wieder heimgekehrt, um seine Frau zu töten. Und so betrunken, dass er nicht mehr wusste, was er tat, könne der Angeschuldigte entgegen seinen eigenen Angaben auch nicht gewesen sein.

„Hör endlich auf, sonst werde ich dich abstechen“, lautete im Gutachten der entscheidende Satz, welcher für einen geplanten Mord spricht und mit einer Affekttat nicht zu vereinbaren ist. Nach den Ausführungen des Täters hat die Frau ihn vor der Tat beleidigt. Bei einer Affekttat, so der Psychiater, könne der Täter jedoch vorher nicht auch noch eine Drohung aussprechen. Der Angeklagte habe beim Kauf des Messers schon „ein inneres Bild von der Tat im Kopf gehabt“.

Von der Schuldunfähigkeit „sind wir weit, weit entfernt“, erklärte Peter Winckler sehr eindeutig.

Der Psychiater kam dann auf ein mögliches Tatmotiv. Es könne sein, dass der Täter – in Wirklichkeit nicht Syrer, sondern Türke – seine Frau dafür bestrafen wollte, dass sie ihn wegen seiner falschen syrischen Identität angezeigt hat. Davon war übrigens die Staatsanwaltschaft bereits in der Anklage ausgegangen.

Suizid-Pläne? Es gibt Zweifel

Er habe sich umbringen wollen, weil er seine Frau getötet hat: Zu dieser Einlassung des mutmaßlichen Mörders führte der Gutachter aus, zu Haftbeginn habe dieser noch als suizidgefährdet gegolten, bis dann allerdings der Anstaltspsychologe im Gefängniskrankenhaus Hohenasperg zu einer anderen Einschätzung gekommen sei.

Winckler selbst gegenüber habe der 29-Jährige geäußert, es sei ihm im Nachhinein unbegreiflich, wie er seine Frau habe töten können. 100 Euro habe er sich nach seiner Flucht aus der Backnanger Wohnung nur deshalb bei einem Bekannten in Heilbronn holen wollen, um sich mit Drogen umzubringen. Und den Autounfall bei Großbottwar, der nach etwa vierstündiger Fahndung zu seiner Festnahme führte, habe er auch gebaut, um sich umzubringen.

Die Frage ist allerdings, ob das glaubwürdige oder eher taktisch geprägte Aussagen sind. Denn: Im Falle einer Verurteilung wegen „Tötung im Affekt“ hofft der Angeklagte, in die Türkei abgeschoben zu werden, wenn er die Hälfte seiner Strafe in Deutschland abgesessen hat. Aber danach sieht es – wenn man davon ausgeht, dass das Gericht den Einschätzungen Wincklers Gewicht beimisst – momentan nicht aus.

Wichtiger Einschnitt im Backnanger Mordfall (wir berichteten): Vor der Schwurgerichtskammer des Stuttgarter Landgerichts hat nun der Gerichtspsychiater Dr. Peter Winckler aus Tübingen gesprochen. Seine Expertise fiel für den Angeklagten nicht erfreulich aus.

Klare Worte vom Gutachter

Als von der Stuttgarter Staatsanwaltschaft beauftragter Gutachter findet Peter Winckler keine Anhaltspunkte für eine „Tötung im Affekt, die der 29-jährige Angeklagte gestanden hat. Das Ergebnis

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper