Rems-Murr-Kreis

Badeunfälle vermeiden: Worauf muss man beim Baden achten? Was ist gefährlich?

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Symbolfoto. © ZVW/Gaby Schneider

Auch in den kommenden Tagen soll es im Rems-Murr-Kreis Temperaturen um 30 Grad geben. Mit den steigenden Temperaturen zieht es viele ins Schwimmbad oder an Badeseen. Doch Vorsicht: Aus dem Badespaß kann schnell tödlicher Ernst werden. Erst im Juni ist ein fünfjähriges Mädchen nach einem Badeunfall in Albstadt ums Leben gekommen. In Bad Cannstatt ertrank ein 50-Jähriger im Neckar.

Markus Mulfinger (40) ist seit über 25 Jahren bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Rems-Murr e.V. und stellvertretender Vorsitzender. Wir haben mit dem Experten über die wichtigsten Fragen gesprochen:

Worauf sollte man beim Baden achten? Was sollte man meiden?

Wir empfehlen immer die Einhaltung der Baderegeln – das gilt auch für Erwachsene. Das bedeutet: gegenseitige Rücksichtnahme, auf kleinere Kinder oder Personen achten, die unsicher schwimmen. Wenn man das Gewässer nicht kennt, vorsichtig agieren.

Bevor man ins Wasser geht, sollte man sich abkühlen und nach dem Essen für mindestens eine halbe Stunde nicht ins Wasser gehen.

Auch wenn es verlockend ist, sollte man auf die Kombination Alkohol und Baden verzichten. Der Alkohol vermindert einerseits die körperliche Leistungsfähigkeit, verleitet andererseits zu übermütigem und leichtsinnigem Verhalten. Im schlimmsten Fall kann das tödlich enden.

Warum sollte man nicht erhitzt oder mit vollem Magen ins Wasser gehen?

Wenn man erhitzt ins Wasser geht und der Körper abrupt merkt, die Temperatur stimmt nicht mehr, fällt er in einen Schockzustand. Der Körper zentralisiert den Kreislauf, macht die Blutgefäße eng und lässt den Blutdruck ansteigen. Die Folge sind Kreislaufprobleme bis hin zum Kreislaufkollaps.

Wenn man Duschmöglichkeiten hat, sollte man sich am besten vorher abduschen. So kann sich der Körper an das (kühlere) Wasser gewöhnen. Gibt es keine Duschmöglichkeiten, sollte man langsam ins Wasser einsteigen, in die Hocke gehen und vorsichtig etwas Wasser über die Beine, Arme bis hin zum Brustkorb laufen lassen.

Beim Essen ist es so, dass der Körper direkt im Anschluss mit der Verdauung beschäftigt ist. Das ist durchaus eine anstrengende Tätigkeit für den Körper. Wenn dann ein Kältereiz in Form von Wasser hinzukommt, kann der Körper nicht wie gewohnt reagieren. In der Folge kann es zu Erbrechen und Übelkeit kommen.

Woher weiß man an Badeseen, wo es sicher ist, zu baden?

Man sollte immer auf Schilder achten, die Hinweise darauf geben. Zusätzlich kann man sich auf der Website der einzelnen Kommunen über den Zustand der Seen informieren. Beim Aichstrutsee in Welzheim gilt beispielsweise Baden auf eigene Gefahr.

An bewachten Stränden gibt es außerdem die klassischen Rot-Gelben Flaggen, die aufgezogen sein sollten. Diese zeigen an, ob das Schwimmen erlaubt oder ungefährlich ist. Oder die DLRG ist vor Ort und kann Auskunft darüber geben.

Was ist beim Baden mit Kindern besonders zu beachten?

Beim Baden mit Kindern gilt: Kinder nie aus den Augen lassen! Es ist immer wieder erschreckend, was wir mitbekommen und wie Eltern mit ihren Kindern, die teilweise noch nicht mal schwimmen können, umgehen. Man sollte die Kinder jederzeit beobachten und bei ihnen bleiben. Viele denken, wenn jemand ertrinkt, muss das laut sein.  Das Gegenteil ist aber der Fall, der Großteil der Ertrinkungsunfälle geht leise vonstatten. Wenn jemand erbricht, kann er gar nicht schreien. Und wenn jemand kraftlos ist oder einen Krampf hat, gerät er unter Wasser und ist weg.

Hinzu kommt, dass Kinder sich sehr, sehr schwer damit tun, Entfernungen einzuschätzen. Sie erkennen zudem nicht, wo es im Wasser ein Gefälle gibt. Darüber hinaus können sie ihre Kraft nicht so einschätzen, wie Erwachsene. Aber selbst bei Erwachsenen kommt es vor, dass sie sich überschätzen. Erschwerend bei Kindern kommt noch hinzu, dass man sie kaum bis gar nicht sieht, wenn sie im Wasser sind.  

Was sind die häufigsten Ursachen für Badeunfälle?

Unachtsamkeit und Selbstüberschätzung sind die häufigsten Ursachen für Badeunfälle.

Möchten Sie Badegästen noch einen Ratschlag auf den Weg mitgeben?

Sie sollen ihre freie Zeit durchaus genießen, aber Rücksicht nehmen, Baderegeln einhalten und aufeinander aufpassen.

Auch in den kommenden Tagen soll es im Rems-Murr-Kreis Temperaturen um 30 Grad geben. Mit den steigenden Temperaturen zieht es viele ins Schwimmbad oder an Badeseen. Doch Vorsicht: Aus dem Badespaß kann schnell tödlicher Ernst werden. Erst im Juni ist ein fünfjähriges Mädchen nach einem Badeunfall in Albstadt ums Leben gekommen. In Bad Cannstatt ertrank ein 50-Jähriger im Neckar.

Markus Mulfinger (40) ist seit über 25 Jahren bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG)

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