Rems-Murr-Kreis

Beratungsangebot für Familien mit behinderten Menschen: Stärken fördern, Wege finden, Krisen meistern

Diakonie Stetten Familienberatung Feature
Die Beratung der Diakonie Stetten steht allen behinderten Menschen, deren Angehörigen und Familien offen. © Diakonie Stetten

Kann sein, an Weihnachten kracht’s erst recht. Oder das Gegenteil zeigt sich und Familien erleben Weihnachten dieses Jahr trotz oder gerade wegen all der Corona-Unbill als eine Art Anker, als Halt gebend. Nadja Jäger und die anderen Fachkräfte von der Familienberatung der Diakonie Stetten versuchen im Vorfeld zu klären, was die Familien brauchen, damit die Feiertage gut ablaufen, ob es Risiken gibt, was geplant ist und all das. Die Heilpädagogin und systemische Therapeutin ist an den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr ansprechbar und auch sofort zum Start 2021 erreichbar. Das wird eine sensible Zeit.

Beratung beim Spazierengehen: Das ist machbar

„Recht schnell“ kann Nadja Jäger einen Ersttermin für eine Beratung anbieten – je nach Wunsch am Telefon, bei einem Spaziergang oder auch persönlich, dann eben mit Abstand. Die Familienberatung der Diakonie Stetten bietet Menschen mit Behinderungen und deren Familien an, in schwierigen Lebenssituationen gemeinsam nach Wegen aus der Krise zu suchen. Im Corona-Jahr gibt’s dafür mehr Anlass als sonst: Eltern müssen ständig damit rechnen, dass sie von heute auf morgen keine Betreuung haben, weil die Klasse ihres Kindes in Quarantäne muss. Angehörige erwachsener behinderter Menschen müssen klarkommen, wenn Werkstätten von jetzt auf nachher wegen eines Corona-Falles schließen. Fällt die Tagesstruktur weg, gestaltet sich der Alltag schwieriger, und deshalb „darf und soll man es sich dann auch zugestehen, dass es mal nicht optimal läuft“, rät Nadja Jäger. In der Beratung lenkt sie den Blick aufs Gute, auf die Ressourcen der Familien, ihre Stärken, ihre Energiequellen. Womit sind wir zufrieden, woher nehmen wir unsere Kraft und was lieben wir aneinander? Auf der Basis solcher Fragen lassen sich Lösungen finden für Probleme – nicht nur zu Coronazeiten.

Was tun, wenn sich die Ablösung von den Eltern schwierig gestaltet?

Familien mit einem behinderten Kind haben es mit spezifischen Fragen zu tun. Sind Schwierigkeiten im Umgang miteinander auf die Behinderung zurückzuführen oder handelt es sich um Probleme, die andere Familien genauso betreffen? Wie viel Rücksicht auf die Sondersituation ist nötig und ab welchem Punkt wird’s zu viel? Was tun, wenn der behinderte Angehörige unbedingt den Führerschein machen will, wenn sich die Ablösung vom Elternhaus schwierig gestaltet, wenn in der Werkstatt Probleme auftauchen, jemand über- oder unterfordert ist? Freundschaft und Partnerschaft sind ferner „große Themen“, berichtet Nadja Jäger.

Keine Kosten für die Klienten

An die Beratungsstelle der Diakonie Stetten kann sich jeder wenden, der mit einem behinderten Kind oder Erwachsenen zu tun hat und sich Impulse für ein besseres Zusammenleben wünscht. Ob außerhalb der Beratung ein Bezug zur Diakonie Stetten besteht, spielt keine Rolle. „Wir beraten trägerübergreifend“, betont Nadja Jäger. Ihren Klienten entstehen keine Kosten; das Angebot finanziert sich über die Eingliederungshilfe. Zehn Stunden für eine Krisenintervention sind zunächst vorgesehen, danach sieht man weiter. Nadja Jäger und die anderen Fachkräfte der Familienberatung können eine weitere Begleitung anbieten und einen entsprechenden Antrag stellen, an andere Anlaufstellen verweisen – oder sich verabschieden, weil einige Stunden Gespräche bereits gereicht haben, um den Druck aus dem Kessel zu nehmen. Es kommt drauf an und jeder Fall ist anders.

Einfach mal das Herz ausschütten

Das gilt auch für den Umgang mit Corona: Es könnten sich Aggressionen aufbauen, weil man dauernd aufeinanderhockt, weil die Tagesstruktur fehlt, Ängste hochkochen und diese Situation furchtbar nervt. „Es ist gut, wenn man jemandem das Herz ausschütten kann“, sagt Nadja Jäger – das gilt immer, aber in diesen unsicheren Zeiten noch viel mehr. Zu ihren Aufgaben gehört auch die Einschätzung, wie schwer ein Konflikt in einer Familie wiegt, ob eventuell Gewalt vorgefallen ist und es vielleicht besser wäre, vorübergehend eine Notunterbringung zu veranlassen, bis sich die Wogen wieder geglättet haben.

Konfliktpotenzial reduzieren

Das ist ein ganz seltener Extremfall. In der Beratung geht es darum, Konfliktpotenzial herauszunehmen, damit es so weit erst gar nicht kommt.

Gegen coronabedingte und auch sonstige Anspannung können Spaziergänge helfen, Musik, Aufräumaktionen. Nadja Jäger regt ihre Klienten dazu an, eine Liste zu schreiben, was jetzt gut tun und Entlastung bringen könnte. Vielleicht ist jetzt die Zeit, Dinge zu erledigen, „die man lange vor sich hergeschoben hat“, oder zuallererst braucht’s einfach jemanden, der mal zuhört. Es gibt auch Klienten, die Corona eine Menge Positives abgewinnen können, weil die Zeiten ruhiger sind, es weniger zu tun gibt, man sich einigeln darf.

Was auch immer anliegt und welches Problem auch immer drückt: „Man kann einfach anrufen.“

Kann sein, an Weihnachten kracht’s erst recht. Oder das Gegenteil zeigt sich und Familien erleben Weihnachten dieses Jahr trotz oder gerade wegen all der Corona-Unbill als eine Art Anker, als Halt gebend. Nadja Jäger und die anderen Fachkräfte von der Familienberatung der Diakonie Stetten versuchen im Vorfeld zu klären, was die Familien brauchen, damit die Feiertage gut ablaufen, ob es Risiken gibt, was geplant ist und all das. Die Heilpädagogin und systemische Therapeutin ist an den Tagen

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