Rems-Murr-Kreis

Berufseinstieg während Corona: Wie ist die Situation auf dem Arbeitsmarkt?

Christiane Käferle
Christine Käferle leitet die Agentur für Arbeit in Waiblingen. © ZVW/Benjamin Büttner

Der Start ins Berufsleben – sei es nach der Schule oder nach dem Studium – ruft bei vielen ein mulmiges Gefühl hervor. Wie hat sich die Arbeitsmarktsituation für Berufseinsteiger während Corona verändert? Sind Unsicherheiten aufgrund von Corona überhaupt berechtigt? Wir haben mit Christine Käferle, Leiterin der Bundesagentur für Arbeit in Waiblingen, gesprochen.  

„Es gab und gibt ein großes Angebot an Ausbildungsstellen“

Die Botschaft der Bundesagentur für Arbeit an Eltern und junge Menschen ist: „Es gab und gibt ein großes Angebot an Ausbildungsstellen und es gibt sehr wohl gute Chancen, einen Ausbildungsplatz zu finden.“ Der Bewerbungsprozess war zeitweise nur unterbrochen, weil Corona so plötzlich kam. Betriebe mussten damit erst einmal zurechtkommen. Das hatte zur Folge, dass Antworten auf Bewerbungen länger gedauert haben.

Durch Corona wurden aber mehr Auszubildende nicht übernommen. Das lag an Kurzarbeit und der Ungewissheit, wie es überhaupt weitergeht. „Die Arbeitslosenquote der jungen Menschen war in der Zeit schon höher, der Großteil hat aber bis Oktober eine Anschlussbeschäftigung gefunden“, so Käferle. Wenn von Jugendarbeitslosenquote die Rede ist, geht es um Menschen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren. Diesen Oktober lag die Jugendarbeitslosenquote im Rems-Murr-Kreis bei 2,7 Prozent. Das entspricht 680 jungen Menschen und in etwa dem Niveau von 2019. Im Oktober 2020 gab es 358 mehr junge Menschen ohne Arbeit als 2021.

Ein leichter Rückgang der Ausbildungsplätze im Rems-Murr-Kreis und in Stuttgart wurde zwar bemerkt, es gibt aber immer noch mehr Ausbildungsstellen als gemeldete Bewerber. In einigen Branchen gab es wegen Corona Schwierigkeiten. Davon betroffen war unter anderem der Messebau, da keinerlei Veranstaltungen stattgefunden haben.

Betriebe mussten erst einmal zurechtkommen

Nicht erst seit Corona kämpfen junge Arbeitssuchende mit Unsicherheiten und Ängsten. „Das gibt es bei Einzelnen immer. Ich habe immer wieder gehört, dass viele davon überzeugt sind, sie hätten gerade sowieso keine Chance auf dem Ausbildungsmarkt – das verunsichert junge Menschen sehr. Der Wahrheit hat das aber nicht entsprochen“, so Käferle. Sie seien mittlerweile auf einem guten Weg, zum Vorkrisenniveau zu gelangen. Seit einem Jahr wird die Arbeitslosigkeit von Monat zu Monat deutlich reduziert.

2020 mehr Ausbildungsverträge in Handwerksberufen als 2019

Es gibt Berufsfelder, die sich schwerer tun, ihre Ausbildungsstellen zu besetzen - Handwerksberufe zum Beispiel. Letztes Jahr konnten aber gerade diese sogar mehr Ausbildungsverträge als im Jahr 2019 im Rems-Murr-Kreis abschließen. Berufe, die zur Industrie- und Handelskammer gehören, dagegen weniger. Die beliebtesten Ausbildungsberufe liegen nach wie vor in Bereichen wie Einzelhandel, Lager und Mechatroniker.

Berufe passen sich an, entwickeln sich weiter - Corona hat das weiter beschleunigt. Hinzu kommt die zunehmende Digitalisierung, die ebenfalls zu Veränderungen in bestimmten Branchen führt. „Es ist schwer zu sagen, welcher Anteil Corona und welcher der zunehmenden Digitalisierung geschuldet ist. Es ist eine Verknüpfung aus beidem“, sagt Käferle.

Gefehlt hat der persönliche Kontakt

Schulabsolventen haben während Corona nicht mehr und nicht weniger Beratung im Hinblick auf die Berufswahl in Anspruch genommen. Das liegt auch daran, dass die Bundesagentur für Arbeit mit ihren Berufsberatern direkt an die Schule kommt. Allerdings war es während Corona nicht immer möglich, vor Ort zu sein. Beratungen wurden in dieser Zeit in virtueller oder telefonischer Form umgesetzt.

Für junge Menschen wurde die Phase der Orientierung durch Corona erschwert. Berufsmessen, die normalerweise einen direkten Kontakt mit der Firma ermöglichen, sind ausgefallen – zumindest in Präsenz. „Messen haben online stattgefunden und das ist einfach etwas anderes“, sagt Käferle. In der Berufsorientierung laufe außerdem viel über Praktika. Trotzdem hatte die große Berufsmesse im Rems-Murr-Kreis „Fokus und Beruf“ sehr viele Online-Teilnehmer. Den nächsten Schritt, mit den Betrieben direkt Kontakt aufzunehmen, sind allerdings deutlich weniger gegangen.