Rems-Murr-Kreis

Betrunken am Steuer: Ab wann ist es eine Straftat und was folgt dann?

Alkohol am Steuer
Symbolbild. © ALEXANDRA PALMIZI

Betrunkene Personen könnte man – theoretisch – leicht davon abhalten, Auto zu fahren: Eine Wegfahrsperre, gekoppelt mit einem Atemalkoholmesser, leistet gute Dienste. Eine europaweit einheitliche Regelung, die solche System für neue Autos vorschreiben könnte, wird seit langem von vielen Seiten gefordert. Denkbar wäre, Autofahrer/-innen, die bereits wegen Alkohol am Steuer aufgefallen sind, ein solches Gerät sozusagen zu verordnen: Auf Dauer würden solche Programme aber nur nutzen, sofern die Betreffenden sich parallel therapeutische Hilfe holen, heißt es in einer Auswertung der Unfallforschung der Versicherer. Aus deren Sicht könnten alkoholbedingte Unfälle „langfristig zu einem großen Teil verhindert werden“, sofern man sich zu einer verpflichtenden Installation dieser Geräte durchringen könnte.

Mit mehr als zwei Promille auf der B29 unterwegs

Von Trunkenheitsfahrten berichtet die Polizei regelmäßig. Eine 50-Jährige gerät mit ihrem Wagen in den Gegenverkehr und flüchtet anschließend zu Fuß, die Polizei stoppt einen Autofahrer, der auf der B 29 bei Remshalden in Schlangenlinien fuhr, ein Rentner wird zu einer mehrmonatigen Haftstrafe verurteilt, weil er nach mehreren Vorfällen erneut in betrunkenem Zustand auf ein Mofa gestiegen war: Das sind nur ein paar wenige Beispiele, willkürlich aus den Polizeimeldungen herausgegriffen. Diese Woche kam es bei einer Trunkenheitsfahrt auf der B 29 zu einem Unfall, bei welchem eine 38-jährige Frau verletzt wurde. Der Verursacher, ein 55-Jähriger, kam laut Polizei beim Alkoholtest auf mehr als zwei Promille. Der Mann hatte auf der B 29 auf Höhe Grunbach die Kontrolle über seinen Mercedes verloren. Das Auto stieß erst gegen die Mittelleitplanke und kollidierte dann mit dem VW der 38-Jährigen.

Wer bei einer Blutalkoholkonzentration von mehr als zwei Promille noch ein Auto starten und losfahren kann, hat mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Suchtproblem, wie eine Ärztin der Winnender Suchtklinik bestätigt. „Starke Gleichgewichts- und Konzentrationsstörungen, Erbrechen, Verwirrtheit, kaum noch Reaktionsvermögen, Muskelerschlaffung, Gedächtnis- und Bewusstseinsstörungen“ – diese Symptome sind auf dem Portal „Kenn dein Limit“ unter der Rubrik „Ab zwei Promille“ aufgeführt. Suchtkranke Menschen sind an den Konsum gewöhnt und weisen bei diesem Wert tendenziell geringere Ausfallerscheinungen auf.

Ab bestimmter Promillegrenze liegt eine Straftat vor

Darauf kommt es aber nicht an mit Blick auf die Folgen einer Trunkenheitsfahrt: Ab 1,1 Promille liegt absolute Fahruntüchtigkeit vor. Wer sich dann trotzdem ans Steuer setzt, begeht eine Straftat und muss entsprechend mit einer Verurteilung wegen Trunkenheit im Verkehr rechnen, wie eine Sprecherin des Landratsamts auf Nachfrage erläutert.

Sofern die Polizei bei Kontrollen mit Atemalkoholtests einen derart hohen Wert bei einem Autofahrer oder einer Autofahrerin ermittelt, wird sie den Führerschein noch an Ort und Stelle beschlagnahmen. Die Fahrerlaubnisbehörde wird informiert, das versteht sich von selbst.

Bis zur Verurteilung wegen Trunkenheit im Verkehr vergeht dann noch einige Zeit. Bei einem so hohen Promillewert wie im Beispielfall wird das Gericht eine Sperrfrist festlegen, innerhalb der die Person keine Chance hat, eine neue Fahrerlaubnis zu erhalten. Die Sperrfrist legt fest, ab wann die Führerscheinstelle frühestens wieder eine Fahrerlaubnis erteilen darf.

MPU: ab 1,6 Promille in jedem Fall

Letztlich legt die Fahrerlaubnisbehörde fest, unter welchen Auflagen jemand seinen Führerschein wieder zurückbekommt. Zuvor muss die Person in jedem Fall die gefürchtete medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) durchlaufen, sofern sie mit einer Blutalkoholkonzentration ab 1,6 Promille angetroffen worden war. Nur wenn das Gutachten nach der MPU der betreffenden Person Fahreignung bescheinigt, nimmt das weitere Prozedere seinen Lauf. In ihrer Infoschrift zur MPU rät die Bundesanstalt für Straßenwesen, die Zeit der Sperrfrist sinnvoll zu nutzen, um Fragen wie diese zu klären: Wodurch wollen und können Sie sicherstellen, dass es nicht wieder zu den früheren Fehlern kommen wird?

Im Jahr 2019 sind im Rems-Murr-Kreis 385 Führerscheine beschlagnahmt worden, wobei es sich nicht in allen Fällen um Trunkenheitsfahrten handelte. Auch jene Verkehrsteilnehmer/-innen, die etwa Cannabis konsumiert hatten oder wegen anderer Betäubungsmittel eigentlich nicht mehr hätten fahren dürfen, fallen in diese Rubrik. Coronabedingt zählte man am Landratsamt im Jahr 2020 mit 68 Beschlagnahmen viel weniger Fälle. Fürs Jahr 2021 gibt das Landratsamt die Zahl der Beschlagnahmen mit 260 an.

Rückfallquoten

Laut der Bundesanstalt für Straßenwesen fällt etwa eine(r) von 20 Fahrer/-innen wegen Alkohol im Straßenverkehr auf. „Von denen, die eine Blutalkoholkonzentration von 1,6 Promille und mehr dabei erreicht haben, fallen dann rund 50 Prozent (also einer von zwei) wieder auf“, informiert das Bundesamt weiter: Daher rührt die 1,6-Promille-Grenze, ab der die Teilnahme an einer MPU verpflichtend wird. Ferner sei das Unfallrisiko um das 18-Fache erhöht, sofern die Fahrerin oder der Fahrer eine Blutalkoholkonzentration von 1,6 Promille aufweist.

Laut der Jahresstatistik der Polizei fürs Jahr 2020 sind im Rems-Murr-Kreis 129 Unfälle geschehen, bei welchen Alkohol im Spiel war. 24 Menschen erlitten schwere, 40 Menschen leichte Verletzungen.

Betrunkene Personen könnte man – theoretisch – leicht davon abhalten, Auto zu fahren: Eine Wegfahrsperre, gekoppelt mit einem Atemalkoholmesser, leistet gute Dienste. Eine europaweit einheitliche Regelung, die solche System für neue Autos vorschreiben könnte, wird seit langem von vielen Seiten gefordert. Denkbar wäre, Autofahrer/-innen, die bereits wegen Alkohol am Steuer aufgefallen sind, ein solches Gerät sozusagen zu verordnen: Auf Dauer würden solche Programme aber nur nutzen, sofern die

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