Rems-Murr-Kreis

Bonsai-Verfolgungsjagd in Rudersberg: Flucht endet nach der ersten Kurve

Polizeikontrolle
"Halt, Polizei" zu signalisieren, hilft nicht immer auf Anhieb, wie ein aktueller Fall aus Rudersberg mal wieder offenbart. © Seibert/Fotolia

Das nennt man wohl einen rekordverdächtig schnell gescheiterten Fluchtversuch: Eine nächtliche Verfolgungsjagd endete am Sonntag in Rudersberg gleich nach der ersten Abzweigung. Das haben andere schon besser hingekriegt ...

Der aktuelle Fall: Polizisten bewähren sich als Sprinter

Eine Polizeistreife wollte am Sonntag gegen 23.25 Uhr in der Heilbronner Straße, die in Rudersberg auf ein paar Hundert Metern Länge in gerader Linie verläuft, den Fahrer eines Kleinkraftrades kontrollieren. Doch als die Beamten mit Blaulicht und dem Autodach-Leuchtband „Stop Polizei“ den Mann zum Anhalten aufforderten, wendete der abrupt und rauschte davon. Die Polizisten fuhren ihm nach – der Flüchtige bog, wohl, um auf unübersichtlicherem Terrain zu entkommen, in den Galgenbergweg ab.

Die Kurve kriegte er noch. Doch gleich danach musste er die Bahngleise überqueren; und stürzte. Die Beamten sprangen aus dem Auto, rannten dem nun zu Fuß Fliehenden hinterdrein – und entpuppten sich als leichtathletisch klar im Vorteil: Bereits nach etwa 30 Metern Sprint hatten sie ihn geschnappt.

Der 37-jährige „stand augenscheinlich unter Drogeneinfluss“, heißt es im Polizeibericht, „bei ihm konnte man auch eine geringe Menge einer betäubungsmittelähnlichen Substanz sicherstellen.“ Die Untersuchung des Pulvers laufe noch, teilt ein Polizeisprecher auf Nachfrage mit; eventuell handle es sich um Kokain. Das Zweirad – offiziell zugelassen nur für eine Geschwindigkeit bis 45 km/h – war nicht versichert und offenbar frisiert.

Unterm Strich macht das: Fahren mit einem nicht versicherten Fahrzeug und ohne Fahrerlaubnis; Drogenbesitz; Fahren unter Drogeneinfluss; und eventuell noch Diebstahl: die „Eigentumsverhältnisse“, was das Kleinkraftrad betrifft, seien nämlich noch „ungeklärt“, sagt die Polizei.

Filmreife Verfolgungsjagden kommen immer wieder mal vor ...

Archiv-Fall 1: Polizisten entlassen sich aus dem Feierabend

Einer der skurrilsten Stunts ereignete sich im August 2020 in den Berglen.

Ein junger Mann machte sich mit seinem unversicherten Roller gemeinsam mit einem ebenfalls motorisierten Kumpel auf zu einer nächtlichen Spritztour. Es war schon nach Mitternacht – um diese Zeit, dachten die Burschen wohl, wäre ja wohl in dieser ländlichen Gegend keine Streife mehr unterwegs. Die beiden sahen deshalb offenbar auch keinen Grund, sich allzu unauffällig zu verhalten. Als vor ihnen ein Opel Corsa nicht schnell genug unterwegs war, fuhren sie dicht auf, hupten fleißig, machten damit einen Mann und eine Frau auf sich aufmerksam, die ebenfalls im Auto unterwegs waren – und wie es der Zufall, dieser Schweinehund, so wollte: Die Zeugen waren Polizeibeamte, die sich zwar bereits im Feierabend befanden, aber nun zu einer Maßnahme schritten, die im Polizeijargon „sich selbst in den Dienst versetzen“ heißt ...

Sie nahmen die Verfolgung auf und erwischten einen der Flüchtigen, als er gerade versuchte, aus einem Wohngebiet heraus auf einen unbeleuchteten Feldweg zu entkommen.

Archivfall 2: Der kaum zu stoppende Renn-Smart

Ein größeres Stück Weg schaffte im März 2021 ein Smart-Fahrer. Bereits im Heslacher Tunnel in der Stuttgarter Stadtmitte fiel er durch gefährliche Manöver auf, weshalb eine Polizeistreife die Verfolgung aufnahm, im Kappelberg-Tunnel zu dem Smart-Piloten aufschloss und Haltesignale absetzte.

Der Mann im Renn-Smart indes ignorierte das und flitzte weiter. Erst mehrere Kilometer nach Ende des Kappelbergtunnels, bereits auf Höhe Waiblingen, gelang es den Beamten, den Raser zum Anhalten zu bewegen.

Archivfall 3: Der Ford Escort auf dem Fußweg

Den wohl heißesten Ritt der jüngeren Vergangenheit absolvierte im Herbst 2019 ein 21-Jähriger, der schon mehrere Jahre im Gefängnis verbracht hatte. Er war mit einem Ford Escort, den er kurz zuvor für 100 Euro gekauft hatte, nachts in Endersbach unterwegs, als er am Kalkofen eine Polizeistrafe sah. „Ich hab nur gedacht“, erklärte er später vor Gericht: „Scheiße, ich will nicht schon wieder in den Knast.“

Und so rauschte er mit 80 km/h und in den Kurven quietschenden Reifen durch den Ort, überfuhr eine Grünfläche, rauschte unterm Viadukt hindurch, flog am Bahnhof vorbei, fuhr weiter über Fußwege am Bildungszentrum und schaffte es bis zum Schweizerbach in Beutelsbach; wo er gegen eine Mauer fuhr.

Danach gelang ihm, man staune, die Flucht zu Fuß.

Wenig später aber konnte die Polizei seine Identität ermitteln. Dabei geholfen hatte unter anderem ein Video: Ein Kumpel hatte die Verfolgungsjagd gefilmt und die spektakuläre Stunt-Show ins Internet gestellt.

Das nennt man wohl einen rekordverdächtig schnell gescheiterten Fluchtversuch: Eine nächtliche Verfolgungsjagd endete am Sonntag in Rudersberg gleich nach der ersten Abzweigung. Das haben andere schon besser hingekriegt ...

Der aktuelle Fall: Polizisten bewähren sich als Sprinter

Eine Polizeistreife wollte am Sonntag gegen 23.25 Uhr in der Heilbronner Straße, die in Rudersberg auf ein paar Hundert Metern Länge in gerader Linie verläuft, den Fahrer eines Kleinkraftrades

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