Rems-Murr-Kreis

Booster-Impfung im Rems-Murr-Kreis: Regeln und Unwägbarkeiten

Impfaktionweinstadt
Impfstützpunkte und mobile Impfaktionen machen es immer einfacher, einen Termin fürs Boostern zu bekommen. © Gaby Schneider

Sie wollen eine klare Ansage? Sie wollen genau wissen, wann Sie sich Ihre Booster-Impfung abholen dürfen? Dann halten Sie sich an die Stiko. Die sagt: für den nicht kranken Normalmenschen nach sechs Monaten. Wer schon früher will – tja, für den gibt’s Wenns und Vielleichts.

Es ist ein Elend. Da soll der Mensch dringend boostern, es macht sich Impfhektik breit und nach Zeiten, in denen kaum einer zum Impfen gegangen ist, wollen jetzt wieder alle gleichzeitig. Und dann gibt’s keine ganz eindeutigen Aussagen. Oder eigentlich doch. Aber irgendwie auch wieder nicht.

Die Stiko sagt: Booster für alle ab 18

Hier noch mal die aktuelle, absolut gültige Empfehlung der Stiko, veröffentlicht vom Robert-Koch-Institut: Die Stiko „empfiehlt allen Personen ab 18 Jahren eine Auffrischimpfung mit einem mRNA-Impfstoff.“ So weit ist’s klar. Die Empfehlung lautet weiter: „Die Auffrischimpfungen sollen in der Regel im Abstand von sechs Monaten zur letzten Impfstoffdosis der Grundimmunisierung erfolgen“. Ha! Da ist sie schon, die schreckliche Wendung: „in der Regel“! Die Stiko erklärt weiter: „Eine Verkürzung des Impfabstandes auf fünf Monate kann im Einzelfall, oder wenn genügend Kapazitäten vorhanden sind, erwogen werden.“ Noch mal so was: „im Einzelfall“ und „kann erwogen werden“. Hier wird’s, na ja, flexibel.

Wer jetzt einen Booster-Termin ausmachen will, sollte bei der Terminfindung noch eine weitere Stiko-Empfehlung mitbedenken. Folgenden Personengruppen ist an erster Stelle eine Auffrischimpfung anzubieten: Personen, deren Immunsystem geschwächt ist, Personen im Alter von 70 Jahren und älter, Bewohner und Bewohnerinnen in Pflegeeinrichtungen aller Art sowie Personal in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen.

Was ist mit dem Schutz? Der lässt doch nach?

Aber was ist denn mit dem Impfschutz? Da gibt’s doch erschreckende Erkenntnisse, und zwar auch bei Menschen, die nicht in die Prioritätenliste der Stiko fallen? In einer amerikanischen Studie wurde festgestellt, dass der Impfschutz derer, die mit Johnson & Johnson geimpft wurden, nach sieben Monaten mit nur noch 13 Prozent quasi nicht mehr vorhanden ist. Der Epidemiologe Timo Ulrichs sagte dem ARD-Politikmagazin „Report Mainz“: Jeder, der nur einmal mit Johnson & Johnson geimpft worden sei, sollte sich so verhalten, als wäre er nicht geimpft. Und so ein Impfschutz geht nicht schlagartig in die Knie, sondern baut nach und nach ab – die Wirksamkeit lässt also schon viel früher deutlich nach.

Und was ist mit den anderen Impfstoffen? Auch bei Biontech, Moderna und Astrazeneca sinkt die Wirksamkeit. Der bayrische Radiosender BR 24 berichtet von einer schwedischen Forschergruppe. Die hat in einer Studie festgestellt, dass nach 121 bis 180 Tagen – also nach vier bis sechs Monaten – die Wirksamkeit des Biontech-Impfstoffs nur noch bei 47 Prozent lag. Waren seit der zweiten Impfdosis 211 Tage oder mehr vergangen, ließ sich aus den Daten kein messbarer Schutz mehr gegen eine symptomatische Infektion ablesen.

Aber Achtung: Der Schutz davor, dass eine Infektion schwer verläuft und zu einer Einweisung ins Krankenhaus oder zum Tod führt, war auch nach neun Monaten immer noch hoch. Und zwar sowohl bei Biontech als auch bei Moderna und Astrazeneca.

Beim Moderna-Impfstoff sank die Wirksamkeit langsamer: Er schützte nach einem halben Jahr noch zu 59 Prozent vor einer Infektion mit Krankheitszeichen. Der Impfstoff von Astrazeneca zeigte dagegen weniger Wirksamkeit. Diese sank zudem schneller ab: 121 Tage nach der zweiten Dosis war aus den Bevölkerungsdaten keine Wirkung gegen eine symptomatische Infektion mehr abzuleiten.

Sehr guter Schutz bis etwa vier Monate nach der zweiten Impfung

Das heißt zusammengefasst und verallgemeinert: Bis etwa vier Monate nach der zweiten Impfung sind die Menschen so gut geschützt, dass sie sich nicht anstecken oder zumindest keinerlei Symptome einer Infektion zeigen. Danach kann es zu einem Impfdurchbruch kommen, der die Menschen krank macht – wenn auch noch nicht so krank, dass es lebensgefährlich wird.

Deshalb raten einige Ärzte dazu, den Booster schon deutlich vor den sechs Monaten, die die Stiko empfiehlt, zu geben. Und zwar nicht nur jenen, die auch laut Stiko-Empfehlung schon fünf Monate nach der Zweitimpfung geboostert werden sollen.

Für die anderen aber gibt’s einfach keine niedergeschriebene Regel. Es liegt schlichtweg im Ermessen des Arztes und – so blöd das klingt – an den Umständen.

Deshalb empfehlen die für die verschiedenen Impfaktionen Verantwortlichen im Landratsamt nach wie vor: Wer denkt, dass ein Booster deutlich vor den empfohlenen sechs Monaten sinnvoll wäre, soll zu seinem Hausarzt gehen. Der Hausarzt kennt die Krankheitsgeschichte und kann die Situation einschätzen.

Wieder heimgeschickt? Kann passieren

Wer zu einem Impfstützpunkt oder einer mobilen Impfaktion gehen möchte, obwohl die sechs Monate noch nicht abgelaufen sind, kann dies tun. Aber es gibt keine Garantie dafür, dass die Impfung dann gegeben wird. Vielleicht ist nix los und der beratende Arzt ist außerdem der Meinung, dass jeder dargereichte Arm ein Gewinn für die Gesellschaft ist, Stiko hin oder her. Womöglich aber hält sich der beratende Arzt streng an die Stiko-Empfehlung. Womöglich ist der Andrang so groß, dass der Impfstoff nicht für alle Impfwilligen reicht und dann erst diejenigen versorgt werden, die den Schutz dringender benötigen. Dann kann es passieren, dass Sie wieder heimgeschickt werden.

Sie wollen eine klare Ansage? Sie wollen genau wissen, wann Sie sich Ihre Booster-Impfung abholen dürfen? Dann halten Sie sich an die Stiko. Die sagt: für den nicht kranken Normalmenschen nach sechs Monaten. Wer schon früher will – tja, für den gibt’s Wenns und Vielleichts.

Es ist ein Elend. Da soll der Mensch dringend boostern, es macht sich Impfhektik breit und nach Zeiten, in denen kaum einer zum Impfen gegangen ist, wollen jetzt wieder alle gleichzeitig. Und dann gibt’s keine ganz

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