Rems-Murr-Kreis

Bundesweiter Warntag 2022 am 8.12.: Wo heulen die Sirenen im Rems-Murr-Kreis?

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Eine Sirene auf dem Welzheimer Rathaus: Welzheim zählt zu jenen fünf Rems-Murr-Kommunen, die beim Warntag am 8. Dezember Sirenen heulen lassen können - und es auch tun werden. © Gabriel Habermann

Sirenen galten lange als Warnmittel von vorgestern. Auch im Rems-Murr-Kreis ließ man die Technik im Keller verrotten. Spätestens nach dem Hochwasser im Ahrtal wurden die Rufe lauter, Sirenen wieder in Betrieb zu nehmen. Zumal ein Mensch, der schläft, von Warnmeldungen auf dem Handy nichts mitbekommt. Im Rems-Murr-Kreis soll jetzt nach und nach ein flächendeckendes Sirenennetz entstehen, das sich zentral ansteuern lässt. Pläne liegen vor, erste Arbeiten sind vergeben. Am bundesweiten Warntag diese Woche am Donnerstag, 8. Dezember, wird sich das Geheul mangels funktionsfähiger Sirenen aber noch in Grenzen halten: In nur fünf Kommunen im Rems-Murr-Kreis wird der typische Heulton Schlag 11 Uhr alle aufschrecken. Sofern alles klappt.

Warntag 2020 war im Rems-Murr-Kreis zum Flop geraten

Der vorige Warntag im September 2020 war zum Flop geraten; die digitale Technik hatte vollumfänglich versagt. Der Probealarm war zentral ausgelöst worden, woraufhin die Systeme zusammenbrachen: Die Probewarnung kam via Warn-App NINA gar nicht an. Eine ähnliche Blamage kann und will sich beim Warntag diese Woche niemand leisten.

Sirenen-Infrastruktur im Rems-Murr-Kreis: Ein Schallgutachten liegt schon vor

Auf zentral vom Bund ans Handy verschickte Warnmeldungen hat der Rems-Murr-Kreis keinen Einfluss, auf die Sirenen-Infrastruktur durchaus. Ein Schallgutachten liegt längst vor. Dort ist im Detail erklärt, wie viele Sirenen welcher Art nötig sind, damit die gesamte Rems-Murr-Bürgerschaft zuverlässig selbst tiefsten Tiefschlaf im Notfall sofort beendet.

Wo hört man am 8.12. Sirenen?

Zunächst werden am bundesweiten Warntag in folgenden Kommunen Bürger/-innen an Kriegszeiten erinnert  - an vergangene und aktuelle: Festinstallierte Sirenen heulen am 8. Dezember in Burgstetten, Plüderhausen, Murrhardt und Welzheim. Zwei mobile Sirenen gehen in Waiblingen los.

Was bedeuten welche Töne der Sirenen?

Auf der Website des Bundesamts für Bevölkerungsschutz gibt es eine kleine Sirenentonkunde für Jüngere, die damit noch nie konfrontiert waren: Der auf- und abschwellende Heulton bedeutet Gefahr, sofern es sich nicht wie beim Warntag um einen Probealarm handelt. Um 11.45 Uhr am 8. Dezember wird dann das Signal für Entwarnung zu hören sein: Das ist ein durchdringender Ton, der gleichbleibend eine Minute lang anhält, ohne dieses Hoch-und-runter-Geheul.

Aufbau der Sirenen: Arbeiten beginnen im Januar 2023

Zurück zum Schallgutachten und zu den Planungen für eine flächendeckende Sirenen-Infrastruktur im Rems-Murr-Kreis: 322 Sirenen sind laut einer Sprecherin des Landratsamtes nötig, um den Landkreis flächendeckend zu beschallen – davon 278 als Dachmontage und 44 als Mastmontage. Für 22  von 31 Städten und Gemeinden im Rems-Murr-Kreis habe die Landkreisverwaltung bereits  eine zentrale Ausschreibung für die Sirenentechnik auf den Weg gebracht. Der entsprechende Auftrag ist bereits im August vergeben worden, so die Sprecherin weiter. Die Fachfirma starte im Januar 2023 mit den Arbeiten vor Ort. Zeitgleich stecken Fachleute von der Rems-Murr-Stabsstelle Brand- und Katastrophenschutz  mit Expert/-innen aus den Kommunen die Köpfe zusammen und hecken aus, wie Warnbezirke zugeschnitten sein sollten, damit im Notfall alles funktioniert, wie es soll, und die Integrierte Leitstelle zentral und zielgerichtet Warnungen dort auslösen kann, wo sie nötig sind.

Geld vom Bund - aber längst nicht für alle

19 Rems-Murr-Kommunen hatten schnell genug den Finger gehoben, als der Bund via Sirenenförderprogramm Gelder verteilte. In den Genuss der Förderung kommen der Sprecherin zufolge Allmersbach im Tal, Althütte, Aspach, Backnang, Burgstetten, Fellbach, Großerlach, Kaisersbach, Kernen, Kirchberg an der Murr, Korb, Leutenbach, Murrhardt, Oppenweiler, Rudersberg, Schwaikheim, Spiegelberg, Weissach im Tal und Winterbach. Insgesamt 104 Sirenen werden durch das Programm gefördert – also nur knapp 30 Prozent.

Wer eine Förderung aus dem Sirenenförderprogramm des Bundes ergattert hat, erhält 10.850 Euro für eine Sirene in Dach-/Gebäudemontage und 17.350 Euro für eine Sirene, die an einem freistehenden Mast befestigt wird. Waiblingen, Weinstadt, Winnenden und Remshalden bauen außerdem auf eigene Kosten Sirenen auf "und verbessern so die Warnsituation zusätzlich", wie es in der Antwort der Sprecherin auf eine Anfrage dieser Zeitung heißt.

Konflikte zwischen Kommunen vermeiden

Unterdessen hoffen jene Kommunen, die vom Fördertopf des Bundes nichts abbekommen haben, nach wie vor auf Zuschüsse. In einem gemeinsamen Schreiben an die Landespolitik hatten die (Ober-)-Bürgermeister/-innen bereits im Frühjahr gefordert, die Fördertöpfe mögen aufgestockt werden. Der Rems-Murr-Kreistag hatte Anfang April via Resolution das Anliegen der Städte und Gemeinden unterstützt. Initiator des gemeinsamen Schreibens war seinerzeit der Welzheimer Bürgermeister Thomas Bernlöhr.

Sein Statement vom April: „Die Warninfrastruktur nur auf lokaler Ebene aufzubauen und zu betreiben, ist deutlich zu kurz gesprungen. Schon für das regelmäßige Einüben der Reaktionen der Bürgerschaft auf eine Sirene brauchen wir mindestens einen kreisweiten Betrieb und damit kreisweite Sirenen.

Daneben kann die Tatsache, dass eine Gemeinde nun schnell eine Sirene aufbauen muss, die Nachbargemeinde aber zum Warten verdonnert ist, erhebliche und völlig unnötige Konflikte auf der kommunalpolitischen Ebene verursachen. Deshalb: Wir brauchen schnell eine flächendeckende Förderung, um schnell flächendeckend voranzukommen, gerade bei dieser Aufgabe, die eigentlich bei Land und Bund liegt.“

"Katastrophenschutz muss ein Top-Thema sein", stellte Landrat Dr. Richard Sigel seinerzeit via Pressemitteilung klar: "Wir hoffen, dass alle Kommunen Geld für den Aufbau der Warnsirenen bekommen", schrieb Sigel und verwies auf "entsprechende Signale" aus dem Bundesinnenministerium.

Sirenen galten lange als Warnmittel von vorgestern. Auch im Rems-Murr-Kreis ließ man die Technik im Keller verrotten. Spätestens nach dem Hochwasser im Ahrtal wurden die Rufe lauter, Sirenen wieder in Betrieb zu nehmen. Zumal ein Mensch, der schläft, von Warnmeldungen auf dem Handy nichts mitbekommt. Im Rems-Murr-Kreis soll jetzt nach und nach ein flächendeckendes Sirenennetz entstehen, das sich zentral ansteuern lässt. Pläne liegen vor, erste Arbeiten sind vergeben. Am bundesweiten Warntag

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