Rems-Murr-Kreis

Bus-Unternehmen im Rems-Murr-Kreis: Corona-Krise, Diesel-Schock - Rettungspaket

Busdiesel
Das Problem in einem Bild: Der Dieselpreis plagt die Bus-Unternehmen. © Gabiel Habermann

Für die Busunternehmen kommt es dicke. Noch sind die Einnahmeausfälle wegen Corona nicht verdaut, schon droht neues Ungemach: Die hohen Dieselpreise sind potenziell existenzbedrohend. Die Landkreise in der Region Stuttgart wollen ein weiteres Rettungspaket schnüren, nachdem sie, die Träger der Busverkehre im Verkehrsverbund Stuttgart, den Busunternehmern bereits wegen Corona unter die Arme greifen mussten. Denn eins ist sicher: Insolvenzen und Notvergaben kämen die Kreise weitaus teurer zu stehen.

Das bittere Lehrbeispiel Knauss-Pleite

Der Rems-Murr-Kreis hat seine Lektion gelernt. Die Pleite des Schorndorfer Traditionsunternehmens Knauss im Jahr 2019 hat dem Landratsamt nicht nur viel Arbeit und Ärger bereitet, sondern auch viel Geld gekostet. Der Nachfolger von Knauss lässt sich die Bedienung der Linien in und um Schorndorf nach der notwendigen, europaweiten Neuausschreibung teuer bezahlen. Insolvenzen gelte es deshalb unbedingt zu vermeiden, sagte Philipp Rauffmann, Leiter des Amtes für Öffentlichen Personennahverkehr, am Montag im Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistages.

Die Verkehrsunternehmen im VVS stünden vor großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Zu den Einnahmeausfällen infolge der Corona-Pandemie kämen Kostensteigerungen im Personalbereich und für den Treibstoff. Um Insolvenzen nach Möglichkeit zu vermeiden, erarbeiten die Verbundlandkreise einen Lösungsvorschlag, mit dem den Unternehmern die gestiegenen Kosten ausgeglichen werden können, erklärte Rauffmann den Kreisräten.

Corona hatte die Verkehrsunternehmen kalt auf der Einnahmeseite erwischt. Sehr wahrscheinlich werden die Fahrgeldeinnahmen auch noch im kommenden Jahr geringer ausfallen als erhofft. Viele Pendler meiden aus Angst vor Ansteckung Busse und Bahnen, Home-Office macht viele Fahrten zur Arbeit inzwischen überflüssig, und auch Veranstaltungen sind rar gesät, so dass Fahrgäste im Freizeitverkehr fehlen.

Pausen und Diesel kosten Geld

In den letzten Wochen und Monaten aber seien noch zwei weitere Aspekte hinzugekommen, die zu stark steigenden Kosten bei den Unternehmen führen, so Rauffmann.

Erstens: Ende 2021 habe es einen neuen Tarifvertragsabschluss gegeben, der unter anderem den zulässigen Anteil unbezahlter Pausen zunehmend begrenzt. Gerade im ländlichen Raum, wo es durch den geringeren Takt häufig mehr Standzeiten gibt als im städtischen Raum, könne dies deutliche Mehrkosten verursachen.

Zweitens: Die Treibstoffkosten, die einen Anteil von bis zu 20 Prozent an den Gesamtkosten der Unternehmer ausmachen, steigen und sind mit dem Beginn des Krieges in der Ukraine regelrecht explodiert – Rauffmann schätzte die Kostensteigerung auf 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese Entwicklung habe niemand vorhersehen können.

Die engen Kalkulationen, mit denen sich die Busfirmen vor Jahren die Aufträge für die sogenannten Linienbündel geschnappt haben, sind folglich Makulatur. Die Landratsämter befürchten, dass die Busunternehmer nun den Bettel hinwerfen und ihre Verträge kündigen wollen – oder dass sie pleite gehen könnten.

Finanzhilfen sind billiger als Insolvenz-Kosten

„Um dies zu vermeiden, erarbeiten die Verbundlandkreise gerade ein Konzept, wie die Busunternehmen finanziell gestützt werden können“, hieß es in der Vorlage für die Kreisräte. „Solche Finanzhilfen werden einhellig als deutlich günstiger angesehen als die hohen Kosten, die mit einer Insolvenz verbunden sind.“

Der Lösungsansatz sieht vor, dass sich die Busfirmen ihre Mehrkosten erstatten lassen können. „Im Wesentlichen würde durch diesen Lösungsansatz die bisherige Kostenfortschreibung unternehmerfreundlicher, sie würde die tatsächlichen Kostenentwicklungen realistischer abbilden als die jetzigen Regelungen.“ Die Landkreisverwaltungen stimmen sich zu diesen Lösungen untereinander und mit dem VVS eng ab.

Wie viel das die Kreise am Ende kosten wird, ist noch nicht absehbar. „Eine Kostenabschätzung wird zeitnah vorgelegt“, teilt das Landratsamt mit.

Rettungspaket-Debatte mündet in Streit ums 365-Euro-Ticket

Im Umwelt- und Verkehrsausschuss sorgte dieser Tagesordnungspunkt für eine rege Diskussion. FDP/FW-Kreisrat Jochen Haußmann weiß um die Probleme der Busunternehmer im Land. „Die Hütte brennt.“ Doch gleichzeitig fragt er sich, ob man in der aktuellen Lage nicht an dieser oder jener Stelle den Rotstift ansetzen könnte. Zu diesen „kosmetischen Dingen“ im ÖPNV zählt er beispielsweise das heiß diskutierte 365-Euro-Ticket für junge Leute oder Nachtbusse, die viel Luft spazieren fahren.

Widerspruch kam unter anderem von SPD-Kreisrat Klaus Riedel. Er fragte sich bei den Klagen über angeblich zu teure Tarifverträge, ob die öffentliche Hand nun auch für Fehlkalkulationen der Busunternehmer einstehen müsse.

Für die Busunternehmen kommt es dicke. Noch sind die Einnahmeausfälle wegen Corona nicht verdaut, schon droht neues Ungemach: Die hohen Dieselpreise sind potenziell existenzbedrohend. Die Landkreise in der Region Stuttgart wollen ein weiteres Rettungspaket schnüren, nachdem sie, die Träger der Busverkehre im Verkehrsverbund Stuttgart, den Busunternehmern bereits wegen Corona unter die Arme greifen mussten. Denn eins ist sicher: Insolvenzen und Notvergaben kämen die Kreise weitaus teurer zu

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