Rems-Murr-Kreis

Busfahrer des Jahres im Rems-Murr-Kreis: Joseph Okalla mögen einfach alle

Joseph Okalla vom Busunternehmen Fischle hat in diesem Jahr die Auszeichnung  Busfahrer des Jahres  im Rems-Murr-Kreis erhalten Sept. 2022
Joseph Okalla vom Busunternehmen Fischle hat in diesem Jahr die Auszeichnung „Busfahrer des Jahres“ im Rems-Murr-Kreis erhalten. © Büttner

Wer im Rems-Murr-Kreis mit Bus und Bahn unterwegs ist, hat vermutlich schon öfters angenehme oder weniger angenehme Erfahrungen mit Busfahrerinnen und Busfahrern gemacht. Drehen sich Gespräche um dieses Berufsbild, geht es meistens um Verspätungen oder abrupte Bremsvorgänge an Haltestellen. Selten hört man jemanden sagen: „Heute ist der Busfahrer aber mal wieder besonders angenehm gefahren!“ Genau deshalb hat der Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) im Jahr 2004 die Auszeichnung zum „Busfahrer des Jahres“ ins Leben gerufen. Seitdem wird jedes Jahr ein Busfahrer oder eine Busfahrerin gekürt, der oder die den Fahrgästen durch Fahrstil oder freundliche Ausstrahlung besonders positiv aufgefallen ist.

Dieses Jahr heißt der Sieger Joseph Okalla. Der Stuttgarter fährt für das Busunternehmen Fischle, welches nun schon zum zweiten Mal in Folge den Busfahrer des Jahres stellt. Der wurde nicht wie in Vor-Corona-Zeiten direkt vom Publikum über eine Online-Wahl gewählt, sondern von einer Jury, bestehend aus Vertretern vom Landratsamt, von Busunternehmen und dem VVS.

Lob für freundliche Ansagen

Dass die Wahl auf Joseph Okalla fiel, lag jedoch vor allem an den zahlreichen Einsendungen von Fahrgästen, welche seine angenehme Fahrweise und seine freundlichen und individuellen Ansagen lobten. „Für Schulkinder hat er auch mal eine Gesangseinlage parat, älteren Fahrgästen erklärt er freundlich und geduldig, wie sie an ihr Ziel ankommen“, heißt es in der Pressemitteilung des VVS. „Es haben sich viele begeisterte Mütter gemeldet, die sich sehr über seine Gesangseinlagen gefreut haben“, erzählt Ralf Steinmetz, der Geschäftsführer des Busunternehmens Fischle.

Zuvor verschiedene Jobs gehabt

Doch dass Joseph Okalla Busfahrer werden würde, war alles andere als vorgezeichnet. So hat der zweifache Vater schon viele verschiedene Jobs gehabt und war unter anderem im Bereich Trockenbau, als Reinigungskraft und als Chauffeur tätig. Diese Jobs haben ihn aber nie so zufriedengestellt, wie das der Fall ist, seit Joseph Okalla als Busfahrer unterwegs ist.

Nachdem er seinen vorherigen Job gekündigt hatte, ging er zum Arbeitsamt. Dort schlug man ihm vor, eine Karriere als Busfahrer in Erwägung zu ziehen. „Ich wollte schon immer viel mit Menschen zu tun haben“, erzählt Okalla – und dieser Wunsch erfüllt sich natürlich in ganz besonderer Weise, wenn man im Bus den ganzen Tag sehr viele Menschen durch die Lande fährt. Mehrere Tausend Kunden bringt er täglich von A nach B. „Vom Rollstuhlfahrer über die lärmende Schulklasse bis zum Betrunkenen nachts um zwölf ist alles dabei“, erzählt Ralf Steinmetz, der sichtlich stolz auf seinen Angestellten ist.

Nicht alle Fahrgäste benehmen sich ordentlich

Steinmetz betonte beim Pressetermin am Mittwoch auch, dass der Job als Busfahrer nicht immer einfach sei. „Oft gibt es Fahrgäste, die versuchen, den Busfahrer zu provozieren“, meint der Fischle-Geschäftsführer. „Es gab schon Fahrgäste, die im Bus angefangen haben zu rauchen oder von außen aggressiv an die Scheibe geklopft haben“, erzählt Joseph Okalla. „Da habe ich aber immer ruhig reagiert, in solchen Momenten bringt es nichts, sich aufzuregen“, meint der 34-Jährige.

Ralf Steinmetz nutzt die Gelegenheit, um auf den großen Bedarf an Busfahrern hinzuweisen, der zurzeit herrscht: „Im Rems-Murr-Kreis fahren im Moment so viele Busse wie noch nie zuvor in der Geschichte“, so Ralf Steinmetz. Viele Busfahrer würden bald in Rente gehen, der Nachwuchs ist knapp: „Früher konnte man sich den Nachwuchs bei der Bundeswehr holen, heute gibt es durch den demografischen Wandel immer weniger Bewerber, die nachkommen“, erzählt Steinmetz. Auch die Kosten für den Busführerschein, die sich auf 12.000 bis 15.000 Euro belaufen, übernehme das Arbeitsamt heute nicht mehr so selbstverständlich wie früher.

Nicht mit Auszeichnung gerechnet

Über eine mögliche Gehaltserhöhung angesichts der Auszeichnung und des Mangels an Kollegen hat Joseph Okalla aber noch nicht nachgedacht: „Ich hätte erst mal nie erwartet, dass ich so eine Auszeichnung bekomme“, erzählt der Vater einer 16-jährigen Tochter und eines 19 Monate alten Sohnes überrascht. „Außerdem ist es die Sache des Chefs, ich habe da nicht so viel mitzureden.“

Dass Okalla tatsächlich bald mehr verdienen sollte als seine Kollegen, ist zwar nicht in Planung – immerhin werden alle Busfahrer bei der Firma Fischle nach Tarifvertrag bezahlt. Fest steht jedoch jetzt schon, dass er seine Fahrgäste auch in Zukunft mit Liedern wie „If you’re happy and you know it, clap your hands“ oder anderen erheiternden Durchsagen begeistern wird.

Wer im Rems-Murr-Kreis mit Bus und Bahn unterwegs ist, hat vermutlich schon öfters angenehme oder weniger angenehme Erfahrungen mit Busfahrerinnen und Busfahrern gemacht. Drehen sich Gespräche um dieses Berufsbild, geht es meistens um Verspätungen oder abrupte Bremsvorgänge an Haltestellen. Selten hört man jemanden sagen: „Heute ist der Busfahrer aber mal wieder besonders angenehm gefahren!“ Genau deshalb hat der Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) im Jahr 2004 die Auszeichnung zum „Busfahrer

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