Rems-Murr-Kreis

Carola Huber und ihre Tochter Lenya aus Waiblingen-Neustadt befinden sich im Masken-Nähfieber

Masken Huber
Carola Huber und ihre Tochter Lenya sind ehrenamtlich in die Masken-Großproduktion eingestiegen. © Gabriel Habermann

Lenya näht. Zuweilen platziert sie das Handy nahe der Nähmaschine. So kann sie mit Freundinnen quatschen, die gar nicht da sind, und währenddessen weiternähen.

Die Fakten kurz gebündelt: Rund 140 Mund- und Nasen-Masken hat das Neustädter Nähteam Huber-und-Huber innerhalb von zwei Wochen produziert. Lenya Huber (15) und ihre Mutter Carola (40) sind da „so reingerutscht“. Erst ein Whatsapp-Aufruf, dann ein Hilferuf aus dem Waiblinger Rot-Kreuz-Haus hatte sie erreicht: „Ich brauch’ Näherinnen!“, meldete Birgit Kralisch kurz vor Beginn der Maskenpflicht. Als Kreis-Koordinatorin fürs Masken-Management führte sie eine Warteliste für Interessenten – und die Liste wuchs und wuchs und wuchs.

"Noch wollen wir nicht aufhören"

Lenya und Carola Huber befinden sich nach wie vor im Nähfieber. „Noch wollen wir nicht aufhören“, verspricht Carola Huber, und man kann ihre Tochter sozusagen durchs Telefon nicken hören.

15-Jährige nähen nicht, 15-Jährige lackieren sich die Fingernägel und glotzen Netflix im Bett, sagt das Klischee. Lenya lacht und näht, weil das Soziale „voll ihr Ding“ ist und sie jetzt „der Gesellschaft was zurückgeben kann“.

Helfer hinterlassen Stoff und Gummibänder vor der Tür

Mitbürger geben Stoff und Gummibänder, die in großen Mengen und in Tüten verpackt regelmäßig vor der Huberschen Haustür in Neustadt landen. „Guck mal vor die Tür“, schreiben Geber-Bürger auf Whatsapp, und dann startet im Hause Huber ein platzgreifendes Materialmanagement. „Wir breiten uns halt aus“, berichtet Carola Huber, und dann wird zugeschnitten im Akkord. Ein Standard-Schnittmuster passt nicht für jedes Göschle, weshalb die beiden Damen immer mal Rand einbauen übers Schnittmuster hinaus – für die Großkopfeten sozusagen. Die Gummibänder erhalten zeitgleich den passenden Zuschnitt, dann läuft das alles hinterher in die Maschine wie nix. In welchem Format die Gummibänder anzubringen sind, „damit es nicht lummelt und gut passt“ – das lehrt die Erfahrung.

Nähen im Garten: "Ist wie Urlaub"

Flexibilität am Home-Näharbeitsplatz lehrt ebenfalls die Erfahrung – und hängt vom Wetter ab. Man sah Mutter und Tochter des Öfteren schon im Garten nähend sitzen, und beide versichern glaubhaft: „Ist wie Urlaub.“

Nach getaner Arbeit schwingt sich das Nähteam aufs Rad und rollt in Dreierreihe nach Waiblingen zu Birgit Kralischs Masken-Zentrale. Dreierreihe deshalb, weil Carola Hubers Sohn, zehn Jahre jung und Viertklässler, die Liefer-Karawane begleitet.

Ein extra Innenteil für jedes Exemplar

Lenya Huber, Neuntklässlerin an der Waiblinger Staufer-Realschule und mittlerweile geübt im vormittäglichen Online-Lernen, sortiert unterdessen Stoffe nach Schönheit. Ein dunkler mit dunkelgrünen Sternen hat es ihr besonders angetan. Als Innenteil – der Fachbegriff lautet „Gegenstoff“ – fungiert bei ihrer Lieblingsmaske ein umgekehrt farbiges Materialmix: dunkle Sterne auf grünem Grund. „Voll süß“, urteilt Lenya und berichtet, als wär’s das Normalste der Welt: Alle Huber-Masken sind mit einem extra Innenteil versehen. Wer auch immer via Kralisch-Schaltzentrale mit einer Maske aus dem Hause Huber beschenkt wird: Sie oder er atmet fortan in ein weich-weißes Innenfutter. Oder in eins mit Sternchen. Oder es fängt ein Marienkäfer-Design die Nasen-Tröpfchen ab. Unmöglich ist nichts.

Maskenparade im Supermarkt

Wer halbe Tage und Nächte der Masken-Produktion widmet, schärft unweigerlich den Blick: Verdeckt ein rein-weißes, ödes Viereck das Lächeln des Mitmenschen, oder lässt eine knallbunte Maßanfertigung die Brillengläser beschlagen? Carola Huber findet’s „witzig“, dieser Tage einkaufen zu gehen – schon allein wegen der Maskenparade. Eines Tages wird ihr ein bekanntes Exemplar begegnen. Eins mit Innenteil. Vielleicht mit Sternchen. Ein echtes Prachtstück aus dem Huberschen Mutter-Tochter-Garten-Nähstudio.

Lenya näht. Zuweilen platziert sie das Handy nahe der Nähmaschine. So kann sie mit Freundinnen quatschen, die gar nicht da sind, und währenddessen weiternähen.

Die Fakten kurz gebündelt: Rund 140 Mund- und Nasen-Masken hat das Neustädter Nähteam Huber-und-Huber innerhalb von zwei Wochen produziert. Lenya Huber (15) und ihre Mutter Carola (40) sind da „so reingerutscht“. Erst ein Whatsapp-Aufruf, dann ein Hilferuf aus dem Waiblinger Rot-Kreuz-Haus hatte sie erreicht: „Ich brauch’

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