Rems-Murr-Kreis

CDU-Bewerber im Online-Kreuzverhör:  Wie potenzielle Nachfolger/-innen Joachim Pfeiffers die Dinge sehen

CDUwahl
Symbolbild. © Benjamin Buettner

Alle drei wollen’s anders machen als Joachim Pfeiffer: Rein aufs Bundestagsmandat werden sie sich konzentrieren und keine Nebentätigkeiten ausüben, versicherten David Müller, Christina Stumpp und Thomas Eisenbarth. Diese drei Bewerber/-innen wollen nach dem Rückzug Joachim Pfeiffers in die Bresche springen und bei der Bundestagswahl für die CDU im Wahlkreis Waiblingen antreten. Sie müssen jetzt nach der Online-Vorstellung am Freitag noch ein paar Tage ausharren: Die CDU-Mitglieder nominieren per Briefwahl; das Ergebnis wird am Freitagnachmittag diese Woche in der Buchenbachhalle in Birkmannsweiler verkündet. Sollte ein(r) der drei die absolute Mehrheit erringen, ist die Wahl bereits am Freitag entschieden. Ansonsten folgt ein zweiter Wahlgang, dessen Ergebnis dann am 12. Juni feststeht.

Anspruchsvoller Fragenkatalog

Zu beneiden waren alle drei nicht am Freitagabend: Das Online-Format fördert spontane Entspannung nicht wirklich. Stets schön in die Kamera gilt es zu lächeln ohne Ahnung, wer zuschaut, wie die Stimmung sich im virtuellen Raum entwickelt, wie die Menschen reagieren.

Sei’s drum: Achtbar geschlagen haben sich alle drei, wenngleich gegen Ende der zweistündigen Veranstaltung merklich die Luft raus war. Einen anspruchsvollen Fragenkatalog hatten Mitglieder der Rems-Murr-CDU im Vorfeld eingereicht: Was halten Sie vom Verhaltenskodex der CDU und den Transparenzregeln? Sollten Migranten nicht per Unterschrift erklären, sie werden sich an die Regeln in Deutschland halten? Wieso kandidieren Sie überhaupt, wie stehen Sie zum Nord-Ost-Ring, wie wichtig ist die Einhaltung der Maastricht-Kriterien, inwieweit haben Sie sich bei vergangenen Wahlkämpfen der CDU engagiert, und was planen Sie jetzt?

„Es ist alles andere als sicher, dass wir den Wahlkreis wieder gewinnen“: Thomas Eisenbarth beschönigte nichts, Christina Stumpp sprach von einem „Debakel“, das die CDU bei der jüngsten Landtagswahl erlitten habe, und David Müller mahnte: „Wir müssen raus aus unserer CDU-Blase.“

Jetzt muss der Staat schauen, was finanziell leistbar ist

Drei höchst unterschiedlichen Kandidat/-innen begegneten Gäste am Bildschirm. David Müller betonte, die Bundespolitik sei „schon immer“ sein Thema gewesen. Mit Blick auf Migrationsfragen geht es aus seiner Sicht um die Frage, wie Menschen mit einem völlig anderen „Beziehungsverständnis“ integriert werden können. Was die Staatsfinanzen angeht, müsse man nun, da der Staat coronabedingt mit vollen Händen Geld ausgibt, „schauen, was wir uns leisten können. Jeden Euro, den wir ausgeben, muss vorher jemand verdient haben“.

Nicht jeder, der jung ist und ökologisch empfindsam denkt, „ist gleich ein Blödmann“, so ein Ausschnitt aus Müllers Antwort zur Klimawandel-Frage. Doch er sei „ein großer Gegner von Alarmismus“.

Ein ums andere Mal entzog sich Müller auch einer Antwort und lud Fragende zu einem Treffen außerhalb der Veranstaltung ein: In anderthalb Minuten eine Antwort auf hochkomplexe Fragen abzuspulen, sei seine Sache nicht. Speziell an ihn gerichtet waren unterdessen kritische Fragen zu seinen Videos, in welchen er seine Interpretation christlicher Werte erläutert. Dort hatte sich Müller kritisch zur „Frauenerwerbstätigkeit“ geäußert und der Interpretation des Fragestellers zufolge zunehmende Ausgaben in der Jugendhilfe damit in Verbindung gebracht, dass Mütter heute viel häufiger berufstätig sind als früher. Müllers Antwort: „Da haben wir uns massiv missverstanden. Lasst doch die Frauen so leben, wie sie wollen.“

"Vollgas geben"

Christina Stumpp fühlt sich in ihrer Partei an die Situation des VfB erinnert: In schwierigen Zeiten komme es drauf an, „die Karre gemeinsam aus dem Dreck zu ziehen“. Sie will im Fall ihrer Nominierung „Vollgas geben“, im Wahlkampf auf die Marktplätze gehen, mit den Menschen ins Gespräch kommen, erreichbar und ansprechbar sein. Migranten, die sich integrieren und einbringen, müsse man eine Bleibeperspektive bieten, sagte Stumpp. Sie plädiert für „mehr Netto vom Brutto“ und Steuererleichterungen für Unternehmen: „An dieser Stellschraube müssen wir drehen, damit wir wettbewerbsfähig bleiben.“ Zum Thema Klimawandel sagte Stumpp, das Klimaschutzabkommen müsse in jedem Fall eingehalten werden, Fotovoltaik-Anlagen müssten weiter aufgebaut werden, die CDU setze zu Recht auf neue Technologien im Kampf gegen den Klimawandel – und letztlich könne jeder selber etwas dafür tun. Als junge Kandidatin will sie junge Menschen ins CDU-Boot holen, präsenter sein auf Plattformen wie Tik Tok oder Instagram – und sich gleichzeitig für die Belange von Pflegekräften und Pflegebedürftigen einsetzen. Stumpp will über ein „Schonvermögen“ diskutieren, damit nicht das hart erarbeitete Häusle am Ende für die Pflege draufgeht.

Thomas Eisenbarth räumte freimütig ein, sich in den vergangenen Jahren „egoistisch“ der eigenen Karriere gewidmet und sich aus der Parteiarbeit herausgehalten zu haben. Das will er nun ändern. Dass er sich „den Blick von außen“ erhalten habe, sieht er als Vorteil.

Eisenbarth macht sich für ein soziales Pflichtjahr ab 18 stark. Einen Nord-Ost-Ring hält er „in jeglicher Konzeption“ für falsch, weil es neue Mobilitätskonzepte braucht, die „nicht automatisch mit neuen Straßen verbunden sind. Da gibt es intelligentere Lösungen“. Ferner braucht Deutschland nach Eisenbarths Überzeugung „Migration von Talenten. Wir schieben Leute ab, die super integriert sind – das halte ich für falsch“. Migration müsse „verbessert“ werden; „da lassen wir viel Potenzial auf der Straße.“ Der Fellbacher sorgt sich, weil es zu viele Parallelgesellschaften gebe. Seine Sicht auf Fragen des Klimawandels: Der CO2-Ausstoß müsse reduziert werden auf eine Art und Weise, die „verträglich ist für Arbeitsplätze.“

Alle drei wollen’s anders machen als Joachim Pfeiffer: Rein aufs Bundestagsmandat werden sie sich konzentrieren und keine Nebentätigkeiten ausüben, versicherten David Müller, Christina Stumpp und Thomas Eisenbarth. Diese drei Bewerber/-innen wollen nach dem Rückzug Joachim Pfeiffers in die Bresche springen und bei der Bundestagswahl für die CDU im Wahlkreis Waiblingen antreten. Sie müssen jetzt nach der Online-Vorstellung am Freitag noch ein paar Tage ausharren: Die CDU-Mitglieder nominieren

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