Rems-Murr-Kreis

Christina Stumpp könnte Vize-Generalsekretärin der CDU werden: Wie es dazu kam

Christina Stumpp
Christina Stumpp. © ZVW/Benjamin Büttner

Eine dermaßen steile Karriere hat noch keine hingelegt: Christina Stumpp soll Vize-Generalsekretärin der CDU werden, sofern sich Friedrich Merz bei der Wahl zum CDU-Vorsitzenden durchsetzt. Ein Blitz-Aufstieg ohnegleichen steht der 34-Jährigen aus Hegnach bevor, die bei der Bundestagswahl im September das Direktmandat für die CDU im Wahlkreis Waiblingen geholt hat. Sie bleibt – zunächst – in zweiter Reihe: Wie zu hören ist, war sie auch als Generalsekretärin im Gespräch, nicht nur als Stellvertreterin. In die erste Reihe zu treten, wäre für sie momentan rein zeitlich nicht zu managen, sagt sie. Den Job eines Vize-Generalsekretärs gibt’s momentan in der CDU noch gar nicht. Merz will ihn neu schaffen – und mit Christina Stumpp eine Politikerin auf den Posten setzen, die ganz neu in den Bundestag eingezogen ist.

Friedrich Merz vertritt stramm konservative Positionen, steht als Vertreter einer Weiter-so-Politik in der Kritik und ist bisher nicht mit progressiven Positionen zur Familienpolitik aufgefallen. Luisa Neubauer, eine der Hauptorganisatorinnen der Fridays-for-Future-Bewegung, nannte Merz’ Thesen im Frühjahr „gruslig“.

Jünger, weiblicher, moderner

Jetzt hat sich Merz mit Christina Stumpp eine junge Mutter ins Team geholt, deren Mantra lautet: Die CDU muss jünger, weiblicher, moderner werden. Wie sie das mit Friedrich Merz als Chef umsetzen will – das wird spannend. Sie selbst sieht das anders: Eine jüngere, weiblichere, modernere CDU wolle Merz auch, sagt sie im Gespräch mit dieser Zeitung.

Ihr Job wird sein, sofern Merz’ Plan aufgeht und er CDU-Vorsitzender wird, die Perspektive der Kommunen im Fokus zu haben und diese in die politische Arbeit auf Bundesebene einzubringen. Wie kann man Frauen motivieren, sich kommunalpolitisch zu engagieren – das wird einer der Schwerpunkte sein. Wie schwierig das ist, weiß Stumpp aus eigener Erfahrung: Sie hat vor Kommunalwahlen ungezählte Male Frauen angesprochen und sie für eine Kandidatur zu begeistern versucht. Der Erfolg blieb mäßig – und das hat viel mit Rahmenbedingungen zu tun. Sitzungszeiten sind eben allzu oft nicht mit familiären Belangen in Einklang zu bringen – und das stellt noch immer viel häufiger Mütter vor Probleme als Väter.

Frauenquote? - Lieber nicht

Eine Frauenquote sieht Stumpp schon allein deshalb skeptisch, weil sie sich vor diesem Hintergrund gar nicht umsetzen ließe: Man kann Frauen nicht zwingen, sich um Posten zu bewerben, aber man kann ein familienfreundliches Umfeld in vielen Bereichen schaffen.

Ein Hauptanliegen vieler junger Mütter sei, sagte Stumpp jüngst in einem Interview mit dieser Zeitung, dass sich die Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit nach der Elternzeit auch lohnen muss: „Im Hinblick auf die Steuerklassen und die anfallenden Kita-Gebühren gibt es Fallkonstellationen, die es für Frauen nicht gerade attraktiv machen, zeitnah wieder in den Beruf einzusteigen.“

Das Ehegattensplitting abschaffen – wäre das eine Lösung?

„Trotz allem“ würde Christina Stumpp am Ehegattensplitting festhalten wollen, dafür auf anderen Wegen steuerliche Anreize schaffen für einen Wiedereinstieg. Wie solche Modelle im Detail aussehen könnten, dafür hat die Hegnacherin „noch keine perfekte Idee“ parat, wie sie offen einräumt.

Bewerberfrist endet diesen Mittwoch

In der CDU geht’s nach der historischen Wahlschlappe jetzt erst mal um ganz andere Themen. Im Dezember sollen die Mitglieder ihren neuen Parteivorsitzenden bestimmen – ein Novum in der CDU. Die Bewerberfrist endet diesen Mittwochabend; im Rennen sind außer Merz noch Kanzleramtsminister Helge Braun und der CDU-Außenexperte Norbert Röttgen. Die CDU muss „den Nerv der Leute wieder treffen“, fordert Christina Stumpp, und die Kandidaten für den Parteivorsitz werden genau das jetzt in ihrer eigenen Parteibasis schon mal austesten müssen.

Die Hegnacherin hat sich mit ihrem Eintritt ins Team Merz klar positioniert. Als Vize-Generalsekretärin wäre sie mit dafür zuständig, kräftig auszuteilen in Richtung politische Gegner, die eigenen Reihen auf Kurs zu halten und sich in Talkshows um Kopf und Kragen zu reden.

„Damit habe ich echt nicht gerechnet“

Noch ist es nicht so weit, und noch scheint Christina Stumpp Merz’ überraschende Anfrage erst noch vollständig verdauen zu müssen. Erst vor ein paar Tagen war er an sie herangetreten mit diesem Jobangebot, das die Hegnacherin unverhofft mitten hinein ins Parteimanagement katapultieren könnte: „Damit habe ich echt nicht gerechnet.“

Der bisherige Werdegang der Abgeordneten: Stumpp war Vorsitzende der Jungen Union, scheiterte bei den Nominierungen für die Landtagswahl knapp im Wahlkreis Backnang, trat dann als Zweitkandidatin an Siegfried Loreks Seite an. Zuletzt war sie als persönliche Referentin des baden-württembergischen Landwirtschaftsministers Peter Hauk tätig. Von September 2019 an hatte sie den Rems-Murr-Kreis als Regionalrätin im Verband Region Stuttgart vertreten.

Eine dermaßen steile Karriere hat noch keine hingelegt: Christina Stumpp soll Vize-Generalsekretärin der CDU werden, sofern sich Friedrich Merz bei der Wahl zum CDU-Vorsitzenden durchsetzt. Ein Blitz-Aufstieg ohnegleichen steht der 34-Jährigen aus Hegnach bevor, die bei der Bundestagswahl im September das Direktmandat für die CDU im Wahlkreis Waiblingen geholt hat. Sie bleibt – zunächst – in zweiter Reihe: Wie zu hören ist, war sie auch als Generalsekretärin im Gespräch, nicht nur als

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