Rems-Murr-Kreis

Chronische Depression: Neue Therapieform im Klinikum Schloß Winnenden (ZfP)

Ab 14. Februar sind Vorgespräch bei Oberärztin Alice Paidos möglich (Foto: ZfP)
Vom 14. Februar an sind Vorgespräche bei Oberärztin Alice Paidos möglich. © ZfP

Für Menschen, die bereits seit zwei Jahren oder länger mit Depressionen zu tun haben und partout keine Besserung spüren, bietet das Klinikum Schloß Winnenden nun eine neue Therapieform an. Die Herangehensweise ist lange erprobt, hieß es in einem Pressegespräch mit Ärzt/-innen und Pflegenden, doch wird diese Therapie bisher in stationärer Form nur in Mannheim und Freiburg angeboten. Das Winnender Zentrum für Psychiatrie möchte nun eine Versorgungslücke schließen und wird zunächst vier Plätze anbieten für Menschen, deren Diagnose lautet: chronische Depression.

Als chronisch gilt eine Depression dann, wenn sie bereits mehr als zwei Jahre anhält. Noch weitere Kriterien sind definiert; beispielsweise ordnen Mediziner/-innen eine Depression auch dann als chronisch ein, wenn eine schwere depressive Episode sich zwar bessert, aber nicht ganz abklingt.

In Vorgesprächen klären Fachleute ab, ob die in Winnenden neue, speziell für Patient/-innen mit chronischer Depression entwickelte Psychotherapieform infrage kommen könnte. Von Mitte Februar an können Interessierte einen Termin für ein Vorgespräch erhalten.

Dem Gegenüber eigene Emotionen spiegeln

Chronische Depressionen sind schwierig zu behandeln, wie Oberärztin Alice Paidos im Pressegespräch erläuterte. Traumatische Erlebnisse können zugrunde liegen oder emotionale Vernachlässigung. Betroffene erleben Beziehungen zu anderen Menschen und zwischenmenschlichen Umgang als schwierig, weshalb sie sich lieber zurückziehen, auf Distanz gehen. Es fehlen dann positive Erfahrungen im Umgang mit anderen Menschen, und Betroffenen fällt es schwer, das Verhalten und die Emotionen ihres Gegenübers richtig zu deuten – was wiederum zu neuen Problemen führt.

Vor diesem Hintergrund verhält sich der Therapeut oder die Therapeutin in diesen Fällen anders, als es herkömmliche Psychotherapieformen vorsehen: Er oder sie spiegelt seinem Gegenüber eigene Emotionen und kommuniziert, welches Verhalten welche persönliche Reaktion beim Therapeuten auslöst. Ziel ist, in einem geschützten Rahmen lernen zu können, inwieweit bestimmtes Verhalten bei anderen diese oder jene Gefühle hervorruft – und letztendlich sicherer zu werden im Umgang mit Mitmenschen und schwierige Situationen meistern zu können, so Alice Paidos.

"Breites und großes Therapie-Tool"

Die Oberärztin leitet die Station D2 zusammen mit Daniel Barschtipan, der für den pflegerischen Teil der Behandlung verantwortlich zeichnet. Er beschreibt die neue Herangehensweise als „breites und großes Therapie-Tool“, zu welchem Feedback- und Rückkoppelungsgespräche zählen und das nach Belastungserprobungen immer wieder neu erhebt, „wo der Mensch aktuell steht“.

Die Psychotherapieform speziell für chronisch an Depressionen Erkrankte wurde in Amerika entwickelt und ist in Fachkreisen unter CBASP bekannt. Die Abkürzung steht für „Cognitive Behavioural Analysis System of Psychotherapie“, zu Deutsch in etwa: kognitiv-verhaltenstherapeutisch-analytisches Psychotherapie-System. Anhand einer Situationsanalyse und darauf aufbauenden verhaltenstherapeutischen Elementen lernen Patient/-innen, wie eigene Verhaltens- und Denkmuster immer wieder zu bestimmten Konsequenzen führen – um schließlich im Idealfall diese Mechanismen hinter sich lassen zu können.

„In der Hauptphase der Behandlung werden wir uns regelmäßig mit schwierigen interpersonellen Situationen beschäftigen. Sie erlebten sich in diesen Situationen hilflos und hoffnungslos, da Sie sich missverstanden gefühlt haben oder etwas Wichtiges nicht vorbringen konnten. Durch die regelmäßige Bearbeitung solcher Situationen werden Sie dazu fähig sein, die zwischenmenschlichen Beziehungen erfolgreich zu gestalten. Sie werden auch lernen, Ihre eigene Wirkung auf die Umwelt wahrzunehmen“, heißt es im Flyer der Klinik zu CBASP.

Pandemie könnte Chronifizierung begünstigen

Das Angebot kommt genau zur rechten Zeit, sagt Daniel Barschtipan: Zu befürchten ist, dass im Zuge der Pandemie mehr Menschen in eine chronische Depression geraten, zumal Corona als „aufrechterhaltender Faktor“ einer Depression wirken kann, so Alice Paidos.

Wie gesagt, die neue Therapieform ist ausschließlich für Menschen mit chronischer Depression gedacht. Alle anderen Angebote am ZfP für an Depressionen erkrankte Menschen laufen unabhängig davon weiter – was dringend vonnöten ist, wie die Fachleute sagen: Depressionen nehmen im Zuge von Corona erheblich zu. Daniel Barschtipans Versprechen vor diesem Hintergrund: „Die Menschen werden nicht alleine gelassen mit ihrer depressiven Krise.“

Das stationäre Therapieangebot in Winnenden ist auf zehn Wochen ausgelegt. Die erste Gruppe wird im April starten. Je nach Bedarf kann das Klinikum Schloß Winnenden die Zahl der Plätze auf zehn ausweiten. Alle zehn Wochen beginnt das Angebot von vorn, entsprechend wird die Klinik bei Bedarf eine Warteliste führen.

Für Menschen, die bereits seit zwei Jahren oder länger mit Depressionen zu tun haben und partout keine Besserung spüren, bietet das Klinikum Schloß Winnenden nun eine neue Therapieform an. Die Herangehensweise ist lange erprobt, hieß es in einem Pressegespräch mit Ärzt/-innen und Pflegenden, doch wird diese Therapie bisher in stationärer Form nur in Mannheim und Freiburg angeboten. Das Winnender Zentrum für Psychiatrie möchte nun eine Versorgungslücke schließen und wird zunächst vier Plätze

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