Rems-Murr-Kreis

Claus Paal: Grenzgänger zwischen Wirtschaft und Politik

Claus Paal
Claus Paal ist nach zehn Jahren im Landtag aus der Politik ausgestiegen. Als Unternehmer könnte man den 54-Jährigen auch als einen Wiedereinsteiger bezeichnen - wäre er jemals weg gewesen. © Gabriel Habermann

Das elektronische Archiv des Zeitungsverlages zählt fast 1500 Einträge zu den Stichworten +Claus und +Paal. Der älteste datiert aus dem Jahr 1994: „Zum Geschäftsführer der Sondermaschinenbau GmbH, Remshalden, ist Claus Paal, Dipl.-Ing. aus Weinstadt, bestellt worden.“ Im Jahr 1997 stellte der damalige Juniorchef der Hans Paal KG Maschinenbau GmbH & Co, Remshalden, zusammen mit seinem Vater Hans Paal stolz ein neues Bürogebäude in Remshalden vor. „Wir lieben es, Maschinen höchster Qualität, neuester Innovation und modernster Technik zu bauen.“

Im Jahr 2000 wurde Claus Paal erstmals Mitglied der IHK-Bezirkskammer Rems-Murr, zu deren Präsident er 2005 gewählt wurde und dies bis heute geblieben ist. 2003 kündigte er an, für die Regionalversammlung zu kandidieren. Es zeichnete sich ab, dass Paal ein Grenzgänger ist. Als Unternehmer dachte er politisch, als Politiker unternehmerisch.

Paal wollte immer ein „Politiker auf Zeit“ sein

2008 verkaufte Paal die vom Vater gegründete Verpackungsfirma überraschend an den Bosch-Konzern (heute: Syntegon), er führte das Unternehmen noch eine Zeit lang als Manager und startete dann als Politiker durch. 2011 wurde Paal erstmals in den baden-württembergischen Landtag gewählt, dem er zehn Jahre als direkt gewählter CDU-Abgeordneter im Wahlkreis Schorndorf angehörte. Dass er „Politiker auf Zeit“ sein wollte, war Paal von vornherein klar. Unwahrscheinlich ist, dass sich der 54-jährige Unternehmer künftig aus der Politik heraushält, zumal sein Amt als IHK-Bezirkskammerpräsident eine klassische Scharnierfunktion zwischen Wirtschaft und Politik darstellt und für ihn als Grenzgänger wie geschaffen erscheint.

Noch als Landtagsabgeordneter knüpfte der gelernte Maschinenbau-Ingenieur wieder an seine familiären Wurzeln an. Er gründete die Paal A+V Automation und Verpackungstechnik, die Verpackungsmaschinen für spezielle Branchen entwickelt. Und kaum hat sich Paal aus dem zeitintensiven Landtag zurückgezogen, ist sein Terminplan als Chef des 15-köpfigen Ingenieurbüros in Schorndorf wieder prall gefüllt. Einen ersten Termin musste Paal kurzfristig absagen – Geschäfte. Die zweite Verabredung klappt. Am Freitag vor Pfingsten fuhr Paal mit dem Elektroauto vor und brachte zum Gespräch einen dicken Ordner mit Zeitungsberichten mit. Und damit sind zwei der Themenfelder umrissen, um die sich das zweistündige Gespräch drehte: der Klimaschutz und was bleibt von zehn Jahren Landtag.

Nicht große Reden zählen, sondern die konkreten Ergebnisse

In welcher Blase er gelebt hat, habe er eben erst bemerkt, erzählt er gut gelaunt - ohne Hemd und Krawatte, weiße Sneaker an den Füßen. Was ihn jahrelang in höchste Aufregung versetzt hätte, eine Plenardebatte im Landtag, ließ ihn nun plötzlich völlig kalt. Ja, im Grunde habe er von der Regierungserklärung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann überhaupt nichts mitgekriegt. Der Landtag erreiche die Öffentlichkeit nicht. Umso mehr fühlt sich Paal bestätigt, sich selbst als Politiker nicht zu wichtig genommen zu haben. In der Politik sollten nicht große Reden zählen, sondern konkrete Ergebnisse. „Unternehmerische Politik“ nennt er seinen Politikansatz. Um Ergebnisse vorweisen zu können, müsse man nicht Staatssekretär oder Minister werden, sondern könne als Abgeordneter durchaus etwas bewegen.

Auf die Frage, was denn vom Landtagsabgeordneten Claus Paal bleibe, fallen ihm als Erstes die von ihm initiierte Klimaschutzstiftung des Landes und die Forscherfabrik im Arnold-Areal in Schorndorf ein. Mit der „Science-Erlebniswelt für Kinder“ habe sich ein Traum erfüllt. Bis Corona konnten 30 000 Kinder im Jahr die Welt von Technik und Naturwissenschaften erleben, tüfteln und experimentieren. Motto: „Schlau mal!“

Dass Politik einen langen Atem braucht, zeigte ihm die Klimaschutzstiftung des Landes, die beim grünen Koalitionspartner zunächst auf harsche Ablehnung stieß. Zwei Jahre habe es gedauert, bis die Grünen nachgaben und die 50 Millionen Euro für die Stiftung im Haushalt eingetütet waren. Das Geld stammte aus den Strafzahlungen der Autoindustrie für den Dieselbetrug, die sich auf eine Milliarde Euro summierten.

„Bei Wahlen zählt das Konzept für die Zukunft“

Die Leerstelle beim Thema Klimaschutz ist für Paal einer der Gründe für das neuerliche Debakel der CDU bei der Landtagswahl. „Bei Wahlen zählt das Konzept für die Zukunft“, sagt Paal. Erfolge der Vergangenheit werden nicht honoriert - doch auf n denen dachte die CDU schon 2011, sich ausruhen zu können. Für sich nimmt Paal in Anspruch, Klimaschutz schon frühzeitig als die Herausforderung der Zukunft der Menschheit erkannt zu haben. Paal ist mit dem Elektroauto unterwegs, sein Eigenheim ist auf Energiesparen getrimmt und auf dem Dach produziert die Fotovoltaikanlage Strom, der in den Autobatterien zwischengespeichert wird.

Doch dies macht Paal nicht zu einem Grünen. Er ist überzeugt, dass Technologien der Schlüssel zu einer CO2-freien Zukunft sind - und nicht Einschränkungen und Verbote. Allen Techniken voran der Wasserstoff. Darin ist Paal mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Joachim Pfeiffer auf einer Linie. „Wir können in Deutschland nicht genügend regenerative Energien erzeugen“, sagt Paal und setzt auf Importe aus sonnenreichen Ländern. „Wasserstoff statt Öl!“ Die Technologien seien da. Sie müssten nur eingesetzt werden. Ein Manko, das sich durch die deutsche Industriegeschichte zieht, nämlich hervorragende Forschung zu liefern, aber bei der Umsetzung in marktreife Produkte zu versagen.

„Innovative Maßnahmen zur Luftreinhaltung gegen Fahrverbote“

Auf Paals zweiseitiger Liste von Projekten in den vergangenen zehn Jahren findet sich folglich eine Erfindermesse „Produkte suchen Produzenten“. Jedoch auch eine wirtschaftspolitische Afrika-Initiative, „innovative Maßnahmen zur Luftreinhaltung gegen weitere Fahrverbote in Stuttgart mit Umsetzung am Neckartor“, „Rüttelstreifen und Warnschilder“ gegen Falschfahrer auf der B 29 oder die Rückkehr der Lufthansa-Maschine „Landshut“ als Mahnmal gegen Linksterrorismus nach Friedrichshafen.

Nicht zu finden ist auf dieser Liste seine Idee aus dem Jahr 2012 einer freiwilligen Vermögensabgabe für Reiche, um Schulden abzubauen. Aus Unternehmerkreisen prasselte heftigste Kritik auf ihn ein - Stichwort: Enteignung. „Lassen wir’s weg“, sagt Paal. Mit keinem Wort äußert er sich auch zu parteiinternen Intrigen und Ränkespielen. Und ob er vor fünf Jahren selbst gern Wirtschaftsminister geworden wäre, wie ihm nachgesagt wurde? „Mein Ziel war nie, Karriere zu machen. Ich wollte Ideen umsetzen!“ Mit der Klimaschutzstiftung habe sich für ihn „der Traum eines jeden Politikers erfüllt: dass etwas bleibt“. Das Baby, sein Baby, läuft, sei erwachsen geworden und werde mit Anfragen überhäuft. „Es ist unglaublich schön, was man gestalten kann“, sagt er sowohl über die ersten fünf Jahre in der Opposition wie auch über die fünf Jahre als kleiner Koalitionspartner der grünschwarzen Landesregierung. Paal scheint mit sich und seiner Politikerkarriere auf Zeit im Reinen zu sein.

Das elektronische Archiv des Zeitungsverlages zählt fast 1500 Einträge zu den Stichworten +Claus und +Paal. Der älteste datiert aus dem Jahr 1994: „Zum Geschäftsführer der Sondermaschinenbau GmbH, Remshalden, ist Claus Paal, Dipl.-Ing. aus Weinstadt, bestellt worden.“ Im Jahr 1997 stellte der damalige Juniorchef der Hans Paal KG Maschinenbau GmbH & Co, Remshalden, zusammen mit seinem Vater Hans Paal stolz ein neues Bürogebäude in Remshalden vor. „Wir lieben es, Maschinen höchster

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