Rems-Murr-Kreis

Comedy-Hacker Tobias Schrödel: Woher weiß Facebook so viel über mich?

Tobias Schrödel Initiative Sicherer Landkreis 25-Jahr-Jubiläum
Comedy-Hacker Tobias Schrödel. © Büttner

Ein digitales Foto von einem süßen Hund lässt Rückschlüsse auf Familienstand und Einkommensverhältnisse seines Halters zu, und genau damit arbeitet Facebook.

Noch mal von vorn: Wieso sollte ein gewöhnliches Foto von einem Hund Infos über seinen Halter liefern?

Tobias Schrödel führt nicht ohne Grund den Titel „Deutschlands erster Comedy-Hacker“, denn der IT-Sicherheitsspezialist erklärt die Zusammenhänge mit so viel Witz und derart anschaulich, dass man’s kapiert und trotzdem nicht gleich verzweifelt. Grund genug dafür hätte ein Großteil der Bürger/-innen, denn was die digitale Welt so alles an unerwünschten Nebenwirkungen mit sich bringt, dürfte längst nicht allen auch nur ansatzweise bewusst sein.

Tobias Schrödel nutzte bei der Jubiläumsfeier der Initiative Sicherer Landkreis die große Bühne, um die Sache mit dem Hund näher zu erläutern: Zu einem digitalen Foto speichert ein Smartphone eine Reihe von Daten, etwa zum Ort, an welchem es aufgenommen ist, inklusive Längen- und Breitengrad. Diese Metadaten gelangen zu Facebook zusammen mit dem süßen Hundebild, das jemand dort postet. Tobias Schrödel spielt durch, was sich anhand dieser Metadaten alles herausfinden lässt. Anhand der Ortsdaten sieht man auf Google Earth: Aha, das Foto ist offenbar in einem Einfamilienhaus im Grünen entstanden. Mittels der Angaben zum Längen- und Breitengrad lässt sich ganz leicht die Adresse recherchieren. Ebenso leicht lässt sich in Online-Telefonbüchern herausfinden, wer an dieser Adresse wohnt. Flugs den Namen gegoogelt – und schon weiß der Suchende, wo die betreffende Person arbeitet und wie sie aussieht, denn auf der Homepage des Arbeitgebers befindet sich ein Foto. Die zur Wohnlage passenden Immobilienpreise sind schnell recherchiert, was Rückschlüsse auf Einkommensverhältnisse zulässt. Ach so, und die Person engagiert sich als Schiedsrichter im Fußballverein? Spielen dort die eigenen Kinder mit?

Vorsicht vor sprechenden Bären im Kinderzimmer

Letzteres sind nur Mutmaßungen. Macht nichts, wenn Facebook mit solchen Annahmen öfter mal daneben liegt. Ganz oft ergeben diese Analysen, die ein schlichtes Hundefoto möglich macht, gewinnversprechende Treffer, weil Werbetreibende viel Geld bezahlen dafür, dass ihre Werbung gezielt an klar definierte Personenkreise ausgespielt werden kann.

Und dann war da noch die Sache mit den Passwörtern, dem E-Mail-Adressen-Klau und den sprechenden Bären in Kinderzimmern: Solche Spielzeuge lassen sich mit einem Handy konfigurieren, und das heißt: Menschen, die Böses im Schilde führen, können Kinder via Spielzeugbär ansprechen, und es ist technisch ganz einfach, die Stimme in eine dem Kind bekannte umzuwandeln.

Noch ein Schocker: Wer gern Portale nutzt, die außereheliche Affären anpreisen und Kontakte vermitteln, darf das tun, verboten ist es nicht. Nur sollte man niemals die dienstliche Adresse für die Anmeldung nutzen. Denn lange Listen mit Mail-Adressen werden öfter mal in Portalen verkauft, die brave Bürger/-innen eher nicht kennen – weniger brave aber durchaus.

Dass ein Passwort möglichst lang sein sollte, im besten Fall Sonderzeichen, Ziffern und Groß- wie Kleinbuchstaben enthält, hat sich herumgesprochen. Der Grund leuchtet blitzartig ein, als Schrödel die Zusammenhänge erklärt: Programme können sämtliche mögliche Varianten durchspielen. Besteht ein Passwort aus nur vier Buchstaben, erledigt der Rechner die Durchspielerei im Nullkommanichts. Die Zahl der möglichen Varianten steigt ins Unermessliche, sofern das Passwort viel länger und mit Sonderzeichen gespickt ist: Dann braucht selbst die Software Jahre, bis sie’s geknackt hat.

Ein digitales Foto von einem süßen Hund lässt Rückschlüsse auf Familienstand und Einkommensverhältnisse seines Halters zu, und genau damit arbeitet Facebook.

Noch mal von vorn: Wieso sollte ein gewöhnliches Foto von einem Hund Infos über seinen Halter liefern?

Tobias Schrödel führt nicht ohne Grund den Titel „Deutschlands erster Comedy-Hacker“, denn der IT-Sicherheitsspezialist erklärt die Zusammenhänge mit so viel Witz und derart anschaulich, dass man’s kapiert und trotzdem

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