Rems-Murr-Kreis

Corona, 11.11.21: Alarmstufe frühestens nächste Woche - Ungeimpfte gefährdet

Impftruck
Um wie viel größer ist derzeit die Gefahr einer schweren Corona-Erkrankung für Ungeimpfte? Daten geben Aufschluss. © ALEXANDRA PALMIZI

Die Corona-Alarmstufe mit verschärften Regeln vor allem für Ungeimpfte wird erst nächste Woche in Kraft treten. Aber stimmt es überhaupt, dass derzeit Ungeimpfte wirklich sehr viel stärker von Infektionen und schweren Covid-Erkrankungen betroffen sind? Schauen wir näher hin ...

Warum die Alarmstufe diese Woche noch nicht greift

Die Alarmstufe wird erst ausgelöst, wenn zwei Werktage hintereinander der Grenzwert von 390 erreicht oder überschritten wird. Samstage und Sonntage zählen nicht mit. Stand 11. November waren in Baden-Württemberg 351 Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt.

Das bedeutet: Selbst wenn es am Freitag, 12. November, erstmals über 390 gehen sollte (wonach es momentan nicht aussieht), wäre der Montag der nächstmögliche Werktag zwei – frühestens am Dienstag, 16. November, gälten dann die Alarmregeln.

Aber wer infiziert sich derzeit eigentlich? Trifft es vor allem die Ungeimpften?

Inzidenzen im Vergleich

Stand 10. November betrug in Baden-Württemberg die Inzidenz (Ansteckungen pro 100.000 Leute binnen sieben Tagen) bei den Geimpften 44 – bei den Ungeimpften aber 830. Der Unterschied bedarf allerdings der Relativierung: Da Ungeimpfte öfter getestet werden, ist die Wahrscheinlichkeit, dass bei ihnen auch symptomlos verlaufende Ansteckungen diagnostiziert werden, höher.

Hospitalisierung im Vergleich

Bei der 28-Tage-Hospitalisierungsinzidenz (wie viele Baden-Württemberger pro 100.000 hatten in den vergangenen vier Wochen derart starke Covid-Krankheitssymptome, dass eine Einweisung in ein Krankenhaus notwendig wurde) fällt der oben beschriebene statistische Verzerrungseffekt weg. Ergebnis: Die 28-Tage-Hospitalisierungsinzidenz beträgt bei den Geimpften 9 – und bei den Ungeimpften 54. Die Wahrscheinlichkeit, schwer an Covid zu erkranken, ist für Ungeimpfte momentan also sechsmal so hoch wie für Geimpfte.

Altersgruppen im Vergleich

Blick in den Rems-Murr-Kreis: Wenn die Impfung schützt, wäre zu erwarten, dass die stärker durchgeimpften älteren Gruppen derzeit weniger am Infektionsgeschehen beteiligt sind als die vielfach noch ungeimpften Jüngeren. So weit die Theorie. Und die Praxis? Stand 10. November befanden sich im Rems-Murr-Kreis 2356 von gut 427.000 Menschen aufgrund einer Infektion in Isolation – davon in der Altersgruppe ...

  • 0 bis 10: 261 von rund 45.100 Menschen – pro 10.000 also etwa 58.
  • 11 bis 20: 388 von rund 41.700 Menschen – pro 10.000 also etwa 93.
  • 21 bis 30: 310 von rund 49.000 Menschen – pro 10.000 also etwa 63.
  • 31 bis 40: 367 von rund 52.900 Menschen – pro 10.000 Menschen also etwa 71.
  • 41 bis 50: 386 von rund 53.800 Menschen – pro 10.000 Menschen also etwa 72.
  • 51 bis 60: 305 von rund 71.000 Menschen – pro 10.000 also etwa 43.
  • 61 bis 70: 169 von rund 50.400 Menschen – pro 10.000 also etwa 34.
  • 71 bis 80: 105 von rund 37.300 Menschen – pro 10.000 also etwa 28.
  • 81 und älter: 55 von rund 26.300 Menschen – pro 10.000 also etwa 21.

Für Leute zwischen 11 und 20 ist demnach die Infektionswahrscheinlichkeit derzeit viereinhalbmal so hoch wie für Betagte.

Impfquoten im Vergleich

Die bundesweite Inzidenz lag am 11. November bei 249, die bundesweite Impfquote bei 67,3 Prozent – von den zehn Bundesländern mit überdurchschnittlicher Impfquote aber hatten neun eine weit unterdurchschnittliche Inzidenz:

  • Bremen: 81,5 % geimpft – Inzidenz 92
  • Saarland: 76,1 % – 152
  • Hamburg: 74,8 % – 135
  • Schleswig-Holstein: 74,3 % – 89
  • Nordrhein-Westfalen: 74,2 % – 154
  • Niedersachsen: 72,2 % – 106
  • Rheinland-Pfalz: 71,4 % – 159
  • Berlin: 69,9 % – 263
  • Hessen: 69,6 % – 164
  • Mecklenburg-Vorpommern: 67,6 % – 163

Von den sechs Bundesländern mit unterdurchschnittlicher Impfquote hingegen haben fünf eine weit überdurchschnittliche Inzidenz (Ausnahme: Sachsen-Anhalt).

  • Baden-Württemberg: 67,1 % – 316
  • Bayern: 67,0 % – 427
  • Sachsen-Anhalt: 65,1 % – 233
  • Brandenburg: 63,3 % – 286
  • Thüringen: 62,6 % – 469
  • Sachsen: 59,4 % – 522

Vor allem die düsteren Beispiele Thüringen und Sachsen sollten Zweiflern Ansporn sein, ihre Impfskepsis zu überdenken.

Die Corona-Alarmstufe mit verschärften Regeln vor allem für Ungeimpfte wird erst nächste Woche in Kraft treten. Aber stimmt es überhaupt, dass derzeit Ungeimpfte wirklich sehr viel stärker von Infektionen und schweren Covid-Erkrankungen betroffen sind? Schauen wir näher hin ...

Warum die Alarmstufe diese Woche noch nicht greift

Die Alarmstufe wird erst ausgelöst, wenn zwei Werktage hintereinander der Grenzwert von 390 erreicht oder überschritten wird. Samstage und Sonntage

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper