Rems-Murr-Kreis

Corona-Ausbruch auf der Geriatrie-Station am Rems-Murr-Klinikum Winnenden

Krankenhaus
Genau vor drei Wochen, am Freitag (19.3.), waren bei fünf Reinigungskräften einer externen Firma routinemäßige Schnelltestungen positiv ausgefallen. © Benjamin Büttner

Nachdem es bereits Anfang Dezember einen Corona-Ausbruch in der Unfallchirurgie und Orthopädie der Rems-Murr-Klinik in Schorndorf gegeben hatte, sind nun auf der Station 21 (Geriatrie) des Winnender Klinikums gehäuft Infektionen aufgetreten. Die Quelle des Ausbruchs vom Dezember, in dessen Folge letztlich sechs Patienten gestorben sind, wurde nie identifiziert. Diesmal jedoch bestehe die Wahrscheinlichkeit, dass die Infektion bei Mitarbeitenden eines externen Reinigungsdienstes ihren Anfang nahm, schreiben die Rems-Murr-Kliniken in einer Pressemitteilung.

Zumindest fielen bei fünf der Reinigungskräfte routinemäßige Antigen-Schnelltestungen am Freitag (19.3.) positiv aus, erläuterte Christoph Schmale, Pressesprecher der Kliniken. Eine Bestätigung durch PCR-Tests sei am Wochenende erfolgt.

Nur einer der infizierten Patienten ist bereits geimpft gewesen

In Folge seien sieben Patienten auf der gleichen Geriatrie-Station positiv auf das Coronavirus getestet worden. „Diese Patienten sind allesamt über 70 Jahre alt. Ob sie schon geimpft worden sind? Das hofften wir natürlich“, sagte Schmale. Was in der Aussage mitschwang: Ältere Menschen sind für schlimmere Covid-19-Krankheitsverläufe anfälliger. Befragungen erbrachten jedoch bis Donnerstagnachmittag die ernüchternde Wahrheit zutage: „Ein Patient hat die erste Impfung gegen Corona bereits erhalten, vier Patienten sind nicht geimpft.“

Alle Infizierten seien aber derzeit symptomfrei oder hätten nur leichte Symptome, so auch die betroffenen fünf externen Reinigungskräfte und eine positiv getestete Person der Mitarbeiterschaft des Klinikums Winnenden. Ob Virusvarianten wie die mittlerweile weit verbreitete britische im Spiel sind, ist noch nicht bekannt.

Auf der betroffenen Station 21 wurden ein Aufnahmestopp und ein Besucherstopp ausgesprochen. Die positiv getesteten Patienten wurden auf die räumlich separate Infektionsstation zur Isolation verlegt. Die Mitarbeiter des Reinigungsdienstleisters wurden in häusliche Isolation geschickt.

Intensiver Austausch mit dem externen Reinigungsdienstleister

Bei dem Reinigungsdienstleister handelt es sich laut Pressemitteilung der Rems-Murr-Kliniken um die Klinikdienste Süd GmbH (KDS). Diese hat ihren Hauptsitz in Dietmannsried bei Kempten und deutschlandweit mehrere Niederlassungen, unter anderem auch in Waiblingen.

Im Rems-Murr-Klinikum Winnenden sei KDS seit 2014 tätig, in Schorndorf nur geringfügig eingesetzt, so Schmale. „Derzeit finden eine enge Abstimmung und ein regelhafter täglicher Austausch zur Einhaltung der Hygiene- und Schutzregelungen der Rems-Murr-Kliniken statt. Wir haben mit dem Dienstleister einen laufenden Vertrag.“ Man werde nun mit dem Dienstleister natürlich noch intensivere Gespräche führen, „wie das passieren konnte und welche Maßnahmen zu treffen sind, um das künftig zu verhindern“, sagt Christoph Schmale.

Die KDS GmbH wollte noch am Donnerstag (25.3.) Stellung nehmen. Das war jedoch trotz mehrfachen Nachhakens dieser Zeitung (per Mail und Telefon) bis 20.45 Uhr nicht geschehen.

Regelmäßige Schnelltestungen in den Rems-Murr-Kliniken

Die infizierten Reinigungskräfte wurden identifiziert bei routinemäßigen Schnelltestungen, die im Rahmen des umfangreichen Hygiene- und Sicherheitskonzeptes der Rems-Murr-Kliniken regelmäßig gemacht werden: bei der Mitarbeiterschaft, auch der externen, anlasslos zweimal wöchentlich und bei Patienten einmal bei der Aufnahme und dann einmal wöchentlich, sagt Christoph Schmale.

Auf der nun betroffenen Station 21 werden im aktuellen Ausbruchsgeschehen sowohl Mitarbeitende als auch Patienten nunmehr täglich getestet.

Nun hoffen natürlich alle, dass sich der Corona-Ausbruch nicht weiter ausbreitet. Für den zurückliegenden im Schorndorfer Klinikum konnten die Rems-Murr-Kliniken erst rund 14 Tage später, am 16. Dezember, verkünden, das Infektionsgeschehen sei endgültig eingedämmt. Sechs Patienten sind damals in Folge gestorben (Stand: 7. Januar). Mehrere Patienten waren im Januar immer noch nicht genesen. Was ist aus ihnen geworden? Die traurige Schlussbilanz: „Sechs von 28 infizierten Patienten sind aus unterschiedlichen Gründen verstorben“, so Schmale.

Landesweit Corona-Ausbrüche in Kliniken, Kitas, Schulen und Pflegeheimen

In Baden-Württemberg kam es in jüngster Zeit immer wieder zu Corona-Ausbrüchen in Kliniken. Betroffen waren

  • im Februar Krankenhäuser in Rottweil, Calw, Sinsheim, Weinheim und Schwetzingen,
  • im Januar in Nürtingen und
  • im Dezember in Tettnang im Bodenseekreis, Wangen im Landkreis Ravensburg, Pfullendorf im Kreis Sigmaringen und eben in Schorndorf,
  • im November in Esslingen.

Einrichtungen, in denen viele Menschen zusammenkommen, sind im Zuge einer Pandemie prädestiniert für Infektionsausbrüche, die dann noch nicht einmal zwangsläufig auf mangelnde Hygiene oder mangelnden Schutzmaßen hinweisen würden.

Seit Jahresbeginn (KW 01/2021) wurden in Baden-Württemberg 63 Corona-Ausbrüche aus Schulen mit insgesamt 352 Infektionen und 177 Corona-Ausbrüche aus Kindertagesstätten mit insgesamt 1600 Infektionen dem Landesgesundheitsamt (LGA) gemeldet. Und Corona-Ausbrüche, bei denen Virusvarianten, vor allem die britische, im Spiel waren, wurden dem Landesgesundheitsamt seit KW 53/2020 folgende übermittelt:

  • 114 Ausbrüche in Kindertagesstätten mit insgesamt 928 Virusvarianten-Fällen.
  • 37 Ausbrüche in Pflegeheimen mit 213 Virusvarianten-Fällen und
  • 40 Ausbrüche in Schulen mit insgesamt 171 Virusvarianten-Fällen.

Nachdem es bereits Anfang Dezember einen Corona-Ausbruch in der Unfallchirurgie und Orthopädie der Rems-Murr-Klinik in Schorndorf gegeben hatte, sind nun auf der Station 21 (Geriatrie) des Winnender Klinikums gehäuft Infektionen aufgetreten. Die Quelle des Ausbruchs vom Dezember, in dessen Folge letztlich sechs Patienten gestorben sind, wurde nie identifiziert. Diesmal jedoch bestehe die Wahrscheinlichkeit, dass die Infektion bei Mitarbeitenden eines externen Reinigungsdienstes ihren Anfang

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