Rems-Murr-Kreis

Corona: Brennpunkt Welzheim, Idyll Kaisersbach - die Lage im Rems-Murr-Kreis im Gemeinden-Vergleich

Rathaus Welzheim
Welzheim spielt im Infektionsgeschehen Rems-Murr derzeit eine bittere Ausnahmerolle (Archivbild). © Rainer Stütz

Die Corona-Lage (Stand 16. April 2020) in den Städten und Dörfern des Rems-Murr-Kreises ist derzeit frappierend unterschiedlich: Es gibt drastische Krisenherde mit exorbitant überdurchschnittlicher Belastung, aber auch Zonen der relativen Behaglichkeit. Krasse Hotspots, stabile Oasen: ein verblüffender Überblick von den Brennpunkten Welzheim und Weinstadt bis zu Ruhe-Inseln wie Kaisersbach und Spiegelberg.

Zunächst die Inzidenz (Infektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen): Sie liegt am 16. April im Rems-Murr-Kreis bei 191. Das bedeutet einen deutlichen Zuwachs gegenüber dem Vortag (179), weil zwar die 137 Infektionen vom 9. April aus der Rechnung gefallen, dafür aber 189 Ansteckungen neu in die Bilanz eingeflossen sind (davon satte 62 erst nachträglich gemeldete für den 14. und 15. April sowie 127 aktuelle für den 16. April). Es scheint unausweichlich, dass demnächst die 200er-Marke überschritten wird.

Aber wo tut sich derzeit am meisten?

Wie sich Hotspots erkennen lassen: Corona-Statistik, kurz erklärt

Um die Hotspots zu identifizieren, kann man entweder die absoluten Infektionszahlen nehmen – dann sind erwartbar die größten Kommunen ganz vorne. Oder man wählt eine relative Betrachtung. Der Maßstab: Wie viele Fälle gibt es in einer Gemeinde pro 1000 Einwohner? Variante zwei ist besser: Sie ermöglicht einen sinnvollen Vergleich zwischen Kommunen mit vielen Einwohnern und solchen mit weniger Leuten.

Im Rems-Murr-Kreis befinden sich momentan 1355 Menschen aufgrund einer aktuellen Infektion in Isolation. Der Kreis hat rund 427.000 Einwohner. Die Infektionsrate beträgt also derzeit etwa 3,2 Promille.

Das Infektionsgeschehen ist diffus – das heißt schlicht, dass die meisten Infektionen nicht auf einzelne Ausbrüche zurückverfolgbar sind, sondern das Virus quasi allgegenwärtig ist. Deshalb stünde zu erwarten, dass dieser kreisweite Wert von 3,2 Promille sich in allen Städten und Gemeinden ähnlich wiederfindet, da die diffuse Lage ja zu einer breiten, tendenziell gleichmäßigen Streuung führt.

Zu einem guten Teil stimmt das auch: Von 31 Kommunen liegen 22 in einem Korridor zwischen 2,1 und 3,7 Promille. Solche moderaten Abweichungen nach unten und oben sind statistisch erwartbar.

Aber: Vor diesem Hintergrund der Normalität heben sich die Ausnahmen umso greller ab.

Drei Corona-Hotspots - und ein Erklärungsversuch

Die folgende Übersicht benennt jeweils die absolute Zahl der aktuellen Isolationsfälle und die Promille-Rate, bezogen auf die Einwohnerzahl:

  • Welzheim: 76 Fälle / 6,8 Promille
  • Weinstadt: 133 Fälle / 4,9 Promille
  • Schorndorf: 166 Fälle / 4,2 Promille

Diese drei Kommunen stechen wirklich derb heraus. Woran liegt das?

Ehrliche Antwort: Wir wissen es nicht. Das Infektionsgeschehen in Weinstadt und Schorndorf ist – wir müssen das Wort noch mal bemühen: – diffus. Mit anderen Worten: eigentlich auch nicht viel anders als sonst wo.

Etwas habhafter lässt sich über Welzheim spekulieren – einen Faktor, der gewiss nicht alles erklärt, aber wohl schon eine bedeutende Rolle spielt, hat der Welzheimer Bürgermeister Thomas Bernlöhr diese Woche benannt: „In den letzten Tagen beschäftigt uns ein Ausbruch bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen massiv. Es gab offensichtlich an den letzten Wochenenden abendliche Treffs unter Duldung eines lokalen Gewerbetreibenden, in dessen Halle, hinter verschlossenen Türen, ohne Sichtbarkeit nach draußen. In vier Haushalten haben sich bereits Kontaktpersonen infiziert. Wie viele Personen sich in Zukunft aus diesen Anlässen heraus infizieren, ist natürlich erst recht nicht absehbar.“

Die Corona-Oasen: Seltsamerweise sind Welzheimer Nachbarn dabei

Blicken wir nun ans andere Ende der Tabelle – es offenbart sich: Die Schere zwischen den aktuell am höchsten und am geringsten belasteten Kommunen klafft heftig auf – extremer als in zurückliegenden Monaten. Während die Hotspots förmlich nach oben aus der Statistik herausknallen, tut sich andernorts bemerkenswert wenig:

  • Spiegelberg: 0 Fälle / 0,0 Promille
  • Althütte: 6 Fälle / 1,4 Promille
  • Kaisersbach: 4 Fälle / 1,6 Promille
  • Winterbach: 12 Fälle / 1,6 Promille
  • Weissach im Tal: 45 Fälle / 1,6 Promille
  • Oppenweiler: 8 Fälle / 1,9 Promille

Die Unterschiede sind wirklich krass: Welzheim fast fünfmal so stark belastet wie das nahe Althütte und mehr als viermal so stark wie das direkt benachbarte Kaisersbach! Ein äußerst bemerkenswertes Phänomen, das so drastisch in der Coronakrise kreisweit noch nie zu beobachten war. Es ist, als stünden dem Virus an den Markungsgrenzen Schlagbäume im Weg.

Wo sind die Hotspots und Oasen seit Beginn der Pandemie?

Fassen wir nun den Verlauf der gesamten Pandemie ins Auge, den Zeitraum von Anfang März 2020 bis heute: In welchen Orten wurden bislang die meisten, in welchen die wenigsten Leute infiziert?

Wieder entscheiden wir uns nicht für einen Vergleich der absoluten Zahlen, sondern für die aussagekräftigere relative Variante. Die folgende Übersicht benennt in Prozent (nicht in Promille!), wie viele Menschen, bezogen auf die Einwohnerzahl, seit Pandemie-Beginn eine Positiv-Diagnose erhalten haben:

  • Rems-Murr-Kreis gesamt: 3,8 Prozent

  • Schorndorf: 4,3 Prozent
  • Welzheim: 4,2 Prozent
  • Fellbach: 4,1 Prozent
  • Kernen: 4,1 Prozent
  • Weissach im Tal; 4,1 Prozent
  • Waiblingen: 4,0 Prozent
  • Winnenden: 4,0 Prozent
  • Leutenbach: 4,0 Prozent

Es folgen 17 Kommunen mit einer eher unauffälligen Infektionsrate von 3,9 bis 3,0 Prozent – und dann ...

  • Oppenweiler: 2,9 Prozent
  • Auenwald: 2,7 Prozent
  • Althütte: 2,7 Prozent
  • Burgstetten: 2,6 Prozent
  • Berglen: 2,6 Prozent
  • Kaisersbach: 2,2 Prozent

Es ist wirklich verblüffend: Über den gesamten Verlauf der Pandemie hinweg gehört Welzheim dauerhaft zu den Hotspots – und dicht daneben sind und bleiben Althütte und Kaisersbach stabil Oasen.

Die Corona-Lage (Stand 16. April 2020) in den Städten und Dörfern des Rems-Murr-Kreises ist derzeit frappierend unterschiedlich: Es gibt drastische Krisenherde mit exorbitant überdurchschnittlicher Belastung, aber auch Zonen der relativen Behaglichkeit. Krasse Hotspots, stabile Oasen: ein verblüffender Überblick von den Brennpunkten Welzheim und Weinstadt bis zu Ruhe-Inseln wie Kaisersbach und Spiegelberg.

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