Rems-Murr-Kreis

Corona: Die Lage nach Ostern und ein Frühjahrsvergleich 2021 und 2022

Corona Menge
Omikron: Viele Infizierte, hohe Dunkelziffer, verhältnismäßig wenig schlimme Fälle. © Pixabay

Was bedeuten die seit Wochen hohen Inzidenzen für die Krankenhausbelegung und die Corona-Todesfallrate im Rems-Murr-Kreis? In der Vergangenheit hatte es nämlich immer wieder geheißen, das Infektionsgeschehen von heute wirke sich erst mit einer Verzögerung von zwei bis drei Wochen auf die Belegungszahlen der Intensivstationen aus.

Am Gründonnerstag (14.4.) war die Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Infizierten pro 100.000 Einwohner im Rems-Murr-Kreis laut Dashboard mit einem Wert von 1292 auf das Niveau von Anfang Februar gesunken – dies nach einem Zwischenhoch von 1820 am 25. März. Am Dienstag nach Ostern (19.4.) betrug die Inzidenz im Kreis 842, die landesweite 649. Es wird wegen des meldeverzugs über die Feiertage aber noch mit vielen Nachmeldungen in den kommenden Tagen zu rechnen sein.

Trotz der weiterhin hohen Inzidenzen halten sich die Corona-Todesfälle in Grenzen. Seit dem Inzidenzhoch von 25. März sind 17 Menschen im Rems-Murr-Kreis in Zusammenhang mit einer Covid-Erkrankung gestorben, seit Anfang 2022 waren es zusammengenommen 91 Coronatote. Insgesamt sind seit Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 im Rems-Murr-Kreis nunmehr 578 Menschen mit Corona-Symptomen gestorben.

Die verhältnismäßig niedrige Todesfallrate der vergangenen Wochen und Monate ist zu begründen mit den hohen Impfquoten gerade innerhalb der vulnerablen älteren Bevölkerungsschichten und den insgesamt gesehen milderen Krankheitsverläufen der Omikronvariante.

In Baden-Württemberg sind laut RKI-Impfquoten-Monitoring bereits 74,3 Prozent der Einwohner grundimmunisiert (zumeist zwei Coronaimpfungen). Vergleicht man diesen Prozentsatz mit jenem der einmal Geimpften (74 Prozent), so wird deutlich, dass die Impfkampagne zuletzt nur sehr stockend vorankam. Daran änderte auch die Markteinführung des Eiweißimpfstoffes Novavax Ende Dezember 2021 nichts. Bislang haben sich auch „nur“ 57,3 Prozent der Baden-Württemberger „boostern“ lassen (dritte und vierte Impfung). Das geht aus Daten des Sozialministeriums hervor. Die Rems-Murr-Zahlen (Stand: 11.4.):

  • 68,4 Prozent sind einmal geimpft.
  • 69,1 Prozent sind grundimmunisiert.
  • 55 Prozent sind geboostert.

Von den Ü-60-Jährigen in Baden-Württemberg sind laut Landesgesundheitsamt aber bereits 87 Prozent grundimmunisiert und 76,5 Prozent geboostert.

Die Rems-Murr-Kliniken versorgen aktuell (Stand: 19.4.) 50 Covid-19-Patienten, davon werden vier Patienten auf der Intensivstation versorgt und beatmet. Von den 50 „Covid-Patienten“ sind nur rund 20 Prozent wegen Covid-Symptomen ins Krankenhaus gekommen.

„Der Rest ist quasi Beifang, also Patienten, die wegen etwas anderem, zum Beispiel einem Beinbruch oder einer Blinddarmentzündung stationär aufgenommen worden sind und dann positiv getestet wurden“, bestätigt Christoph Schmale, Pressesprecher der Rems-Murr-Kliniken.

Wer von den 50 tatsächlich Corona-Symptome habe, könne er nicht sagen. „Da müsste man in jeden einzelnen Arztbrief, jede einzelne Patientenakte reinschauen. Aufwendig isoliert werden müssen sie jedenfalls alle.“ Weiterhin gelte auch die Regel: Wer starke Symptome habe, sei in den allermeisten Fällen nicht geimpft.

Die hohe Zahl des „Beifangs“ verdeutlicht die starke Verbreitungsdichte im Zuge der Omikron-Welle, die sich in den hohen Inzidenzzahlen widerspiegelt. „Es kommen auch immer wieder Patienten mit Symptomen in die Notaufnahme, weil sie Angst haben, dass sich ihre Coronaerkrankung verschlimmern könnte“, sagt Schmale.

Bei nicht wenigen bestätigen sich jedoch die Befürchtungen nicht und sie werden an die Notfallpraxis zur ambulanten Behandlung verwiesen. Die Notfallpraxis, die von niedergelassenen Ärzten betrieben wird, hat mit der Notaufnahme des Winnender Klinikums einen gemeinsamen Empfang, erläutert Schmale.

In ganz Baden-Württemberg sind laut Divi-Intensivregister mit Stand vom Dienstag (19.4.) nur neun Prozent der Intensivbetten von Covid-Patienten belegt. Insgesamt 199 Covid-Patienten sind in intensivmedizinischer Behandlung, 86 davon müssen invasiv beatmet werden. Die Belegungszahlen der Intensivstationen sind damit auf das Niveau von Mitte Oktober 2021 gesunken. Von Mitte Oktober bis Anfang Dezember hatte es einen steilen Anstieg auf 670 Covid-Intensivpatienten gegeben, danach waren die Zahlen kontinuierlich bis Ende Januar auf 283 gesunken. Seither geht es im Zickzack-Kurs tendenziell abwärts.

Die alte Regel, hohe Inzidenzen hätten mit Zeitverzug auch eine hohe Todesfallrate und hohe Krankenhausbelegungszahlen zur Folge, scheint im Zuge der Omikron-Welle nicht mehr zu gelten. Betrachtet man den Kurvenverlauf der Intensivbetten-Belegungszahlen des Jahres 2021 (Quelle: Divi-Zeitreihe), so wird deutlich, dass dieser zwar ähnlich war wie 2022, mit einer Senke von Februar bis Mitte März. 2021 stieg die Kurve jedoch bis Anfang April steil an. Dieser Anstieg ist 2022 (noch) nicht zu verzeichnen. Eine Prognose ist schwierig.

Die momentane Pandemielage jedenfalls machte eine allgemeine Impfpflicht nach Meinung der Mehrheit im Bundestag nicht plausibel begründbar. Auch die Lockerungen der Maskenpflicht und die Aufhebung weiterer Beschränkungen in vielen Bundesländern werden als nur folgerichtig empfunden. Derweil warnt Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach vor einer möglichen „Omikron-Killervariante“ und muss deshalb viel Kritik einstecken. Im Herbst wird sich zeigen, wer recht behält.

Was bedeuten die seit Wochen hohen Inzidenzen für die Krankenhausbelegung und die Corona-Todesfallrate im Rems-Murr-Kreis? In der Vergangenheit hatte es nämlich immer wieder geheißen, das Infektionsgeschehen von heute wirke sich erst mit einer Verzögerung von zwei bis drei Wochen auf die Belegungszahlen der Intensivstationen aus.

Am Gründonnerstag (14.4.) war die Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Infizierten pro 100.000 Einwohner im Rems-Murr-Kreis laut Dashboard mit einem Wert von 1292

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