Rems-Murr-Kreis

Corona: Eine Busfahrerin über selbst ernannte "Freiheitsaktivisten" gegen die Pflicht zum Mund-Nasen-Schutz

Alltagsheldin: Busfahrerin
Mit den Lockerungen normalisiert sich gerade wieder der Linienbusverkehr. Die Leute dürfen wieder vorne einsteigen und Busfahrer dürfen wieder Tickets verkaufen. Die Welzheimer Busfahrerin Stephanie Fox ist sehr froh darüber. © Benjamin Büttner

Der Berufsalltag während des coronabedingten Lockdowns war eine krasse Zeit für Stephanie Fox. „Man kommt schon ins Grübeln“, sagt die Busfahrerin aus Welzheim. „Als es mit Corona anfing, waren so viele Fragen offen. Darf ich den Fahrgästen die Tickets in die Hand geben? Dürfen Fahrräder mit in den Bus? Und als die Leute schließlich nur noch hinten einsteigen durften, da verliert man im wahrsten Sinne den Kontakt zu den Menschen. Kein guten Morgen mehr, kein Smalltalk mehr. Das fehlte aber glaube ich auch den Fahrgästen, die ja gar nicht mehr sahen, wer sie da vorne herumkutschiert, und die sich heute ausdrücklich wieder freuen, ein freundliches Gesicht beim Einsteigen zu sehen.“

Als dann die Schulen geschlossen wurden, die Firmen Kurzarbeit anmeldeten, viele von zu Hause aus arbeiteten oder immer mehr aus Vorsicht lieber mit dem Auto zur Arbeit fuhren und überall die Ansteckungsgefahr thematisiert wurde, „da wurde es dann richtig leer im Bus“. Vor Corona beförderte sie an normalen Tagen vielleicht 100 Fahrgäste, mitten zur Hochzeit der Pandemie im April/Mai waren es mitunter nur fünf.

Stephanie Fox fährt eigentlich auf allen Dannenmann-Linien im Welzheimer Wald – zum Beispiel zwischen Althütte, Kaisersbach und Schorndorf oder auch durch die Berglen hinunter nach Winnenden. Auch die Leute, die am Wochenende mit dem Bus mal nach Schwäbisch Gmünd fuhren und abends zurück, blieben plötzlich weg, die Berufspendler zum Bahnhof Schorndorf sowieso. „Dann beginnt man zu grübeln und zu zweifeln.“

Die Landschaft, durch die sie fährt, die sie als Welzheimerin so liebt und die ihr sonst den Berufsalltag versüßt, war zwar weiter idyllisch, aber die Menschenleere im Bus befeuerte ihre Sorgen. „Ist mein Job sicher? Was passiert mit dem Unternehmen, wenn jetzt länger so wenige den ÖPNV nutzen? Wie geht’s jetzt weiter?“ Kurzzeitig setzte der VVS im April dann auch noch den Linienbetrieb in Wochenend- beziehungsweise Ferienmodus mit geringerer Fahrfrequenz, und auch Stephanie Fox musste in Kurzarbeit. Zum Glück nur einige Tage.

Dank an den Landkreis für die Wertschätzung des ÖPNV

Ihr Arbeitgeber, Geschäftsführer Markus Dannenmann, bestätigt: „Mittlerweile sind eigentlich fast nur noch Mitarbeiter, die in der Busreiseorganisation oder in der Verwaltung beschäftigt sind, in Kurzarbeit. Wir sind aber in der komfortablen Lage, dass von den rund 40 unserer Busse, die im Betriebshof in Beutelsbach ein- und ausfahren, nur drei im Reisebetrieb sind, alle anderen aber im Linienbetrieb.“ Mit dem Auftraggeber, dem Rems-Murr-Kreis, bestünden Pauschalverträge und die Bezahlung richte sich nicht nach Fahrgastzahlen.

„Wir sind sehr dankbar über diese Wertschätzung und Unterstützung des ÖPNV, auch im Sinne des Umweltschutzes und der ökologischen Verkehrswende und sind zum Beispiel sehr daran interessiert, uns beim Thema Wasserstoffantrieb verstärkt mit dem Landkreis zusammen zu engagieren“, sagt Dannenmann.

Stephanie Fox will trotz allem nicht verhehlen, dass man sich als Busfahrerin, als Busfahrer, während des Lockdowns trotzdem großen Sorgen machte, auch wenn diese vielleicht im Nachhinein unbegründet erscheinen mögen.

Viele nutzten es aus, ohne Fahrschein hinten einzusteigen

Hinzu kommt: Die bis ins Mark gefühlte Leere im Bus wurde teilweise dann auch noch plötzlich von einem besonderen Klientel gefüllt. „Es war eindeutig zu spüren, da fahren jetzt Leute mit dem Bus, die sonst nicht mitfahren, und nun aber nur mitfahren, weil man hinten einsteigen kann, und schwarzfahren kann. Kontrolleure waren während der Pandemie nicht unterwegs.“ Bei älteren Fahrgästen, die vielleicht ihr Ticket wegen mangelnder Internetaffinität nicht online besorgen konnten, verstehe sie das noch in gewisser Weise. „Aber bei den Jüngeren finde ich das noch viel mehr, nein, absolut nicht in Ordnung.“

In den Nachrichten kamen zu dieser Zeit auch noch Meldungen von Fällen von Gewalt gegen Busfahrer in größeren Städten in Deutschland und dem benachbarten Ausland wegen Streitigkeiten um die Einhaltung der Corona-Verordnungen. „Da denkt man schon, als Busfahrer bist du der Depp der Nation“, sagt Stephanie Fox. Zum Glück kenne man sich im Welzheimer Wald. „Es kommt auch immer darauf an, wie man mit den Fahrgästen umgeht. Meine Mutter sagte immer: Der Ton macht die Musik.“ So richtig Extremes musste Stephanie Fox also nicht erleben, nur mit einigen wenigen Verschwörungstheoretikern und selbst ernannten Freiheitsaktivisten musste sie als Busfahrerin umgehen.

Mutmaßliche Reichsbürgerin animiert zum Absetzen der Masken

„Da ist zum Beispiel eine Frau Mitte 20, die ich eher in Richtung Reichsbürger einordnen würde, und die Probleme mit der Mund-Nasen-Maskenpflicht im ÖPNV hat.“ Nicht nur setzte diese Dame immer wieder demonstrativ ihre Maske ab und animierte andere Fahrgäste lautstark ihr gleichzutun, sondern sie wetterte auch noch wiederholt dagegen, dass man als „freier Bürger“ überhaupt ein Ticket kaufen, ja für den ÖPNV bezahlen müsse. „Das nahm Ausmaße an, dass ich ihr klar und deutlich sagen musste, ohne Ticket und ohne Mund-Nasen-Bedeckung darf sie nie mehr mitfahren. Seither ist sie weggeblieben.“

Mit den Lockerungen normalisiert sich gerade wieder der Linienbusverkehr. Die Leute dürfen wieder vorne einsteigen und Busfahrer dürfen wieder Tickets verkaufen. Stephanie Fox ist sehr froh darüber. Immerhin ist sie seit 18 Jahren Busfahrerin. „Ich bin wegen meines Vaters vorbelastet. Er war Busfahrer, fuhr in den 1980ern Bahn-Busse.“ Seit sie denken kann, war sie fasziniert vom Busfahren, ist vom Kindesalter an immer wieder mal bei ihm mitgefahren, bis sie selbst Busfahrerin wurde. Und als Welzheimerin ist das Busfahren im Welzheimer Wald ganz besonders ihr Ding.

Der Berufsalltag während des coronabedingten Lockdowns war eine krasse Zeit für Stephanie Fox. „Man kommt schon ins Grübeln“, sagt die Busfahrerin aus Welzheim. „Als es mit Corona anfing, waren so viele Fragen offen. Darf ich den Fahrgästen die Tickets in die Hand geben? Dürfen Fahrräder mit in den Bus? Und als die Leute schließlich nur noch hinten einsteigen durften, da verliert man im wahrsten Sinne den Kontakt zu den Menschen. Kein guten Morgen mehr, kein Smalltalk mehr. Das fehlte aber

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