Rems-Murr-Kreis

Corona: Explodiert der Krankenstand im Rems-Murr-Kreis wegen Omikron?

Fax Kankmeldung
Die Zahl der Krankmeldungen steigt. © Gabriel Habermann

Die Omikron-Welle fegt durchs Land, die Infektionszahlen sind hoch wie nie. Im Rems-Murr-Kreis liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei 1336, 6584 Infizierte sind in Quarantäne (Stand 1. Februar). Seit Wochen wird befürchtet, dass hohe Krankenstände die Infrastruktur im Land gefährden könnten. Wie sieht es in unterschiedlichen Bereichen im Rems-Murr-Kreis tatsächlich aktuell aus?

Krankenkasse sieht starke Dynamik in der vierten Corona-Welle

Eine aktuelle Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK hat ergeben, dass von März 2020 bis November 2021 von den 2,4 Millionen bei der AOK Baden-Württemberg versicherten Erwerbstätigen mehr als 130.000 Beschäftigte mindestens eine Krankschreibung aufgrund einer Covid-19-Diagnose erhielten, das sind 5,5 Prozent der AOK-Mitglieder im Südwesten. Mit 989 Erkrankten je 100.000 Beschäftigten waren es im November 2021 so viele wie nie zuvor, was laut einem Sprecher der AOK Ludwigsburg-Rems-Murr die besondere Dynamik des Covid-19-Geschehens in der vierten Welle verdeutlicht: „Knapp 20 Prozent aller bisher von Covid-19 betroffenen AOK-Mitglieder haben eine Arbeitsunfähigkeit allein in diesem Monat erhalten.“

Zum Vergleich: Im April 2020 gab es mit 428 Erkrankten je 100.000 AOK-Mitgliedern einen ersten Höhepunkt der Krankschreibungen aufgrund einer Covid-19-Infektion. Im Dezember 2020 erkrankten 485 je 100.000 AOK-Mitglieder und in der dritten Pandemiewelle lag der Spitzenwert im April 2021 im Südwesten bei 474 Erkrankten je 100.000 Beschäftigten. „Im November, und damit direkt schon zu Beginn der Omikron-Welle, zeigt sich branchenübergreifend und flächendeckend ein deutlicher Anstieg der coronabedingten Fehlzeiten. In den Folgewochen wird sich dieser Effekt weiter massiv verstärkt haben“, sagt Alexander Schmid, Geschäftsführer der AOK-Bezirksdirektion Ludwigsburg-Rems-Murr. Aktuelle Zahlen liegen der Krankenkasse aber noch nicht vor.

Rems-Murr-Kliniken sind noch gut aufgestellt

Im Fokus der Befürchtungen, Omikron könnte die kritische Infrastruktur gefährden, stehen unter anderem die Krankenhäuser. Im Moment allerdings droht an den Rems-Murr-Kliniken kein Chaos: „Die Krankmeldungen liegen derzeit noch im Durchschnitt, so dass es bisher nicht zu Problemen oder Engpässen kommt“, sagt ein Sprecher.

Bislang habe das Klinikum Ausfälle mit Personalverschiebungen und guter Dienstplanorganisation kompensieren können, Behandlungen müssen derzeit noch nicht verschoben werden. „Allerdings steigen auch bei uns unter der Belegschaft die Meldungen über Infektionen.“

Schulen haben Personalsorgen, aber nicht nur wegen Omikron

In Baden-Württemberg gibt es rund 4.500 Schulen. Diese Schulen haben laut dem Kultusministerium 2.277 auf Covid-19 positiv getestete Lehrkräfte gemeldet; dies sind 1,65 Prozent aller Lehrkräfte in Baden-Württemberg. 1.471 Lehrerinnen und Lehrer befinden sich in Quarantäne, das entspricht 1,07 Prozent aller Lehrerinnen und Lehrer in Baden-Württemberg (Stand 1. Februar).

Sabine Hagenmüller-Gehring, Leiterin des Staatlichen Schulamts Backnang, sieht die Schulen derzeit so belastet wie nie zuvor. Am Freitag, 28. Januar, waren im Zuständigkeitsbereich 98 Schulen von Infektionsfällen betroffen, 41 Klassen waren geschlossen, 914 Schülerinnen und Schüler waren positiv getestet und 1245 Schülerinnen und Schüler in Quarantäne. Darüber hinaus waren 39 Lehrkräfte infiziert. Tendenz steigend, auch wenn noch keine validen Zahlen vorliegen, weil die Schulen kaum hinterherkommen, die Fälle ins System einzutragen. Zum Vergleich: Eine Woche zuvor waren 81 Schulen betroffen, drei Klassen geschlossen, 431 Schüler/-innen positiv getestet und 451 Schüler/-innen in Quarantäne sowie 25 Lehrkräfte infiziert. „Das gesamte Management der Infektionsfälle ist außerordentlich aufwendig“, sagt Hagenmüller-Gehring.

Das bestätigt Axel Rybak, Rektor der Staufer-Realschule und geschäftsführender Schulleiter in Waiblingen. Obwohl an seiner Schule zurzeit nur eine Lehrkraft wegen eines grippalen Infekts ausfalle, ist die Personalsituation angespannt, die Organisation des Unterrichts aufwendig. „Schwangere Lehrkräfte dürfen nicht mehr in Präsenz unterrichten“, nennt er ein Beispiel. Deshalb müssten beispielsweise Stundenpläne so gelegt werden, dass eine Klasse einen Teil des Vormittags im Fernunterricht, den anderen Teil im Präsenzunterricht ist. Hinzu komme, dass sich eine Lehrkraft als Ansprechpartnerin um die Kinder kümmern müsse, die wegen einer Corona-Infektion oder als Kontaktperson in Quarantäne sind, das sind derzeit knapp 40 von insgesamt 502 Schülern.

Unternehmen spüren bisher kaum Auswirkungen

Stihl in Waiblingen verzeichnet laut einer Sprecherin derzeit eine steigende Zahl mit dem Coronavirus infizierter Mitarbeiter. Allerdings seien diese Ausfälle derzeit noch beherrschbar, so dass der Betrieb normal weiterlaufe. Auch bei Kärcher in Winnenden wirkt sich die Omikron-Welle derzeit nicht auf den Arbeitsalltag aus. Verglichen mit Januar 2021 und auch mit dem Vor-Corona-Januar 2020 sei die Fehlzeitenquote in diesem Jahr nur leicht erhöht, sagt eine Sprecherin. Auch bei der Süddeutschen Krankenversicherung SDK in Fellbach ist der Krankenstand laut einer Unternehmenssprecherin aktuell auf dem gleichen Niveau wie in den vergangenen Jahren.

Die Omikron-Welle fegt durchs Land, die Infektionszahlen sind hoch wie nie. Im Rems-Murr-Kreis liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei 1336, 6584 Infizierte sind in Quarantäne (Stand 1. Februar). Seit Wochen wird befürchtet, dass hohe Krankenstände die Infrastruktur im Land gefährden könnten. Wie sieht es in unterschiedlichen Bereichen im Rems-Murr-Kreis tatsächlich aktuell aus?

Krankenkasse sieht starke Dynamik in der vierten Corona-Welle

Eine aktuelle Auswertung des

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper