Rems-Murr-Kreis

Corona: Fast keine Neuinfektionen im Rems-Murr-Kreis

Corona Testzentrum
Symbolfoto. © Benjamin Büttner

Wie schnell die Zahl der Corona-Infektionen nach oben schnellen kann, haben die vergangenen Tage gezeigt. Deutschlandweit gibt es mehrere Brennpunkte. Im Rems-Murr-Kreis dagegen sind auch Lockerungen wie Gaststätten- und Schulöffnungen ohne negative Folgen geblieben. Trotz verschwindend geringer Neuinfektionen bleiben die Behörden aber wachsam.

Ob man will oder nicht: Um das Virus in den Griff zu bekommen, heißt es, sich mit Mathematik zu beschäftigen. Im Fokus steht seit dem Beginn der Pandemie die Reproduktions-, kurz R-Zahl. Sie gibt an, wie viele Personen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt.

Das Ziel lautet, die R-Zahl bei unter 1 zu halten, weil die Ausbreitung der Krankheit damit verlangsamt wird. Ist die Zahl exakt 1, steckt ein Kranker einen Gesunden an, das Infektionsgeschehen bleibt somit konstant. Liegt R aber über 1, wird’s bedenklich, weil die Anzahl der Infizierten steigt und das Risiko besteht, dass das Virus irgendwann nicht mehr beherrschbar ist.

Bedenkliches Infektionsgeschehen trotz geringer Corona-Fälle

Anlass zur Sorge gibt deshalb der sprunghaft angestiegen R-Wert für Deutschland. Das Robert-Koch-Institut nannte am Dienstag die Zahl 2,76. Und die exaktere Sieben-Tage-R, zusammengefasst ist die Infektionsdynamik einer Woche, lag immer noch bei 1,73. Allerdings: Die Fallzahlen seien insgesamt gering. Der seit Dienstag vergangener Woche gestiegene R-Wert sei vor allem auf lokale Ausbrüche zurückzuführen.

Als Brennpunkte bezeichnet wurden Gütersloh, Göttingen, Magdeburg und Berlin-Neukölln. Besonders betroffen seien Menschen mit eher schwierigen sozialen Bedingungen.

Zu sehen im Kreis Gütersloh: Von den 7000 Mitarbeitern der Fleischfabrik Tönnies in Rheda-Wiedenbrück, die katastrophalen Arbeits- und Wohnbedingungen der Beschäftigten hatten vor Corona niemanden interessiert, sind über 1550 positiv auf das Virus getestet worden. Um die weitere Ausbreitung zu verhindern, sind am Dienstag im Landkreis wieder strikte Kontaktbeschränkungen eingeführt worden, wie sie zuletzt im März gegolten hatten.

Kontaktbeschränkungen und Schließungen haben gewirkt

Die meisten anderen Gebiete Deutschlands sind von einem erneuten Lockdown derzeit sehr weit entfernt, auch der Rems-Murr-Kreis. Zur Erinnerung: Laut Bundesregierung werden Regeln erst verschärft, wenn es binnen sieben Tagen mehr als 50 Neuansteckungen pro 100 000 Einwohner gibt. 426 000 Einwohner hat der Rems-Murr-Kreis, die Grenze liegt somit – Mathematik – bei 213 Neuinfektionen.

Überschritten worden war diese Zahl zuletzt im März und April. Vom 25. März an hatte es nur fünf Tage für 231 Neuinfektionen gebraucht. Danach wurde es richtig brenzlig: 347 Neuinfektionen waren es in den sieben Tagen vom 29. März bis 4. April.

Spätestens vom 13. April an zeigte sich aber endgültig der Effekt von Kontaktbeschränkungen, Geschäftsschließungen und Veranstaltungsverbot. Die kritische Grenze von 30 neuen Fällen pro Tag wurde seither nicht mehr überschritten.

Niedliche Fallzahlen im Rems-Murr-Kreis

Seit einiger Zeit sind die offiziellen Fallzahlen verschwindend gering. 13 Neuinfektionen wurden am 19. Mai vermeldet, fortan gab’s nur noch einstellige Werte. An einigen Tagen stand die 0, vom 31. Mai bis 2. Juni sogar dreimal in Folge. Die Zahlen blieben niedlich: 3, 5, 3, 3, 0, 1, 7, 6, 1, 1, 0, 0.

In den sieben Tagen vom 17. bis 23. Juni wurden insgesamt nur 20 neue Fälle gemeldet. Am Montag waren’s drei, am Dienstag folgte ein weiterer Fall. Damit haben sich seit dem Beginn der Pandemie im Rems-Murr-Kreis 1632 Personen infiziert. 1508 sind aus der Quarantäne entlassen, 32 derzeit noch isoliert.  Nicht erhöht hat sich seit dem 8. Juni die Zahl der Todesfälle. 92 Menschen sind an Covid-19 verstorben.

Vorsicht: Der Corona-Spuk ist noch nicht vorbei

Nun könnte man denken, das war’s schon mit dem Corona-Spuk. Doch die Behörden mahnen zur Vorsicht. Martina Keck, Pressesprecherin des Landratsamts, verweist auf den am 19. Juni vermeldeten Coronafall am beruflichen Gymnasium der Paulinenpflege (Schule am Jakobsweg) in Winnenden.

Eine Schülerin wurde positiv getestet, sie und zwei Kontaktpersonen sind in Quarantäne. Keck betont, nur weil Abstands- und Hygieneregeln konsequent eingehalten worden seien, könne der Schulbetrieb weiterlaufen.

Corona-Fall an einer Backnanger Schule

Am Dienstag hat die Pressestelle einen weiteren Fall vermeldet. Eine Schülerin der Gewerblichen Schule Backnang hat sich das Virus eingefangen. Offenbar ist die Hoffnung groß, dass auch diesmal kein größerer Ausbruch folgen wird.

Denn: „Dank der strengen Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln hatte die Schülerin nach bisherigem Stand keine engen Kontakte in der Schule.“ Diese sowie das Gesundheitsamt und die Stadt Backnang behielten die Situation eng im Blick. Bei Bedarf würden weitere Tests durchgeführt.

Wie schnell die Zahl der Corona-Infektionen nach oben schnellen kann, haben die vergangenen Tage gezeigt. Deutschlandweit gibt es mehrere Brennpunkte. Im Rems-Murr-Kreis dagegen sind auch Lockerungen wie Gaststätten- und Schulöffnungen ohne negative Folgen geblieben. Trotz verschwindend geringer Neuinfektionen bleiben die Behörden aber wachsam.

Ob man will oder nicht: Um das Virus in den Griff zu bekommen, heißt es, sich mit Mathematik zu beschäftigen. Im Fokus steht seit dem Beginn

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