Rems-Murr-Kreis

Corona: Geimpfte und Ungeimpfte in den Rems-Murr-Kliniken - Omikron ändert alles

Intensivstation RMK
Blick in die Winnender Covid-Intensivstation. Die Lage hat sich dort unter Omikron deutlich verändert. © Benjamin Büttner

Wie viele Covid-Patienten in den Rems-Murr-Kliniken sind ungeimpft? Und wie viele geimpft? Dieser heiß diskutierten Frage sind wir im Herbst schon einmal nachgegangen. Zeit für eine Aktualisierung: Was hat sich durch Omikron verändert? Aufwühlende Antwort: fast alles ... Aber was folgt daraus, vor allem für die Debatte um die allgemeine Impfpflicht?

Rückblick: Ungeimpfte Covid-Patienten krass stärker gefährdet

Zunächst eine Rückblende. Vor einigen Monaten haben wir gefragt: Wie war das mit den Covid-Patienten in den Rems-Murr-Kliniken zwischen dem 1. Juli 2021 und dem 10. November 2021? Ergebnis:

  • 309 Menschen wurden stationär behandelt wegen einer Covid-Erkrankung. Davon ungeimpft: 231 (75 Prozent).
  • Bei 81 der Covid-Patienten spitzte sich die Lage so zu, dass intensivmedizinische Versorgung notwendig wurde. Davon ungeimpft: 73 (90 Prozent).

Ungeimpfte waren also in krasser Weise stärker gefährdet; Details finden Sie hier.

Anfang Juli 2021 waren im Rems-Murr-Kreis immerhin schon 30 Prozent der Leute doppelt geimpft, Mitte November waren es dann bereits über 61 Prozent. Die Impfquote zu reflektieren, ist sehr wichtig – ein einfaches Rechenbeispiel offenbart das schlagend; angenommen, mit Impfung läge die Erkrankungsgefahr bei 1 Prozent, ohne Impfung bei 10 Prozent ...

  • In einer Gruppe mit 300 Geimpften und 700 Ungeimpften läge der Anteil der Geimpften am Erkrankungsgeschehen nur bei etwa 4 Prozent. Denn erkranken würden 3 Geimpfte und 70 Ungeimpfte; insgesamt 73 Menschen.
  • In einer Gruppe mit 600 Geimpften und 400 Ungeimpften läge der Anteil der Geimpften am Erkrankungsgeschehen hingegen bei etwa 13 Prozent! Denn erkranken würden 6 Geimpfte und 40 Ungeimpfte; insgesamt 46 Menschen.

Das doppelte Gesetz: Was wir immer beachten müssen

Zwei Effekte wirken hier – nennen wir sie Das doppelte Gesetz . Erstens: je höher die Impfquote, desto weniger schwere Krankheitsfälle. Zweitens: je höher die Impfquote, desto höher der prozentuale Anteil der Geimpften am Krankheitsgeschehen.

Aber wie hoch war zwischen Juni und November eigentlich die Wahrscheinlichkeit, nach Infektion zu erkranken?

  • Im Betrachtungszeitraum meldete das Landratsamt rund 9000 Infektionen. Da 309 im Krankenhaus landeten, betrug die Hospitalisierungsquote 3,4 Prozent. Da 81 auf der Intensivstation landeten, betrug die Intensiv-Quote 0,9 Prozent.

Das sind niedrige Werte. 2020, als es noch keine Impfung gab, lagen sie viel höher. Aber die spannende Frage ist nun: Wie hat sich die Situation seither entwickelt? Da die Impfquote weiter gestiegen ist, müsste Das doppelte Gesetz greifen (siehe oben).

November/Dezember 2021: Geimpfte und Ungeimpfte in der Delta-Welle

Betrachten wir zunächst den Zeitraum vom 11. November bis zum 31. Dezember 2021, als die Delta-Variante des Virus vorherrschte. Mittlerweile waren rund 65 Prozent der Leute im Rems-Murr-Kreis geimpft; auch die Booster-Kampagne war schon angelaufen.

  • 349 Menschen wurden stationär behandelt wegen einer Covid-Erkrankung. Davon ungeimpft: 231 (66 Prozent).
  • Bei 93 der Covid-Patienten spitzte sich die Lage so zu, dass intensivmedizinische Versorgung notwendig wurde. Davon ungeimpft: 73 (78 Prozent).
  • Im Betrachtungszeitraum meldete das Landratsamt rund 12 000 Infektionen. 349 landeten im Krankenhaus – Hospitalisierungsquote: 2,9 Prozent. 93 landeten auf der Intensivstation – Intensiv-Quote: 0,8 Prozent.

Wir sehen tatsächlich lehrbuchmäßig Das doppelte Gesetz: Der prozentuale Anteil der Geimpften am Krankheitsgeschehen ist gestiegen – aber es gab nun, bezogen auf die Infektionszahlen, weniger schwere Verläufe. Der Impfung sei Dank!

Januar/Februar 2022: Geimpfte und Ungeimpfte in der Omikron-Welle

Aber jetzt wird es erst richtig spannend: Betrachten wir den Zeitraum vom 1. Januar bis zum 11. Februar 2022. Mittlerweile hatte Omikron das Kommando übernommen. Und im Kreis waren fast 70 Prozent der Leute geimpft und gut 50 Prozent geboostert.

  • 208 Menschen wurden stationär behandelt wegen einer Covid-Erkrankung. Davon ungeimpft: 125 (60 Prozent).
  • Bei 30 der Covid-Patienten spitzte sich die Lage so zu, dass intensivmedizinische Versorgung notwendig wurde. Davon ungeimpft: 16 (53 Prozent).
  • Im Betrachtungszeitraum meldete das Landratsamt rund 24 500 Infektionen. 208 landeten im Krankenhaus – Hospitalisierungsquote: gut 0,8 Prozent. 30 landeten auf der Intensivstation – Intensiv-Quote: 0,12 Prozent.

Frappierend! Zwar bestätigt sich erneut Das doppelte Gesetz – aber allein damit sind die Daten nun überhaupt nicht mehr zu erklären. Denn es ist im Vergleich zum November/Dezember 2021 etwas wirklich Spektakuläres geschehen:

  • Die Hospitalisierungsgefahr ist förmlich eingebrochen von 2,9 auf 0,8 Prozent.
  • Das Intensiv-Risiko aber hat sich – zumindest rein statistisch betrachtet – nachgerade verflüchtigt (womit kein einziger tragischer Fall verharmlost sein soll): von 0,8 auf gut 0,1 Prozent!

Dankenswerterweise haben die Rems-Murr-Kliniken die Daten, die sie uns gaben, auch nach Altersgruppen aufgeschlüsselt. Dabei offenbart sich noch etwas Wesentliches:

  • Im November/Dezember landete zwar kein einziger geimpfter Mensch unter 40 Jahren auf der Intensivstation – von einem so schweren Krankheitsverlauf betroffen waren aber zwei Ungeimpfte der Altersgruppe 0 bis 17 und vier Ungeimpfte der Altersgruppe 18 bis 39.
  • Vom 1. Januar bis zum 11. Februar unterm Omikron-Regime landete hingegen kein einziger Mensch unter 40 auf der Intensivstation; ganz egal, ob geimpft oder ungeimpft.

Was folgt aus alledem für die allgemeine Impfpflicht?

Bilanz: Die Impfung ist ein Segen, dank ihr hat sich die Tragödie, die der Rems-Murr-Kreis im Herbst/Winter 2020/21 erlitt, als viele Menschen starben, nicht wiederholt.

Aber unter Omikron – einer zwar hochansteckenden, ansonsten indes eher harmlosen Variante – ist das Hospitalisierungs- und erst recht das Intensiv-Risiko selbst für Ungeimpfte nur noch gering. Was heißt das für die allgemeine Impfpflicht?

Sie wäre verhältnismäßig, wenn wir im Herbst wieder mit einem Virus konfrontiert würden, das ähnlich ansteckend, aber weitaus gefährlicher als Omikron ist.

Sie wäre überzogen, wenn wir es im Herbst mit einer Art Omikron 2.0 zu tun bekämen.

Was aber der Herbst wirklich bringt, wissen derzeit nicht einmal die ausgefuchstesten Superduper-Virologen.

Wie viele Covid-Patienten in den Rems-Murr-Kliniken sind ungeimpft? Und wie viele geimpft? Dieser heiß diskutierten Frage sind wir im Herbst schon einmal nachgegangen. Zeit für eine Aktualisierung: Was hat sich durch Omikron verändert? Aufwühlende Antwort: fast alles ... Aber was folgt daraus, vor allem für die Debatte um die allgemeine Impfpflicht?

Rückblick: Ungeimpfte Covid-Patienten krass stärker gefährdet

Zunächst eine Rückblende. Vor einigen Monaten haben wir gefragt:

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