Rems-Murr-Kreis

Corona im Rems-Murr-Kreis: Die Hotspots am Fluss und die Insel der Seligen

KaisersbachOrtsvorstellung
Kaisersbach, ein ganz normales Dorf? Nicht in der Corona-Krise ... © Hardy Zürn

Es kommt darauf an, wo man wohnt ... Die Gefahr, sich mit Corona zu infizieren, ist durchaus nicht überall im Rems-Murr-Kreis gleich groß. Das offenbart sich sowohl aktuell (Stand 30. März 2021) als auch noch drastischer beim Blick aufs gesamte Covid-Jahr. Es gibt eine förmliche Zusammenballung von Hotspots – aber auch eine Insel der Seligen.

Zunächst die aktuelle Lage im Kreis: Die Inzidenz (Ansteckungen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen) liegt bei 146. Es steht zu befürchten, dass nach Ostern die 200er-Schwelle überschritten wird.

Corona im Rems-Murr-Kreis: Die aktuelle Lage im Detail

Derzeit sind nach absoluten Zahlen logischerweise die großen Städte im Kreis am stärksten betroffen (Schorndorf 90 akute Fälle, Waiblingen 82, Fellbach 60, Backnang 59) – aber prozentual am ärgsten belastet sind ganz andere Gemeinden. Momentan aufgrund einer Infektion in Isolation befinden sich in ...

  • Kernen: 3,3 von 1000 Einwohnern
  • Winterbach: 3,2 von 1000 Einwohnern
  • Welzheim: 2,9 von 1000 Einwohnern
  • Rudersberg: 2,8 von 1000 Einwohnern
  • Allmersbach: 2,5 von 1000 Einwohnern

Erst dann folgt Schorndorf (2,3/1000), weit dahinter liegen Backnang (1,6/1000), Waiblingen (1,5/1000) und Fellbach (1,3/1000).

Steile Corona-Thesen über Anthroposophie, AfD und Störche

Beliebter Denksport: steile Thesen entwickeln, um diese Zahlen zu erklären. Ist Winterbach zum Beispiel weit vorne, weil es dort viele Anthroposophen gibt, die masken- und impfskeptisch gestimmt sind? Das können wir weder ausschließen noch belegen; und empfehlen deshalb: Vor wohlfeilen Spekulationen sollte man sich hüten.

Es gibt ja auch diese weit verbreitete Überlegung: Die hohe Inzidenz in Thüringen habe womöglich damit zu tun, dass dort so viele Leute die AfD wählen. Aber Moment: Wenn Zahlen korrelieren, muss das nicht heißen, dass es kausale Zusammenhänge gibt. Auf dem Lande werden mehr Kinder geboren? Auf dem Lande werden mehr Störche gesichtet? Mag beides stimmen. Daraus zu folgern, dass der Storch die Babys bringt, ist dennoch Quatsch.

Nirgendwo sonst im Rems-Murr-Kreis holte die AfD neulich bei der Landtagswahl einen so hohen Stimmenanteil wie in Spiegelberg – 21,7 Prozent! Und wie viele aktuelle Infektionen werden aus Spiegelberg vermeldet? Genau null. Derzeit niemand in Quarantäne: Auch das gibt es nirgendwo sonst im Rems-Murr-Kreis. AfD-These, adieu.

Corona im Rems-Murr-Kreis: Hotspots in der Langzeitbetrachtung

Statistische Faustregel: Je kleiner die absoluten Zahlen sind, mit denen man hantiert, desto heftiger schlagen zufallsbedingte Verzerrungseffekte zu Buche; und desto geringer ist demnach die Aussagekraft. Bleiben wir zur Veranschaulichung noch einen Moment bei Spiegelberg: Angenommen, dort würde sich morgen ein Mann infizieren und seine Frau nebst den fünf Kindern anstecken – dann wäre die Gemeinde von einem Tag auf den anderen prozentual plötzlich die höchstbelastete im Kreis. Denn sieben Infizierte bei etwa 2100 Einwohnern, das macht rund 3,3 Promille.

Aussagekräftiger ist die Langfristperspektive, weil sich da im Lauf der Zeit größere Zahlen angesammelt haben.

Wo gab es die meisten Ansteckungen seit Pandemiebeginn im März 2020?

  • Waiblingen: 2008 Infektionen
  • Fellbach: 1716 Infektionen
  • Schorndorf: 1488 Infektionen
  • Backnang: 1222 Infektionen
  • Winnenden: 1045 Infektionen
  • Weinstadt: 812 Infektionen

Das sind zugleich die sechs größten Städte im Kreis. Kein Wunder, dass sie vorne liegen. Wählen wir also lieber wieder die weitaus interessantere prozentuale Betrachtung: Wo haben sich seit Beginn der Pandemie die meisten Leute infiziert?

  • Schorndorf: 3,8 Prozent der Einwohner
  • Fellbach: 3,8 Prozent
  • Weissach im Tal: 3,8 Prozent
  • Winnenden: 3,7 Prozent
  • Kernen: 3,7 Prozent
  • Waiblingen: 3,6 Prozent
  • Winterbach: 3,5 Prozent
  • Leutenbach: 3,5 Prozent
  • Korb: 3,5 Prozent
  • Schwaikheim: 3,4 Prozent

Hier wird ein glasklarer geografischer Schwerpunkt sichtbar: Die im Südwesten des Landkreises direkt beieinanderliegenden Kommunen Fellbach, Waiblingen, Kernen, Schwaikheim, Leutenbach, Winnenden und Korb bilden ein Hotspot-Gebiet, das sich remsaufwärts am Fluss entlang fortsetzt über Weinstadt (3,0 Prozent) und Remshalden (3,3 Prozent) nach Winterbach und Schorndorf. Nur Weissach im Tal passt nicht in dieses Bild.

Corona im Rems-Murr-Kreis: Oasen in der Langzeitbetrachtung

Wo sind die Inseln der Seligen? Die wenigsten Ansteckungsdiagnosen seit Pandemiebeginn verzeichnen ...

  • Kaisersbach: 2,0 Prozent der Einwohner
  • Berglen: 2,1 Prozent
  • Auenwald: 2,2 Prozent
  • Burgstetten: 2,3 Prozent
  • Althütte: 2,5 Prozent
  • Oppenweiler: 2,6 Prozent
  • Allmersbach: 2,6 Prozent

Alle diese Gemeinden gehören zu den elf kleinsten im Kreis. Ein eindeutiges geografisches Muster lässt sich zwar nicht erkennen, aber die Orte liegen doch größtenteils eher im ländlichen Zentrum des Kreises.

Der oben erwähnte Ausreißer Weissach im Tal erscheint nun sogar noch mysteriöser: Der infektiöse Ort ist förmlich umzingelt von gering belasteten Kommunen wie Auenwald und Allmersbach.

Fazit: In Corona-Zeiten lebt es sich auf dem Lande tendenziell sicherer als in der Stadt. Das Risiko, sich zu infizieren, ist in Kaisersbach nur etwas mehr als halb so groß wie in Schorndorf, Fellbach, Winnenden oder Waiblingen.

Es kommt darauf an, wo man wohnt ... Die Gefahr, sich mit Corona zu infizieren, ist durchaus nicht überall im Rems-Murr-Kreis gleich groß. Das offenbart sich sowohl aktuell (Stand 30. März 2021) als auch noch drastischer beim Blick aufs gesamte Covid-Jahr. Es gibt eine förmliche Zusammenballung von Hotspots – aber auch eine Insel der Seligen.

Zunächst die aktuelle Lage im Kreis: Die Inzidenz (Ansteckungen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen) liegt bei 146. Es steht zu

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper