Rems-Murr-Kreis

Corona im Rems-Murr-Kreis: Meldeverzug - Inzidenz-Angaben seit Wochen zu niedrig

Abstrich
Abstrich - Coronatest: Mit dem Auswerten und statistischen Erfassen kommen Labore und Gesundheitsämter derzeit nicht hinterher. © Benjamin Büttner

Ein klares Symptom für die Überlastung von Laboren und Gesundheitsämtern: Seit Wochen ist die tägliche Inzidenz-Meldung für den Rems-Murr-Kreis zunächst zu niedrig - sie muss regelmäßig nachträglich nach oben korrigiert werden, teils sehr deutlich. Am Samstag, 20. November, lagen wir zum Beispiel, wie sich mittlerweile herausgestellt hat, bereits bei einer Inzidenz von 474.

Woran klemmt es bei der Inzidenz?

Wenn ein PCR-Test gemacht wird, trägt er ein Datum. Im Idealfall wertet ihn das Labor noch am selben Tag aus – und wenn es sich um eine Positiv-Diagnose handelt, wird sie, ebenfalls im Idealfall, an eben diesem Tag auch in die Landkreis-Statistik eingepflegt. Auf diese Art erhielte man täglich ein präzises Lagebild vom Infektionsgeschehen.

Der Idealfall aber gilt nicht mehr: Seit Wochen hinken Erfassung und Auswertung der Infektionsdynamik hinterher. Ende Oktober war die Abweichung noch gering. Beispiel 20. Oktober: Das Landratsamt meldete gegen 16 Uhr eine Inzidenz von 157; mittlerweile wurde das auf 160 korrigiert. Fast kommt man sich wie ein Erbsenzähler vor, wenn man das moniert.

Für den gesamten November aber gilt: Kein einziger der zunächst gemeldeten Inzidenz-Tageswerte hatte auf Dauer Bestand. Vom 1. bis zum 11. November lag die Abweichung täglich zwischen 5 und 21 Punkten, vom 12. bis zum 21. November dann täglich zwischen 7 und 32 Punkten.

Die Inzidenz ist definiert als Zahl der Infektionsmeldungen binnen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner – der Rems-Murr-Kreis hat aber offiziell etwa 427.000 Einwohner. Was das mit Blick auf die Untererfassung heißt, lässt sich am Beispiel des 12. November veranschaulichen:

  • Offiziell lag laut Abendmeldung die Inzidenz bei 388. Umgerechnet auf 427.000 Einwohner entspräche das 1657 Infektionsfällen innerhalb einer Woche, also in der Zeit vom 6. bis zum 12. November.
  • Nachträglich wurde die Inzidenz aber auf 420 korrigiert. Tatsächlich gab es in der Woche vom 6. bis zum 12. November nämlich 1793 Infektionsmeldungen; 136 mehr als ursprünglich vermeldet.

Es wäre angesichts der enormen Belastung für Labore und Gesundheitsämter äußerst unfair, das zu einem Skandal hochzujazzen. De facto bedeutet es nichts anderes, als dass wir momentan bei der allabendlichen Bestandsaufnahme dem wahren Ansteckungsaufkommen eben um ein bis drei Tage hinterherhecheln. Und da derzeit keine Regelverschärfung an das Erreichen einer bestimmten Inzidenz-Höhe gekoppelt ist, ließe sich folgern: Je nun, was soll’s.

Aber der Fall zeigt eben, dass die Lage momentan nicht mehr kontrollierbar ist. Denn wenn schon die Erfassung an Grenzen stößt, ist die Überlastung bei der Nachverfolgung von Kontakten wohl noch krasser. Der Versuch, Infektionsketten schnell zu durchbrechen, hat sich momentan erledigt.

Wie hoch ist aktuell die Inzidenz?

Laut Meldung von Montag, 22. November, 16 Uhr, beträgt die Inzidenz im Rems-Murr-Kreis 455, liegt aber wohl höher. Denn die ursprünglich für den 19., 20. und 21. November angegebenen Werte von 436, 465 und 456 mussten allesamt nachträglich angehoben werden auf 466, 474 und 460.

Wie hoch ist die Hospitalisierungsrate?

Die landesweite Hospitalisierungsrate – Zahl der Menschen, die in Baden-Württemberg binnen sieben Tagen wegen Corona-Beschwerden stationär ins Krankenhaus eingeliefert wurden – lag am Montagabend, 22. November, bei 5,8. Auch hier ist von einem gewissen Meldeverzug auszugehen.

Falls die Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz in eine Landesverordnung gegossen sind, würde für weitere Regelverschärfungen wohl als neuer Grenzwert 6,0 definiert; momentan liegt er noch bei 12,0 und damit sinn- und nutzlos hoch.

Wie viele Intensivbetten sind belegt?

Am Montag, 22. November, waren in Baden-Württemberg 489 Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt. Am Sonntag waren es noch 457. Der Grenzwert für die aktuell geltende Alarmstufe beträgt 390. Eine weitere Schwelle für neue Regelverschärfungen ist momentan nicht definiert.

Wo liegen die Hotspots im Kreis?

Aufgrund einer Infektion aktuell in Isolation sind in ...

  • Oppenweiler 1,6 Prozent der Bevölkerung (67 Fälle),
  • Aspach (90 Fälle), Leutenbach (132 Fälle) und Winterbach (82 Fälle) je 1,1 Prozent der Bevölkerung,
  • Backnang (378 Fälle), Berglen (62 Fälle) und Rudersberg (117 Fälle) je 1,0 Prozent der Bevölkerung.

Am geringsten belastet ist momentan Spiegelberg mit 0,4 Prozent (9 Fälle). Kreisdurchschnitt: 0,8 Prozent (3360 Fälle).

Wie sind die Nachbarkreise betroffen?

Der Hotspot schlechthin in Baden-Württemberg ist der benachbarte Ostalbkreis. Am Montag, 22. November, betrug die Inzidenz im

  • Ostalbkreis 686
  • Landkreis Esslingen 510
  • Landkreis Göppingen 459
  • Landkreis Schwäbisch Hall 426
  • Landkreis Böblingen 379
  • Landkreis Ludwigsburg 352
  • Stadtkreis Stuttgart 322

Ein klares Symptom für die Überlastung von Laboren und Gesundheitsämtern: Seit Wochen ist die tägliche Inzidenz-Meldung für den Rems-Murr-Kreis zunächst zu niedrig - sie muss regelmäßig nachträglich nach oben korrigiert werden, teils sehr deutlich. Am Samstag, 20. November, lagen wir zum Beispiel, wie sich mittlerweile herausgestellt hat, bereits bei einer Inzidenz von 474.

Woran klemmt es bei der Inzidenz?

Wenn ein PCR-Test gemacht wird, trägt er ein Datum. Im

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper