Rems-Murr-Kreis

Corona im Rems-Murr-Kreis: Vergangene Woche gab es mit 142 eine Rekord-Inzidenz - wann bricht sich die Welle?

Corona Testzentrum
Corona-Testutensilien. © Benjamin Büttner

Wird die Inzidenz über 150 steigen? Wann greift der Lockdown-Effekt? Wie ist die Lage in unseren Kliniken? Welche Städte und Dörfer sind derzeit besonders stark betroffen?  Corona im Rems-Murr-Kreis: Antworten auf die wichtigsten aktuellen Fragen.

Corona, die aktuellen Infektionszahlen im Kreis: Wie sind sie zu deuten?

522 Neuinfektionen an den vergangenen sieben Tagen vom 27. Oktober bis zum 2. November vermeldete am Montagnachmittag das Landratsamt in Waiblingen. Die Inzidenz (Infektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen) liegt damit bei 122,5.

Wir weisen allerdings wie immer auf den üblichen Haken hin: Für den 2. November wurden bislang nur 23 Fälle eingepflegt – mit Nachmeldungen ist zu rechnen, was die Inzidenz im Rückblick erhöhen würde.

Ein wohl realistischeres Bild erhalten wir, wenn wir den Sieben-Tages-Zeitraum vom 26. November bis zum 1. November berechnen. Die verzerrend wenigen 23 Fallmeldungen vom 2. November fallen dann raus; dafür kommen die 108 Fälle vom 26. Oktober mit in die Bilanz. Macht von Montag bis Sonntag vergangener Woche 607 Neuinfektionen. Inzidenz: 142,5.

Corona - wie hat sich die Inzidenz seit Ende September entwickelt?

Die Infektionszahlen im Kreis sind mit verstörendem Tempo nach oben geschnellt.

  • Woche von Montag, 28. September, bis Sonntag, 4. Oktober: 56 Neuansteckungen. Inzidenz: 13,1.
  • 5. bis 11.10.: 146 Fälle. Inzidenz: 34,3.
  • 12. bis 18.10.: 257 Fälle. Inzidenz: 60,3.
  • 19. bis 25.10.: 365 Fälle. Inzidenz: 85,7.
  • 26.10. bis 1.11.: 607 Fälle. Inzidenz: 142,5.

Die Zahlen steigen also seit fünf Wochen rapide. Und noch ist vollkommen unklar, wann die Welle sich bricht.

Corona, zweite Welle: War das im Frühjahr während der ersten Welle genauso?

Damals war der Höhepunkt nach fünf Wochen bereits erreicht. Am 3. März vermeldete das Landratsamt die erste Infektion im Rems-Murr-Kreis – die seinerzeitige Höchstmarke wurde an den sieben Tagen zwischen dem 29. März und dem 4. April gemessen: 374 Fälle; Inzidenz 87,8. Danach sanken die Zahlen schon wieder spürbar.

In Wahrheit aber war der Wellengipfel vermutlich sogar früher erklommen. Denn im Frühjahr griff eine statistische Verzerrung: Von Woche zu Woche wurden die Testkapazitäten damals schwungvoll weiter ausgebaut, von Woche zu Woche wurde damit die Dunkelziffer geringer. Effekt: Die Kurve mit den amtlich diagnostizierten Fallzahlen stieg steiler und länger, als es dem realen Infektionsgeschehen entsprach.

Das gilt im Herbst nicht mehr: Die Testkapazitäten sind längst hochgefahren, der momentane Anstieg ist wirklich so schroff, wie er aussieht.

Corona und die Statistik-Tücken: Haben wir derzeit wirklich mehr Infektionen als Anfang April?

Ganz schwierige Frage. Wir können das nicht sicher sagen, denn uns fehlen die Testzahlen für den Rems-Murr-Kreis.

Man kann aber hilfsweise die bundesweiten Daten zurate ziehen: Anfang April waren in Deutschland pro Tag etwa 110 000 Tests möglich, derzeit sind es etwa 270 000. Die Testkapazität hat sich seither also etwa um den Multiplikationsfaktor 2,5 erhöht.

Vergangene Woche hatten wir, wie oben beschrieben, 559 diagnostizierte Neuinfektionen – diese Zahl ist aber nur etwa um den Multiplikationsfaktor 1,5 höher als die 374 aus der Frühjahrs-Rekordwoche.

Sehr spekulativ kann man demnach mutmaßen: Vielleicht haben wir momentan gar nicht mehr, womöglich gar weniger Infektionen als im Frühjahr. Noch.

Corona und die Notbremse: Wenn der Teil-Lockdown etwas bringt – wann merken wir dann was davon?

Erst steckt sich ein Mensch an, dann nimmt er Symptome wahr, danach wird er getestet – und schließlich erhält er sein Ergebnis: Darüber können locker zehn Tage vergehen. Sprich: Die derzeit eingehenden Diagnosen spiegeln das Infektionsgeschehen vor mindestens einer Woche. Im Umkehrschluss bedeutet das: Der Lockdown-Effekt kann sich diese Woche noch nicht in den Zahlen zu spiegeln beginnen. Wir brauchen also etwas Geduld.

Corona im Rems-Murr-Kreis - welche Kommunen sind derzeit besonders stark betroffen?

Ganz klar die im Südwesten des Landkreises. Blick auf die dort direkt beieinanderliegenden acht Gemeinden: In Waiblingen befinden sich 95 Menschen wegen einer akuten Infektion in Isolation, in Fellbach 69, in Kernen 56, in Weinstadt 30, in Korb 25, in Winnenden 24, in Leutenbach 17, in Schwaikheim 16.

Weitere Hotspots: Schorndorf (45 Fälle), Backnang (36).

In Spiegelberg, Großerlach und Kaisersbach ist derzeit jeweils nur eine einzige infizierte Person in Absonderung.

Corona und die medizinische Vesorgung: Wie ist die aktuelle Lage in den Rems-Murr-Kliniken?

Weiterhin im grünen Bereich. 27 Corona-Patienten befinden sich in stationärer Behandlung, fünf von ihnen müssen beatmet werden – die Kliniken können im Notfall bis zu 90 Beatmungsplätze einrichten.

Eine Erklärung dafür, dass sich die schweren Krankheitsverläufe derzeit nicht häufen, gibt es auch: Von den 559 Menschen, die sich momentan im Rems-Murr-Kreis wegen einer akuten Infektion in Isolation befinden, gehören nur 79 der besonders gefährdeten Altersgruppe Ü 60 an.

Seit Beginn der Corona-Krise sind im Rems-Murr-Kreis 101 Menschen nach Infektion verstorben – 99 während der ersten Welle, zwei im Herbst.

Und was hat das Schorndorfer Kulturhaus Manufaktur mit Friedrich Merz zu tun?

Eine bemerkenswerte Botschaft kommt derweil aus der Schorndorfer Manufaktur – in einer Pressemitteilung heißt es: „Zu den vielen Unterschieden zwischen Friedrich Merz und uns gehört, dass wir uns nicht durchgängig für das Zentrum der Welt halten.“ Und deshalb komme man jetzt auch nicht auf die Idee, den Teil-Lockdown, der ja auch Kultur-Einrichtungen betrifft, für eine „Verschwörung des Establishments gegen unsereins“ zu halten, „um kritisches Denken und nice Musik zu unterbinden“.

Die Manu fügt sich also in ihr konzertloses Geschick. „Frustrierend ist die Lage allerdings – wir können guten Gewissens sagen, dass unser Abstands- und Hygienekonzept funktioniert hat und weiterhin funktioniert. Es gibt überhaupt keine Hinweise darauf, dass sich hier irgendwer angesteckt hätte. Unserer Beobachtung nach sind die Manufaktur-Besucher/-innen auch sehr vorsichtig.“ Die Manu sei „ein Beispiel für die Fähigkeit zur Selbstorganisation. Gewissermaßen die utopische Schnittmenge von FDP und autonomer Bewegung“.

Den Manu-Leuten ist es ferner „extrem wichtig“, auf Folgendes hinzuweisen: Es gelte nicht nur, „die Unternehmen und Vereine“ aufzufangen, sondern auch „die unabhängigen Künstler/-innen und diejenigen, die ihre Arbeit möglich machen“. In naher Zukunft seien Lockerungen auch wieder für „die Kultur“ nötig – „für die Wirtschaft geht das ja auch, anscheinend.“

Wird die Inzidenz über 150 steigen? Wann greift der Lockdown-Effekt? Wie ist die Lage in unseren Kliniken? Welche Städte und Dörfer sind derzeit besonders stark betroffen?  Corona im Rems-Murr-Kreis: Antworten auf die wichtigsten aktuellen Fragen.

Corona, die aktuellen Infektionszahlen im Kreis: Wie sind sie zu deuten?

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