Rems-Murr-Kreis

Corona im Rems-Murr-Kreis: Vier Gründe, warum die Lage heikel bleibt - und wohl noch bedrückender wird

Abstrich
Abstrich: Coronatest. © Benjamin Büttner

Die Corona-Lage im Rems-Murr-Kreis ist und bleibt heikel. Es gibt mehrere Indikatoren, an denen sich ablesen lässt, wohin die Entwicklung geht – und egal, unter welchem Blickwinkel man die Tendenz betrachtet: Sie ist ungut.

Erster Indikator - das Offensichtliche: Die derzeitigen Infektionszahlen sind viel zu hoch

In den 14 Tagen vom 8. bis zum 21. Dezember wurden im Rems-Murr-Kreis rund 1900 Neu-Infektionen gemeldet, also im Schnitt etwa 135 pro Tag. Das sind dreimal so viele wie in der absoluten Gipfelphase der ersten Welle im Frühjahr, als in den zwei Wochen vom 27. März bis zum 9. April 634 Positivdiagosen aufliefen. Und die Tatsache, dass es damals pro Woche viel weniger Tests gab als heute, kann nicht mehr trösten – denn seinerzeit erbrachten bundesweit etwa neun Prozent der Tests eine Infektionsdiagnose, mittlerweile sind es an die zwölf.

Zweiter Indikator - das Beklemmende: Die Zahlen sind schon viel zu lange derart hoch

Bittere Erkenntnis: Der bremsende Effekt des Teil-Lockdowns, der am 2. November in Kraft trat, ist längst komplett verpufft und aufgezehrt. Nachdem die Inzidenz – Neu-Infektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen – vom 1. Oktober (Inzidenz 15) bis zum 12. November (Inzidenz 191) steil gestiegen war, begann der Teil-Lockdown rund zehn Tage nach seinem Beginn zwar tatsächlich die Inzidenz zu drücken; bis auf 148 am 1. Dezember. Danach aber strebte die Kurve wieder empor, passierte um den 8. Dezember die 200er-Marke und züngelt seither mit geringfügigem Auf und Ab recht kontinuierlich um etwa 220.

Man kann da nicht mehr von einem „Gipfel“ der zweiten Welle reden – es ist eine Hochebene. Und wir müssen davon ausgehen, dass die Verschärfung der Corona-Regeln vom 16. Dezember ebenfalls zehn Tage braucht, bis sie anschlägt.

Dritter Indikator - das Besorgniserregende: Die Todesfallzahlen steigen mit Verzögerung

Zunächst eine statistische Aufschlüsselung für den Rems-Murr-Kreis:

  • März: 9 Todesfälle nach Infektion.
  • April: 62 Todesfälle nach Infektion.
  • Mai: 19 Todesfälle nach Infektion.
  • Juni: 3 Todesfälle nach Infektion.
  • Juli: 3 Todesfälle nach Infektion.
  • August: 1 Todesfall nach Infektion.
  • September: 1 Todesfall nach Infektion.
  • Oktober: 5 Todesfälle nach Infektion.
  • November: 32 Todesfälle nach Infektion.
  • 1. bis 21. Dezember: 45 Todesfälle nach Infektion.

Der Virologe Christian Drosten hat die Pandemie einmal als „Explosion in Zeitlupe“ bezeichnet – und so schräg das Sprachbild angesichts der steilen Infektionskurven zunächst klingt: Es trifft einen wahren Kern.

Denn die Todesfälle häufen sich immer erst Wochen nach dem Aufgischten einer Infektionswelle; so war es im Frühjahr, als das ganze Ausmaß der Gefahr sich erst im Lauf des April offenbarte – und so, das steht zu befürchten, dürfte es auch im Winter sein: Jetzt stehen wir auf dem Infektions-Hochplateau; das wird Folgen haben.

Vierter Indikator - das Unausweichliche: Die Lage in unseren Kliniken ist angespannt

19 besonders schwer erkrankte Covid-Patienten werden aktuell in den Rems-Murr-Kliniken intensivmedizinisch behandelt, zehn von ihnen müssen invasiv beatmet werden. So weit die nackten Zahlen.

Dazu erreichen uns mittlerweile auch anonyme Nachrichten aus den Krankenhäusern in Schorndorf und Winnenden, die Anlass zur Sorge geben. Wie belastbar solche einzelnen Wasserstandsmeldungen aus der Belegschaft sind, lässt sich schwer beurteilen. Jedenfalls heißt es da: „Spätestens in den nächsten ein bis zwei Wochen“ könnten viele Kliniken, vielleicht auch die im Rems-Murr-Kreis, „in einen medizinischen Notstand rutschen“.

Die medizinische Erfahrung lehre nämlich, dass Corona-Beatmungstherapien sehr langwierig sind und sich oft über Wochen, manchmal über Monate hinziehen. Damit bleiben viele Intensivbetten für lange Zeit belegt – und falls nun in großer Masse neue Hilfsbedürftige kommen, wird es absehbar eng.

Sicher, die Rems-Murr-Kliniken sind gut aufgestellt – und im Februar oder März könnte die neue Infektionsstation mit 72 weiteren Betten in Winnenden fertig werden, die derzeit gebaut wird. Aber es liegt auf der Hand, dass die nächsten Wochen schwierig werden. Das ärztliche und pflegerische Personal auf den Corona-Stationen im Rems-Murr-Kreis ist nicht nur physisch stark gefordert, muss zum Beispiel mit unbequemen Arbeitsbedingungen – Stichwort Schutzkleidung – zurechtkommen. Hinzu kommt die seelische Belastung, das Gefühl der Hilflosigkeit, wenn Patienten trotz äußerst aufwendiger Behandlungsmaßnahmen nicht zu retten sind.

Die Corona-Lage im Rems-Murr-Kreis ist und bleibt heikel. Es gibt mehrere Indikatoren, an denen sich ablesen lässt, wohin die Entwicklung geht – und egal, unter welchem Blickwinkel man die Tendenz betrachtet: Sie ist ungut.

Erster Indikator - das Offensichtliche: Die derzeitigen Infektionszahlen sind viel zu hoch

In den 14 Tagen vom 8. bis zum 21. Dezember wurden im Rems-Murr-Kreis rund 1900 Neu-Infektionen gemeldet, also im Schnitt etwa 135 pro Tag. Das sind

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