Rems-Murr-Kreis

Corona im Rems-Murr-Kreis: Was taugen die neuen Regeln für den Herbst?

keine Maskenpflicht
Wie ist das jetzt im Herbst mit der Maske? Ein Aufreger? Oder Sturm im Wasserglas? © Alexandra Palmizi

Kommt die vierte Impfung durch die Hintertür? Moment! Die neuen Corona-Regeln für den Herbst sind ... gut. Die Kritik daran: allenfalls in Details nachvollziehbar. Was bedeuten sie für den Rems-Murr-Kreis? Und worauf müssen wir uns ab Oktober in Sachen Infektions- und Erkrankungsrisiko einstellen? Antworten auf die derzeit wichtigsten Fragen im Überblick.

Corona im Rems-Murr-Kreis: Wie ist die aktuelle Lage?

Bevor wir uns dem Herbst zuwenden, eine sommerliche Bestandsaufnahme: Die Infektionswelle, die Anfang Juni hochzugischten begann und Mitte Juli ihren Gipfel erreichte, ist im Rems-Murr-Kreis klar abgeklungen. Wenn wir jeweils Sieben-Tages-Zeiträume von Freitag bis Donnerstag betrachten, ergibt sich an Rems und Murr folgendes:

  • 15. bis 21. Juli; 4338 Positivdiagnosen
  • 22. bis 28. Juli: 3629 (-16,4 Prozent im Vergleich zur Vorwoche)
  • 29. Juli bis 4. August: 2584 (-28,8 Prozent im Vergleich zur Vorwoche)
  • 5. bis 11. August: 1498 (-42,0 Prozent im Vergleich zur Vorwoche)

In diesem Zeitraum ist zwar auch die Zahl der bundesweiten PCR-Tests deutlich gesunken (gesonderte Kreis-Daten liegen uns dazu nicht vor), was mutmaßlich zu einer steigenden Dunkelziffer führt. Aber der Rückgang der Positivdiagnosen ist damit nicht erschöpfend erklärbar. Während Mitte Juli nur 45 Prozent aller PCR-Tests „negativ“ anzeigten, waren es Anfang August bereits 55 Prozent. Selbst, wenn die Zahl der PCR-Tests also gleich geblieben wäre, würde die Infektionskurve nach unten weisen; wenngleich weniger steil.

Corona, nächste Welle: Kommt im Herbst echt ein Anstieg?

Früher galt die eherne Regel: Wenn es warm wird und die Leute mehr Zeit draußen verbringen, sacken die Infektionszahlen ab. Diesen Sommer ist das nicht passiert. Darf man daraus folgern, dass auch die Regel des im Herbst zuverlässig zu erwartenden Anstiegs außer Kraft gesetzt ist? Hat sich die Unterstellung einer jahreszeitlichen Konjunkturschwankung schlicht überholt?

Nein. Denn die Sommerwelle 2022 lässt sich ja sehr simpel erklären: Wir ließen die Maske – ein hochwirksames Schutzmittel – Maske sein, erlegten uns kaum mehr Einschränkungen auf, das Virus konnte munter kursieren. Vertretbar war das: Schließlich gab es trotz sehr hoher Ansteckungsintensität wenige schwere Verläufe.

Im Herbst wird das Virus bessere natürliche Ausbreitungsbedingungen finden – wenn wir dann weiterhin nichts dagegen unternehmen, könnte es zu kaum mehr beherrschbaren Inzidenzen kommen. Selbst ein prozentual geringer Anteil symptomatischer oder gar schwerer Verläufe ergäbe bei exorbitantem Infektionsgeschehen eine absolut zu hohe Zahl. Krankheitsausfälle könnten zu Verwerfungen führen, vom ÖPNV bis zur Pflege.

Was wurde eigentlich aus der Killervariante?

Die derzeit international am intensivsten diskutierte Variante, der man eine steile Karriere zutraut, ist BA.2.75 – die 75. Subsubvariante der zweiten Subvariante der Omikron-Variante. Die vorläufige, allerdings noch magere Datenlage weist darauf hin, dass BA.2.75 „typisch Omikron“ ist: sehr ansteckend, aber nicht sehr gefährlich.

Eine Killervariante ist derzeit nicht in Sicht. Sogar Karl Lauterbach hat unlängst dezent abgewiegelt: Eine sowohl hochansteckende als auch hochaggressive Variante sei zwar „leider vorstellbar“ – er habe aber nie gesagt, dass sie „definitiv kommt“.

Corona im Herbst: Sind die neuen Regeln gut dosiert?

Tendenz: Ja. Maskenpflicht soll ab dem 1. Oktober bundesweit im Flug-, Zug-, Busverkehr gelten sowie in Krankenhäusern und Pflegeheimen, wo noch eine Testnachweispflicht obenauf kommt (zu den Ausnahmen später mehr). So werden besonders Gefährdete geschützt, die „vulnerablen Gruppen“; und dass der ÖPNV ein Virenverschiebebahnhof ist, bedarf keiner Erklärung.

Nur, falls sich die Lage im Herbst in der einen oder anderen Gegend drastisch zuspitzen sollte, können die einzelnen Bundesländer zusätzlich eine Maskenpflicht in Innenräumen anordnen, zum Beispiel in der Gastronomie. Und in größter Not käme auch noch Maskenpflicht in der Schule ab Klasse fünf infrage. Aber: keine Schulschließungen, kein Lockdown. Das ist der Plan.

Er klingt weder nach Sorglosigkeit noch nach Sicherheitswahn.

Kommt die vierte Impfung durch die Hintertür?

Empörung ausgelöst hat ein Regelungsdetail für den Herbst: Eine Befreiung von der Maskenpflicht – sowohl im ÖPNV und in Krankenhäusern und Pflegeheimen als auch gegebenenfalls in der Gastronomie – soll es für frisch Geimpfte geben. Das komme einer Einführung der vierten Impfung durch die Hintertür gleich, hieß es, und so werde auch Druck auf bislang Ungeimpfte aufgebaut, sich endlich doch noch piksen zu lassen.

Diese Deutung erscheint überzogen. Die Befreiungsregel ist allerdings tatsächlich symbolpolitisch unglücklich; und dürfte obendrein zu organisatorischen Quälereien führen. In Bus und Bahn kontrollieren, wer von den Mitreisenden wann geimpft wurde oder auch nicht? Ein elender Zusatzaufwand. Auch für die Gastronomie wäre das ein, Pardon, Mist – wenngleich die Branche mittlerweile gestählt ist im Bewältigen bürokratischer Belastungen.

Viel einfacher wäre es, auf Ausnahmen einfach zu verzichten. Aber die Bundesregierung glaubt offenbar, das sei frisch Geimpften nicht zuzumuten.

Man kann über Sinn und Unsinn der Regel wirklich streiten. Aber ernsthaft: Das soll ein riesengroßer Aufreger sein?

Corona-Regeln: Was ist und bleibt ein Ärgernis?

Viel fragwürdiger als der Maskenausnahmen-Hickhack ist und bleibt die einrichtungsbezogene Impfpflicht.

Bislang haben Landratsamt und Gesundheitsamt im Rems-Murr-Kreis weder Bußgelder verhängt noch Betretungsverbote ausgesprochen – aber über kurz oder lang werden sie womöglich nicht dran vorbeikommen, sofern die Regel nicht von höherer Stelle ausgesetzt wird. Das wäre zu wünschen. Denn die Pflegeheime haben 2022 gezeigt, dass sie die Lage im Griff haben; und gebraucht werden angesichts des Personalmangels alle.

Stattdessen aber vertieft sich die Unsicherheit immer weiter. Stand heute gilt die einrichtungsbezogene Impfpflicht nur bis zum 31. Dezember: Wird sie verlängert? Oder endgültig ad acta gelegt? Dazu ist noch nichts bekannt. Kein Hü. Kein Hott.

Ausschließlich der Medizin- und Pflegebranche diese Pflicht aufzuladen, obwohl dort so penibel wie wohl nirgends sonst auf Hygiene geachtet wird und die Impfquote sowieso viel höher ist, als im Rest der Gesellschaft: Das ist und bleibt ein Ärgernis. (Mehr dazu auch hier.)

Kommt die vierte Impfung durch die Hintertür? Moment! Die neuen Corona-Regeln für den Herbst sind ... gut. Die Kritik daran: allenfalls in Details nachvollziehbar. Was bedeuten sie für den Rems-Murr-Kreis? Und worauf müssen wir uns ab Oktober in Sachen Infektions- und Erkrankungsrisiko einstellen? Antworten auf die derzeit wichtigsten Fragen im Überblick.

Corona im Rems-Murr-Kreis: Wie ist die aktuelle Lage?

Bevor wir uns dem Herbst zuwenden, eine sommerliche

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