Rems-Murr-Kreis

Corona-Impfungen durch Arztpraxen: Pilotprojekt startet an diesem Mittwoch (10. März) auch im Rems-Murr-Kreis

Impftruck
Der Kreis der Impfberechtigten hat sich erweitert, zum Beispiel auf alle über 69-Jährigen. © ALEXANDRA PALMIZI

Im zweiten Quartal, also ab April, soll sich die Impfstoffverfügbarkeit auch in Baden-Württemberg deutlich verbessern. Um sich darauf einzustellen und die Impf-Infrastruktur nach und nach in die Fläche aufrollen zu können, ist diese Woche ein Pilotprojekt gestartet: Corona-Schutzimpfungen in ausgewählten Arztpraxen. Im Rems-Murr-Kreis beginnt eine Praxis in Oppenweiler an diesem Mittwoch (10.3.) mit Impfungen vor Ort. Es ist die Praxis des Kreis-Pandemiebeauftragten Dr. Jens A. Steinat.

"Eine nötige Priorisierung ist schmerzhaft und undankbar", sagt Dr. Steinat, „insbesondere für uns Ärzte, die unsere Patienten bestmöglichst geschützt sehen möchten. Wir gehen entsprechend der Impfverordnung vor: Primär berücksichtigen wir Personen über 80 Jahren. Im Weiteren beachten wir auch Personen über 70 Jahren mit schweren Vorerkrankungen. Ein Schwerpunkt liegt auch auf Patienten, die Hausbesuche benötigen, da diese Patientengruppe bisher kaum einen Zugang zu Impfungen hatte.“  

„Der Impfstoff dafür kommt vom Kreisimpfzentrum: Es handelt sich also leider nicht um zusätzliche Impftermine“, ergänzt Juliane Jastram von der Pressestelle des Landratsamtes. Geimpft werde vorerst mit Biontech. Es gehe um 54 wöchentliche Impftermine vor Ort.

Die Praxisorganisation sei kurzfristig angepasst worden. Geimpft werde an drei Tagen pro Woche. „Da wir in Oppenweiler zwei Arztpraxen haben und uns seit Jahren gegenseitig im Urlaub kollegial vertreten, haben wir dementsprechend auch Patienten der ganzen Gemeinde miteinbezogen. Wir haben natürlich auch einige Anfragen unserer Patienten und prüfen diese dementsprechend gemäß den Impfvorgaben. Prinzipiell gehen wir aktiv auf die Patienten zu und geben die notwendigen Aufklärungsbögen für einen reibungslosen Ablauf schon im Vorfeld ab“, sagt Steinat.

Alle Patienten, die auf Grund der beschränkten Anzahl der Impfstoffe in der Testphase nicht geimpft können, bittet Dr. Steinat „noch um etwas Geduld.“ Im April werde es deutlich höhere Impfstofflieferungen geben. „Die Impfungen können dann voraussichtlich in einer großen Anzahl an Arztpraxen durchgeführt werden.“

Bestimmte 65- bis 80-Jährige sind ab jetzt auch impfberechtigt

Am Donnerstag soll die Empfehlung der Ständigen Impfkommission, Astrazeneca auch für über 64-Jährige zuzulassen, in der Bundesimpfverordnung Niederschlag finden. Dies hat Baden-Württemberg zum Anlass genommen, bereits am Dienstag (9.3.) auch Personen zwischen 65 und 80 in den Kreis der Impfberechtigten aufzunehmen, nämlich:

  • alle Menschen ab 65, die nach §3 der Verordnung impfberechtigt sind (beispielsweise Lehrer, Vorerkrankte, medizinisches Personal, Menschen mit geistigen Behinderungen) sowie
  • alle über 69-Jährigen (ab 70).

„Menschen aus der zweiten Priorität von 16 bis 18 Jahren können vor diesem Hintergrund nun mit Biontech geimpft werden, dem einzigen Impfstoff, der bereits ab 16 Jahren zugelassen ist“, teilt das Landes-Sozialministerium mit. „Eine Zuteilung von Impfstoffen nach der Altersgruppe erfolgt damit zukünftig nur noch für Menschen von 16 bis 18 Jahren, alle anderen können einen Termin buchen, sofern Termine verfügbar sind, unabhängig vom Impfstoff. Eine Wahlfreiheit beim Impfstoff besteht nicht“, so das Ministerium.

Durch die erweiterte Zulassung des Astrazeneca-Impfstoffs sind in Baden-Württemberg insgesamt nun rund 1,7 Millionen Menschen zusätzlich impfberechtigt. Das die Impfstoff-Verfügbarkeit insgesamt aber voraussichtlich erst im zweiten Quartal deutlich besser werde, sei weiterhin Geduld gefragt, so das Ministerium.

Aber: Termine im Kreisimpfzentrum bis Ende März schon längst vergeben

„Wenn Astrazeneca auch für Ältere zugelassen ist, verimpfen wir diesen natürlich dementsprechend. Im Kreisimpfzentrum in Waiblingen sind allerdings für die nächsten 20 Tage die Termine schon komplett ausgebucht“, sagt Martina Keck, Pressesprecherin des Landratsamtes.

Die Ständige Impfkommission hatte erst am 4. März von ihrer Empfehlung, Astrazeneca nur für unter 65-Jährige Abstand genommen. Dies in den Augen vieler Beobachter, verspätet. Denn anderswo, zum Beispiel in Großbritannien, wurde Astrazeneca von Anfang an auch Älteren geimpft – mit sehr guten Ergebnisse, wie aktuelle Studien belegen. Umso größer ist die Verwunderung und Zerknirschtheit, dass die Bundesregierung erst eine Woche später mit der Anpassung der Impfverordnung reagiert. Möglicherweise haben aber auch andere Bundesländer die Empfehlung der Stiko früher umgesetzt als Baden-Württemberg. So schrieb zum Beispiel eine Winnenderin zum Beispiel dieser Redaktion:

„Meine Mutter, 83 Jahre, lebt in München, wurde am Samstag vom Impfzentrum angerufen und durfte heute, am Montag den 8.3.2021, zur Astrazeneca-Impfung kommen. Meine Schwiegermutter wartet immer noch auf ihren Impftermin. Baden-Württembergische Senioren dürfen, anders als die bayrischen, den Astrazeneca-Impfstoff noch nicht bekommen. Angeblich weil der Bund seine Arbeit noch nicht gemacht hat und die Impfverordnung noch nicht geändert habe. Ja wieso ist das dann in Bayern sofort möglich gewesen?“ Die Impfverordnung nenne keinen Impfstoff, sondern beziehe sich ausdrücklich nur auf die Empfehlung der Ständigen Impfkommission, so die Winnenderin.

Pascal Murmann, Sprecher des Landes-Sozialministeriums widerspricht: Die derzeit noch gültige Fassung der Impfverordnung vom 8. Februar nenne zwar keine Impfstoffnamen, aber enthalte in §2, Absatz 2, explizit Festlegungen auf gemäß der Stiko-Empfehlungen vorrangig mit bestimmten Impfstoffen zu impfenden Altersgruppen. Die sich bis Donnerstag ändernde Passage in der Verordnung lautet(e):

„Sofern Impfstoffe von der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut ausschließlich für Personen, die das 18. Lebensjahr vollendet und das 65. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, empfohlen werden, sollen diese Personen vorrangig mit diesen Impfstoffen versorgt werden. Sofern für Personen, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben oder das 65. Lebensjahr vollendet haben, von der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut nur bestimmte Impfstoffe empfohlen werden, sollen diese Personen bei der Versorgung mit diesen Impfstoffen vorrangig berücksichtigt werden.“

Die Verantwortung für die verspätete Zulassung von Astrazeneca auch für Ältere liegt allein bei der Stiko, sagt der FDP-Landtagsabgeordnete Jochen Haußmann aus Kernen. Die Europäische Arzneimittelagentur jedenfalls hatte kein Höchstalter für den Impfstoff festgelegt, betont Haußmann.

Im zweiten Quartal, also ab April, soll sich die Impfstoffverfügbarkeit auch in Baden-Württemberg deutlich verbessern. Um sich darauf einzustellen und die Impf-Infrastruktur nach und nach in die Fläche aufrollen zu können, ist diese Woche ein Pilotprojekt gestartet: Corona-Schutzimpfungen in ausgewählten Arztpraxen. Im Rems-Murr-Kreis beginnt eine Praxis in Oppenweiler an diesem Mittwoch (10.3.) mit Impfungen vor Ort. Es ist die Praxis des Kreis-Pandemiebeauftragten Dr. Jens A.

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