Rems-Murr-Kreis

Corona, Inzidenz 71: Lage im Rems-Murr-Kreis bleibt verblüffend stabil - fast im gesamten Umland sieht es hingegen düster aus

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Corona-Test. © Benjamin Büttner

Der Rems-Murr-Kreis gehört zu einer seltenen Art: Er ist im gesamten Großraum Stuttgart und in der weiteren Nachbarschaft einer von zwei Landkreisen, in denen das Corona-Infektionsgeschehen vergleichsweise noch kontrollierbar erscheint. Auch der Vergleich mit der landes- und der bundesweiten Situation offenbart: Die Lage an Rems und Murr ist nachgerade rätselhaft gut.  

Corona: Chaos in Schwäbisch Hall, Drama im Hohenlohe-Kreis

Die Inzidenz – Neuansteckungen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen – liegt im Rems-Murr-Kreis aktuell (Stand Montag, 22. März) bei 71. In der Umgegend steht nur der Landkreis Böblingen noch etwas besser da. Die folgenden Zahlenreihen geben jeweils die Inzidenz am 5., am 15. und am 22. März an:

  • Landkreis Schwäbisch Hall: 142 - 218 - 306
  • Hohenlohe-Kreis: 768 - 106 - 192
  • Landkreis Göppingen: 47 - 116 - 130
  • Ostalbkreis: 34 - 68 - 114
  • Landkreis Esslingen: 64 - 108 - 112
  • Landkreis Heilbronn: 52 - 61 - 105
  • Landkreis Ludwigsburg: 51 - 62 - 98
  • Stadtkreis Stuttgart: 61 - 72 - 82
  • Rems-Murr-Kreis: 47 - 49 - 71
  • Landkreis Böblingen: 32 - 51 - 59

Corona im Rems-Murr-Kreis: Fast eine Insel der Seligen

Besonders auffällig im Rems-Murr-Kreis: Während die Zahlen andernorts in teilweise eskalativem Tempo wachsen, blieb die Inzidenz bei uns wochenlang bis zum 15. März (49) stabil, stieg dann zwar bis zum 19. März recht steil auf 70, stagniert seither aber wieder und scheint absolut nicht in einem ungehemmten Aufwärtstrend.

Der Rems-Murr-Kreis steht damit auch quer sowohl zum Landes- als auch zum Bundestrend, wie drei weitere Zahlenreihen veranschaulichen, die ebenfalls die Inzidenz am 5., am 15. und am 22. März angeben:

  • Baden-Württemberg: 56 - 76 - 103
  • Deutschland: 65 - 83 - 107
  • Thüringen (das derzeit am stärksten belastete Bundesland): 129 - 168 - 210

So zeigt sich: Noch am 5. März entsprach die Lage im Rems-Murr-Kreis ungefähr der baden-württembergischen Situation. Seither aber gehen die Entwicklungen krass auseinander.

Warum ist die Inzidenz so niedrig? Eine Spekulation

Eine schlüssige Erklärung, warum der Rems-Murr-Kreis so eindeutig unterdurchschnittlich betroffen ist, gibt es nach wie vor nicht. Eine spekulative Deutung des Phänomens: Möglicherweise funktioniert im Rems-Murr-Kreis, wenn eine Ansteckung diagnostiziert wird, das System der Kontaktnachverfolgung besonders gut; es kommt zu schnellen Quarantäne-Anordnungen und im Idealfall zur Durchbrechung der Infektionskette. Schon vor vielen Monaten hat das Kreisgesundheitsamt dabei auf die Mithilfe der Städte und Gemeinden gesetzt – diese Kooperation zwischen verschiedenen Verwaltungseinheiten scheint sich nun zu bewähren.

So interpretierten neulich auch die Rems-Murr-Kreisräte bei einer Ausschuss-Sitzung im Waiblinger Bürgerzentrum die Lage. „Wir haben bisher ziemlich viel ziemlich richtig gemacht“ sagte Andreas Hesky, Freie Wähler. „Herzlichen Dank für Ihr wahnsinniges Engagement, das Sie an den Tag legen“, lobte Christine Besa, Grüne, die Kreisverwaltung, der bei der Koordination des Teamworks eine Schlüsselrolle zukommt. „Wir haben“, mutmaßte Ulrich Lenk, FDP, „besser zusammengearbeitet“ als andere – und werden nun mit „Freiheiten“ belohnt, „die es woanders nicht gibt“.

Aber um der Wahrheit die Ehre zu geben: Beweisen lässt sich diese Hypothese derzeit nicht.

Im Lauf des März sind bislang im Rems-Murr-Kreis sechs Menschen nach Corona-Infektion verstorben; die Zahl der Todesfälle seit Beginn der Pandemie im März 2020 hat sich damit auf 309 erhöht.

Der Rems-Murr-Kreis gehört zu einer seltenen Art: Er ist im gesamten Großraum Stuttgart und in der weiteren Nachbarschaft einer von zwei Landkreisen, in denen das Corona-Infektionsgeschehen vergleichsweise noch kontrollierbar erscheint. Auch der Vergleich mit der landes- und der bundesweiten Situation offenbart: Die Lage an Rems und Murr ist nachgerade rätselhaft gut.  

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Die Inzidenz – Neuansteckungen pro 100 000

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