Rems-Murr-Kreis

Corona-Konzept der Rems-Murr-Kliniken: Check-in wie am Flughafen

Klinikum
Ob Patienten oder Besucher: Vor dem Einlass in die Rems-Murr-Kliniken gibt’s künftig einen Gesundheitscheck. © Alexandra Palmizi

Durch Glaswände akkurat voneinander getrennte Gänge, Schalter-Häuschen, Markierungen, Hinweismonitore, unauffälliges, aber präsentes Security-Personal: Mit gewaltigem Aufwand haben die Rems-Murr-Kliniken die Häuser in Winnenden und Schorndorf so coronasicher wie möglich gemacht. Von Mittwoch, 1. Juli, an sind Besuche von Patienten wieder möglich, und der reguläre Klinikbetrieb wird schrittweise wieder aufgenommen.

Beim Pressetermin in Winnenden ist das Konzept vorgestellt worden. Wer den Eingangsbereich betritt, fühlt sich unwillkürlich an den letzten Flug-Urlaub erinnert. Der erste Eindruck: Wände, Glasscheiben – alles wirkt durchdacht solide und eben nicht wie ein günstig zusammengestoppeltes Provisorium, bereit, rasch beseitigt zu werden, wenn die Corona-Gefahr vorüber ist.

Landrat Sigel: "Corona wird uns noch ein bis anderthalb Jahre begleiten"

Dass ein Messebauer mit den Arbeiten betraut wurde, zeigt: Es sollten keine halben Sachen gemacht werden. Mit Recht. „Corona wird uns sicherlich noch ein bis anderthalb Jahre begleiten“, sagt Landrat Dr. Richard Sigel, Aufsichtsratsvorsitzender der Rems-Murr-Kliniken.

Monatelang, seit Beginn der Pandemie, konzentrierten sich die Kliniken auf die Behandlung von Corona-Patienten. Aufgeschoben wurden deshalb jene Operationen und Behandlungen, die nicht wirklich dringlich waren. Dazu gehören etwa Hüft-OPs.

Doch von diesem Mittwoch an wird der Betrieb langsam wieder hochgefahren, auch Besucher sind laut der neuen Verordnung der Landesregierung in eingeschränktem Rahmen wieder erlaubt. Darauf galt es sich vorzubereiten.

Geschäftsführer Nickel: Sechs Wochen hat allein die Planung gedauert

Wann macht Ihr wieder auf? Wann endet der Besucherstopp? Kritische Rückfragen wie diese habe es schon seit längerer Zeit gegeben, sagt Sigel. Doch ein Konzept zu erstellen, das möglichst hohe Sicherheit gewährleistet, dauert eben.  „Es ist unglaublich schwierig, die Vorgaben umzusetzen“, sagt Geschäftsführer Dr. Marc Nickel. Sechs Wochen habe allein die Planung gedauert. Denn mit der Umgestaltung des Eingangsbereichs war es nicht getan.

So vieles musste beachtet werden: größere Sitzabstände in Wartebereichen, infektionsminimierende Abläufe auf den Stationen, Plakate mit Hygienevorschriften, mehr Putzdienste. Aber auch vermeintliche Kleinigkeiten wie Bodenmarkierungen, um für ausreichende Trennung der Menschen in den Raucherzonen zu sorgen.

Sogar die IT-Technik musste an die veränderten Abläufe angepasst werden. Und die Beatmungsplätze wurden, auch im Hinblick auf eine mögliche zweite Erkrankungswelle, von 32 auf 92 erhöht.

Mehrere Schlangen für Patienten und Besucher

Im „Vorfluter“ genannten Eingangsbereich, mit Monitoren ausgeschildert, gibt es mehrere Schlangen für die Wartenden: für geplante ambulante oder operative und stationäre Behandlungen, für Notfälle wie Beinbrüche und Entbindungen, für die Sprechstunde und Besucher.

Das Personal betritt die Kliniken jeweils durch einen völlig separaten Eingang, um Kontakte im Eingangsbereich zu vermeiden. Der Schutz der Beschäftigen spielt laut Julia-Maria Müller, Leiterin der Unternehmensentwicklung, eine eminent wichtige Rolle: „Eine Klinik ist nur so leistungsfähig wie die Mitarbeiter.“

Jeder Patient, der zu einer geplanten Behandlung in die Klinik kommt, wird drei bis fünf Tage vorher auf Corona getestet. Die Beschäftigten müssen basierend auf der Richtlinie des Robert-Koch-Instituts täglich eine Selbstauskunft ausfüllen. Fühlen sie sich wohl oder haben sie Beschwerden, vielleicht sogar Krankheitssymptome? Auf jeden Einzelfall kann reagiert werden.

Auf den Stationen coronabedingte Trennung der Patienten

Knifflig ist die Sache dagegen bei Notfall-Patienten. In der Regel liegt kein Testergebnis vor. Deshalb gilt es, besonders vorsichtig zu sein. Tests, die Kapazitäten sind ausgebaut worden, können vor Ort unter Vermeidung des Kontakts zu anderen Patienten in eigens geschaffenen Räumen erfolgen.

Auf den Stationen werden Patienten klar getrennt. Es gibt Zimmer für solche mit negativem Testergebnis, für solche ohne vorliegenden Test und für Corona-Fälle. Für das Personal gelten jeweils besondere Vorschriften.

Vom 1. Juli an sind auch wieder Besuche erlaubt. Jeder Patient darf zwei Personen benennen. Pro Tag darf aber zwischen 14 und 19 Uhr nur einer in die Klinik kommen, und das nur für höchstens eine Stunde.

Es gebe aber auch Härtefallregelungen, sagt Geschäftsführer Marc Nickel. Wenn es beispielsweise um einen Patienten in kritischem Zustand gehe, seien dank der in den Kliniken vorhandenen Schutzkleidung auch mehr Besucher möglich.

Die zweite Kontrollstation sieht wie ein Zollhäuschen aus

Normalerweise läuft der Check-in aber so ab: An der Information, schon im Eingangsbereich herrscht Maskenpflicht, wird der Personalausweis gezeigt. Dann müssen – wie bei Gaststättenbesuchen – die persönlichen Daten und die Uhrzeit des Eintreffens per Hand auf einem Vordruck eingetragen werden. Die zweite und letzte Station sieht wie ein Zollhäuschen aus. Dort findet ein persönlicher Gesundheitscheck statt.

Nach der Frage, ob ein Corona-Testergebnis vorliegt, werden Krankheitssymptome abgearbeitet: Hat der Besucher Halsschmerzen, Gliederschmerzen oder den Geschmackssinn verloren? Selbst, wenn er sich insgesamt wohlfühlt, wird mit einem Gerät an der Stirn Fieber gemessen. Liegt der Wert bei über 37,5 Grad, ist die Temperatur erhöht. „Dann kommt der Besucher nicht rein“, stellt Elke Hartung, sie leitet das zentrale Belegungsmanagement, klar.

Das klingt hart. Doch von Mittwoch an, es herrscht noch nicht einmal Volllast, werden täglich weit über 1000 Menschen, Patienten und Besucher, durch die Eingangsschleuse kommen. Die kleinste Nachsichtigkeit könnte sich rächen.

Hundertprozentige Sicherheit gibt es freilich nie, sagt Nickel. Doch die Rems-Murr-Kliniken, so seine Botschaft, haben alles dafür getan, dem Optimum möglichst nahe zu kommen.

Durch Glaswände akkurat voneinander getrennte Gänge, Schalter-Häuschen, Markierungen, Hinweismonitore, unauffälliges, aber präsentes Security-Personal: Mit gewaltigem Aufwand haben die Rems-Murr-Kliniken die Häuser in Winnenden und Schorndorf so coronasicher wie möglich gemacht. Von Mittwoch, 1. Juli, an sind Besuche von Patienten wieder möglich, und der reguläre Klinikbetrieb wird schrittweise wieder aufgenommen.

Beim Pressetermin in Winnenden ist das Konzept vorgestellt worden. Wer

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