Rems-Murr-Kreis

Corona-Lage am 18.11.: 439 Intensivbetten belegt, Inzidenz-Schock im Ostalbkreis

Intensvitropf
Symbolfoto. © Adobestock/Kirsten Oborny

Landesweit sind 439 Intensivbetten belegt, der benachbarte Ostalbkreis muss eine doppelte Inzidenz-Hiobsbotschaft verkraften, und das Warnsystem der Landesregierung wirkt immer fragwürdiger: alles Wichtige zur Corona-Lage am 18. November im Überblick.

439 Intensivbetten in Baden-Württemberg mit Covid-Patienten belegt: Wer diese Information korrekt einordnen möchte, muss sich einen wichtigen Mechanismus klarmachen: Es handelt sich um eine Beschreibung des Ist-Zustandes, der aktuellen Situation. Wer darüber hinaus wissen will, wie die Entwicklung künftig weitergehen wird, muss eine andere Kennzahl ins Auge fassen: die Inzidenz; Neuansteckungen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen.

Inzidenz und Intensivbetten

Faustregel: Hohe Infektionszahlen von heute münzen sich erst mit einem Zeitverzug von etwa zwei Wochen in schwere Krankheitsverläufe und Intensivfälle um. Die Inzidenz ist also ein Frühwarnsystem, quasi die Glaskugel, in der wir sehen, wohin die Reise geht.

Vor drei Wochen, am 28. Oktober, lag die baden-württembergische Inzidenz bei 171, vor zwei Wochen, am 4. November, dann bei 193. Dieses vergangene Infektionsgeschehen prägt die aktuelle Lage in den Kliniken.

Seit dem 10. November aber liegt die landesweite Inzidenz bei über 300 und näherte sich am 17. November gar der 400er-Marke (398). Wir haben derzeit also etwa doppelt so viele Infektionen wie Ende Oktober, Anfang November – aus diesem Reservoir an Infizierten wird sich das Geschehen auf den Intensivstationen Ende November, Anfang Dezember speisen. Die Zahl der belegten Intensivbetten wird weiter steigen.

Immer deutlicher wird: Dass Baden-Württemberg sich mit seinen Gegenmaßnahmen – dem Auslösen der Warn-, dann der Alarmstufe – an der erst spät in besorgniserregende Bereiche hochschnellenden Intensivbettenbelegung orientiert hat und nicht an der früh ausschlagenden Inzidenz, war ein Fehler.

Warum unsere Warn-Werte fragwürdig sind

In Baden-Württemberg befindet sich die Inzidenz bereits seit Mitte Oktober im Steilflug – vom 15. auf den 30. verdoppelte sie sich ungefähr, von 93 auf 188. Die Warnstufe griff aber erst am 3. November. Denn es galt ja die Regel: Erst, wenn zwei Werktage hintereinander 250 oder mehr Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt sind, greift am dritten Tag die Warnstufe.

An jenem 3. November aber waren dann schon 296 Intensivbetten belegt, weil der Anstiegsschwung schon unaufhaltsam Fahrt aufgenommen hatte. Wir hinkten mit unseren Maßnahmen also der Entwicklung heftig hinterdrein.

Dasselbe wiederholte sich bei der Alarmstufe: Sie trat am Mittwoch, 17. November, in Kraft, als de facto mit 444 belegten Intensivbetten die maßgebliche Schwelle von 390 auch bereits wieder pulverisiert (und die landesweite Inzidenz auf 398 hochgeschossen) war.

Unser Alarmsensorium, das sich an der Intensivbettenlage orientiert, ist also zu träge. Nachgerade ein Witz aber ist ein anderer Parameter, den das Land im September festgelegt hat: Die Warnstufe, hieß es damals, solle auch ausgelöst werden, wenn landesweit binnen sieben Tagen 8 Menschen pro 100.000 Einwohner mit Covid-Beschwerden ins Krankenhaus müssen (Alarmstufe: 12). Dieser Wert ist vollkommen nutzlos. Denn wenn es nach ihm ginge, hätten wir noch heute nicht einmal die Warnstufe. Momentan liegt die Hospitalisierungsinzidenz nämlich erst bei 4,7.

Ostalbkreis: In zwei Tagen von Inzidenz 424 auf 630

Das Infektionsgeschehen beruhigt sich derzeit nicht, sondern nimmt eher noch Fahrt auf. Eine Hiobsbotschaft vermeldete am Mittwoch, 17. November, der benachbarte Ostalbkreis: An einem einzigen Tag wurden dort 541 neue Ansteckungen verzeichnet, die Inzidenz raste damit von 424 auf 551 hoch. Am Donnerstag, 18. November, folgte der nächste Hammer: 514 neue Fälle und damit erneut drastischer Anstieg der Inzidenz auf 630. Zum Vergleich: Im Rems-Murr-Kreis lag die Inzidenz am Donnerstag, 18. November, bei 439.

All das ist aber noch nicht die ganze Wahrheit. Denn derzeit zeigt sich ein Phänomen, das bereits aus früheren Wellen bekannt ist: Die Gesundheitsämter kommen allerorten mit dem Auswerten der aus den Laboren gemeldeten und mit einem Diagnosedatum versehenen Befunde nicht mehr nach; deshalb werden viele Infektionen erst nachträglich in die Statistik eingepflegt – und die Inzidenzangabe für den betroffenen Tag muss nachträglich nachjustiert werden.

Krasses Beispiel aus dem Rems-Murr-Kreis: Am Abend des 12. November meldete das Landesgesundheitsamt für unseren Kreis eine Inzidenz von 388; mittlerweile wurde der Wert korrigiert auf 420.

Das bedeutet: Die Rems-Murr-Angabe 444 für den 17. November dürfte auch nicht das letzte Wort sein.

Landesweit sind 439 Intensivbetten belegt, der benachbarte Ostalbkreis muss eine doppelte Inzidenz-Hiobsbotschaft verkraften, und das Warnsystem der Landesregierung wirkt immer fragwürdiger: alles Wichtige zur Corona-Lage am 18. November im Überblick.

439 Intensivbetten in Baden-Württemberg mit Covid-Patienten belegt: Wer diese Information korrekt einordnen möchte, muss sich einen wichtigen Mechanismus klarmachen: Es handelt sich um eine Beschreibung des Ist-Zustandes, der aktuellen

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