Rems-Murr-Kreis

Corona-Lage im Rems-Murr-Kreis: Was kommt kurz- und langfristig auf uns zu?

Altenheim
Äußerst wenige Impfungen, ziemlich wenige PCR-Tests, das ist momentan die Lage. Grund zur Sorge? Eher nicht. © ALEXANDRA PALMIZI

Äh, hallo – wie ist eigentlich die Corona-Infektionslage im Rems-Murr-Kreis? Die Zeiten, da viele Leute täglich gebannt auf die aktuellen Ansteckungszahlen starrten, sind vorbei. Aber wie werden sich die nächsten Wochen entwickeln? Und was bringt der Herbst? Eine Analyse nebst - zugegeben etwas kühner - Prognose (Stand: 10. Juni 2022) ...

Haben wir derzeit viele Infektionen?

1184 diagnostizierte Neuansteckungen im Rems-Murr-Kreis in den vergangenen sieben Tagen: Ach süß, das ist ja putzig wenig – ist man geneigt zu sagen; schließlich hatten wir im Februar und März oft 7000 bis 8000 Infektionen pro Woche.

Dabei übertrifft die aktuelle Zahl alles, was jemals zwischen März 2020 und Ende Oktober 2021 pro Woche auflief. Gemessen an den ersten 20 Pandemie-Monaten befinden wir uns derzeit voll auf Rekordniveau.

Und doch kommen uns die momentanen Werte rührend vor; weil die Omikron-Welle Anfang des Jahres und bis ins Frühjahr hinein unsere Wahrnehmung, was als hohe und was als niedrige Zahl zu gelten hat, radikal verändert hat. Man muss sich das mal klar machen: Knapp 143 000 Infektionen sind seit Beginn der Pandemie im Rems-Murr-Kreis gemeldet worden – rund 102 000 von ihnen liefen in den fünfeinhalb Monaten des Jahres 2022 auf!

Bahnt sich grade eine Sommerwelle an?

Bundesweit sieht es ein bisschen nach zunehmender Infektionsdynamik aus – die Rems-Murr-Zahlen lassen keinen Trend erkennen. Neuinfektionen pro sieben Tage:

  • 4. bis 10. Juni: 1184
  • 28. Mai bis 3. Juni: 1233
  • 21. bis 28. Mai: 1004
  • 14. bis 20. Mai: 1392

Die Daten sind obendrein förmlich umzingelt von Unsicherheiten. Feiertage und Pfingstferien könnten zu Untererfassungen führen. Vor allem aber lassen sich viele Leute schlicht nicht mehr testen.

Wie viele PCR-Tests gibt es derzeit?

Spannendes Thema. Ein aufschlussreicher Vergleich:

  • Ende 2020, auf dem Gipfel der zweiten Welle, gab es in Deutschland rund 1,5 Millionen PCR-Tests pro Woche; wovon bis zu 15 Prozent positiv ausfielen.
  • Im Januar und Februar 2022 waren es phasenweise 2 bis 2,5 Millionen PCR-Tests pro Woche; und in manchen Wochen war mehr als die Hälfte positiv.
  • Mittlerweile sind wir noch bei grade mal etwa einer halben Million PCR-Tests pro Woche, aber einer immer noch hohen Positivquote von etwa 30 Prozent.

Die Dunkelziffer der unerkannten oder zumindest nicht offiziell diagnostizierten Ansteckungen ist derzeit vermutlich so hoch wie noch nie im Verlauf der Pandemie.

Hohe Dunkelziffer – ist das schlimm?

Nein. Denn die reine Zahl der Ansteckungen ist schon lange kein sehr aussagekräftiges Kriterium mehr, um den Ernst der Lage zu beurteilen. In einer gut durchgeimpften Gesellschaft ist eine vergleichsweise eher harmlose Variante wie Omikron eben schlicht kein fundamentales Problem.

Um die Entwicklung zu veranschaulichen, noch ein Vergleich:

  • 186 Todesfälle nach Ansteckung gab es während der zweiten Welle in den drei Monaten von Anfang November 2020 bis Ende Januar 2021.
  • In den vergangenen drei Monaten hingegen von Mitte März bis Mitte Juni 2022 gab es nur 54 Todesfälle – trotz viel intensiverem Infektionsgeschehen.

In den Rems-Murr-Kliniken muss momentan kein einziger Covid-Kranker auf der Intensivstation versorgt werden (das sah schon mal ganz anders aus). Und in ganz Baden-Württemberg sind derzeit nur noch 68 Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt – auf den Gipfeln früherer Wellen waren es jeweils mehr als 600.

Was wurde aus der Impfquote?

Bundesweit sind mittlerweile 77,5 Prozent der Menschen in Deutschland doppelt geimpft, vor drei Monaten waren es 77,1 Prozent. Da tut sich grade fast nichts mehr.

In den vergangenen sieben Tagen entschieden sich bundesweit noch etwa 6000 Menschen, die sich bislang enthalten hatten, doch noch für eine Erstimpfung. Das ist quasi gar nichts.

Beim Booster waren es zuletzt etwa 40.000 pro Woche; auch nicht viel. Aber immerhin sind etwa 60 Prozent der Bundesbevölkerung drittgeimpft.

Am meisten bewegt sich bei der Viertimpfung: deutlich über 100.000 Kunden in den vergangen sieben Tagen. Die Quote liegt jetzt bundesweit bei rund 8 Prozent.

Was bringt der Herbst?

Die deutsche Impfquote ist eigentlich mittlerweile ganz gut (zumal wir wohl auch noch von einer Untererfassung ausgehen können) – auch in der am stärksten gefährdeten Altersgruppe Ü60: 91 Prozent doppelt geimpft, 80 Prozent geboostert, 19 Prozent doppelt geboostert. Wenn wir nun noch all die vielen Menschen hinzuzählen, die bereits eine oder gar mehrere Infektionen durchlaufen haben und dabei genesen sind; und wenn wir ferner bedenken, dass die Impfquote ja vermutlich noch etwas steigen wird; dann müsste schon eine sehr derbe, eine sowohl besonders ansteckende als auch besonders gesundheitsgefährdende Virusvariante kommen, um uns im Herbst wirklich noch einmal tief in die Krise stürzen zu können.

Jede Prognose ist eine Anmaßung, wir erlauben’s uns trotzdem: Der Herbst wird auch ohne drastische Maßnahmen wie Impfpflicht oder Lockdown beherrschbar.

Äh, hallo – wie ist eigentlich die Corona-Infektionslage im Rems-Murr-Kreis? Die Zeiten, da viele Leute täglich gebannt auf die aktuellen Ansteckungszahlen starrten, sind vorbei. Aber wie werden sich die nächsten Wochen entwickeln? Und was bringt der Herbst? Eine Analyse nebst - zugegeben etwas kühner - Prognose (Stand: 10. Juni 2022) ...

Haben wir derzeit viele Infektionen?

1184 diagnostizierte Neuansteckungen im Rems-Murr-Kreis in den vergangenen sieben Tagen:

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