Rems-Murr-Kreis

Corona Rems-Murr, 24.11.: 517 Intensivbetten belegt, Hotspot-Inzidenz 500 nahe

Intensivnovember
Die Belastung für die Intensivstationen steigt weiter. © Adobestock/aechit

Die Inzidenz ist hoch, aber noch gilt der Rems-Murr-Kreis nicht als Hotspot-Region – es mag uns schlechtgehen, aber im Vergleich zu manch anderen stehen wir gut da. Corona, 24. November: alle wichtigen Kennzahlen zur Lagebeurteilung, dazu verblüffende Blicke über den Tellerrand.

Grenzwerte – blicken Sie noch durch?

Die Kennzahlen und Grenzwerte sind seit Beginn der Pandemie so oft geändert worden, dass man echt den Überblick verlieren kann. Deshalb zunächst alles, was derzeit gilt, im Schnelldurchlauf ...

Laut der neuen Corona-Verordnung sind für Regelveränderungen derzeit drei Kriterien von Belang:

  • Erstens: die Zahl der landesweit mit Covid-Patienten belegten Intensivbetten. Warnstufe: 250. Alarmstufe: 390. Alarmstufe II: 450.
  • Zweitens: die Hospitalisierungsrate (Zahl der landesweit binnen sieben Tagen in Kliniken eingewiesenen Covid-Patienten pro 100.000 Einwohner). Warnstufe: 1,5. Alarmstufe: 3. Alarmstufe II: 6.
  • Drittens: Dazu spielt neuerdings auch wieder die zwischenzeitlich mehr oder weniger ignorierte landkreisweite Inzidenz (Zahl der Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche) eine Rolle – sinnvollerweise!
    Dass die Inzidenz phasenweise von vielen Leuten als mehr oder weniger irrelevant geschmäht wurde, war Unsinn. Denn kein anderer Indikator zeigt kommende Entwicklungen so früh und sensibel an. Der Anstieg bei Intensivbettenbelegung und Hospitalisierungsrate folgt dann mit Verzögerung; aber unausweichlich.
    Laut der neuen Verordnung gilt: Ein Landkreis, der an zwei Tagen in Folge über Inzidenz 500 liegt, gilt als Hotspot. Für Einzelhandel und Märkte gilt dann 2G; Leute, die weder geimpft noch genesen sind, dürfen zwischen 21 und 5 Uhr die Wohnung nur noch aus triftigen Gründen verlassen.

So weit die definierten Werte – gleichen wir die Lage daran ab.

Belegte Intensivbetten

Mittlerweile sind in Baden-Württemberg 517 Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt (Stand 24. November), die Alarmstufe-II-Grenze (450) ist pulverisiert. Wir sind auch vom Höchstwert während der zweiten Welle (640 belegte Intensivbetten Ende Dezember 2020) nicht mehr weit entfernt; er dürfte, wenn die derzeitige Entwicklung sich so fortsetzt, spätestens Anfang Dezember erreicht sein. Denn der Aufwärtsschwung ist derzeit enorm - noch am 12. November, vor elf Tagen also, waren erst 352 baden-württembergische Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt.

Es gibt obendrein einen gefährlichen Unterschied zu damals: Ende Dezember 2020 standen landesweit regulär mehr als 2400 Intensivbetten (und eine Notfallreserve von mehr als 1300) zur Verfügung – heute sind aufgrund wachsender Pflegepersonalnot nur noch gut 2200 Intensivbetten regulär im Einsatz (und der Notfallpuffer ist unter 1200 gesunken).

Baden-Württemberg steht allerdings, was die Belastung der Intensivstationen betrifft, eindeutig nicht am stärksten gebeutelt da. In Bayern liegen derzeit 962 Covid-Patienten auf Intensiv – auf dem Gipfel der zweiten Welle waren es nur 912.

Die Lage in den Rems-Murr-Kliniken

Die Rems-Murr-Kliniken versorgen aktuell 53 Covid-Patienten, elf davon auf der Intensivstation; alle elf müssen beatmet werden.

Das ist viel, aber man muss es ganz deutlich sagen: Im Vergleich zu unserem sächsischen Partnerlandkreis ist unsere Lage harmlos.

Im Landkreis Meißen liegt die Inzidenz bereits seit dem 14. November durchweg über 1000 (und ging zwischenzeitlich bis auf über 1300 hoch) – das hat Folgen für die Elblandkliniken. Obwohl der Kreis Meißen nur gut 240.000 Einwohner zählt (etwa 187.000 weniger als der Rems-Murr-Kreis), liegen momentan 41 Covid-Patienten auf der Intensivstation (37 von ihnen übrigens ungeimpft) und 112 Corona-Kranke auf den Normalstationen (94 von ihnen ungeimpft).

Diese Not ist hausgemacht: Die Impfquote in Sachsen ist bundesweit einzigartig lausig – sie liegt momentan bei 57,8 Prozent.

Inzidenz

Sie betrug für den Rems-Murr-Kreis am 24. November 465.

Wir sind damit weiterhin unter der Hotspot-Schwelle 500 – und damit in Baden-Württemberg momentan eines der eher gering belasteten Gebiete. Denn nicht weniger als 23 der 44 baden-württembergischen Land- und Stadtkreise lagen am 24. November über 500, unter anderem unsere direkten Nachbarn Ostalbkreis (599) und Heilbronn (542). Am schlimmsten ist es derzeit im Bodenseekreis (748).

Alle Inzidenz-Angaben sind derzeit allerdings mit Vorsicht zu genießen, denn ...

Wir kämpfen mit Meldeverzug

Wir waren im Rems-Murr-Kreis schon ganz nahe an der 500er-Schwelle – laut nachträglich korrigierter Meldung betrug die Inzidenz im Rems-Murr-Kreis am Samstag, 20. November, 481.

Maßgeblich für etwaige Regelverschärfungen ist aber immer der tagesaktuelle Meldewert, den das Landesgesundheitsamt am Abend veröffentlicht; und demnach betrug die Inzidenz am Samstag zunächst nur 465.

Das Phänomen ist bereits seit Ende Oktober zu beobachten. Beispiel Dienstag, 23. November - Inzidenz laut Tagesmeldung: 458; Inzidenz, korrigiert: 477.

Grund für die Differenz: Weil Labore und Gesundheitsämter mit Auswertung und Erfassung der PCR-Tests nicht mehr hinterherkommen, werden die Inzidenzen regelmäßig im Nachhinein noch angehoben.

Wir müssen deshalb streng genommen zwischen zwei Inzidenz-Werten unterscheiden: dem tagesaktuellen, der herangezogen wird, wenn es darum geht, ob Maßnahmen ergriffen werden; und dem nachjustierten, der uns in der Rückschau das wahre Infektionsgeschehen offenbart.

Hospitalisierungsrate

Sie lag am 23. November mit 6,3 erstmals über dem Alarmstufe-II-Grenzwert von 6 und am 24. November mit 6,1 erneut drüber.

Bis vor kurzem hat das Land hier als Schwelle für die Warnstufe noch 8 und für die einfache Alarmstufe 12 definiert; ein Musterbeispiel für viel zu hoch bemessene und damit gefährlich nutzlose Werte.

Todesfälle

Seit Beginn der Pandemie sind im Rems-Murr-Kreis 406 Menschen nach Infektion verstorben, davon 89 allein im Dezember 2020, dem düstersten Monat nicht nur der zweiten Welle, sondern der gesamten Corona-Zeit. Noch sind wir derzeit von solch bedrückenden Zuständen zum Glück entfernt: Im Oktober 2021 starben 13 Covid-Kranke, im November bislang 21.

Die Inzidenz ist hoch, aber noch gilt der Rems-Murr-Kreis nicht als Hotspot-Region – es mag uns schlechtgehen, aber im Vergleich zu manch anderen stehen wir gut da. Corona, 24. November: alle wichtigen Kennzahlen zur Lagebeurteilung, dazu verblüffende Blicke über den Tellerrand.

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Die Kennzahlen und Grenzwerte sind seit Beginn der Pandemie so oft geändert worden, dass man echt den Überblick verlieren kann. Deshalb zunächst

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