Rems-Murr-Kreis

Corona Rems-Murr, 26.1.: Inzidenz über 1000, Wirrwarr um PCR-Tests

Labor Klinikum
PCR-Test-Auswertung im Winnender Klinik-Labor. © Benjamin Büttner

Wie geht es künftig weiter mit Schnell- und mit PCR-Tests? Welche Testsorte ist maßgeblich für den Genesenen-Status? Welche für die Entlassung aus der Quarantäne? Welche für die Inzidenz-Statistik? Der Bund hält sich noch bedeckt, das Land verweist auf den Bund – und der Kreis hat zwar genug PCR-Tests, weiß aber nicht, ob er sie künftig überhaupt noch verwenden darf ...

Schnell oder PCR? Die Ausgangslage

Eins ist sonnenklar: Schnelltests sind unzuverlässig, PCR-Tests sind zuverlässig. Dennoch bahnen sich Änderungen an: Schnelltests sollen wichtiger, PCR-Tests seltener werden. Die Fachminister von Bund und Ländern haben schon vor Tagen beschlossen, PCR-Tests künftig vor allem bei Menschen aus Corona-Risikogruppen und bei Beschäftigten in Medizin und Pflege einzusetzen; der Rest soll im Zweifel mit Schnelltests vorliebnehmen.

Dieser Plan gehorcht der Not; mit virologischer Logik hat er nichts zu tun. Das Problem ist schlicht, dass das elaborierte Diagnose-Niveau via PCR-Test sich angesichts der durch die Decke geknallten Infektionszahlen vielerorts schlicht und einfach nicht mehr durchhalten lässt; es fehlt an Test-Sets, es fehlt am auswertenden Personal.

Aber was hat das für Folgen?

Dieser oder jener Test? Die wichtigsten Fragen

Werden künftig fürs Freitesten aus der Isolation Schnelltests genügen? Höchstwahrscheinlich.

Worauf soll künftig die Inzidenz-Statistik fußen – nur auf PCR-gesicherten Positivdiagnosen oder auch auf provisorischen Ansteckungsbefunden via Schnelltest? Beide Varianten sind schlecht – die eine Lösung würde zur radikalen Untererfassung des Infektionsgeschehens führen, die andere würde aufgrund ihrer notorischen Unzuverlässigkeit die Inzidenz-Angabe nahezu unbrauchbar machen.

Und wer gilt künftig als genesen? Jeder, der eine überstandene Infektion via PCR-Beleg nachweisen kann? Oder reicht dafür künftig auch ein Schnelltest-Ergebnis?

Wir haben all diese Fragen an das Landessozialministerium geschickt. Antwort: „Vielen Dank für Ihre Anfrage. Der Ball liegt hier zuerst beim Bundesgesundheitsministerium.“ Team Lauterbach arbeite momentan daran, mehrere Verordnungen zu ändern. Das Land könne erst danach reagieren und seine eigenen Regelwerke dann entsprechend anpassen.

Kreis ist PCR-mäßig gut aufgestellt - aber was darf er künftig noch?

Derweil kommt aus dem Waiblinger Landratsamt eine Pressemitteilung mit der Überschrift: „Aktuell ausreichend PCR-Tests im Kreis vorhanden“!

Während andernorts also die Lager offenbar leer sind, haben wir hier noch genug – und wissen nur nicht, wie lange die Vorräte überhaupt noch eingesetzt werden dürfen.

Landrat Richard Sigel berichtet aus der jüngsten Sitzung des erweiterten Rems-Murr-Krisenstabs: „Mit unserem breiten Netzwerk an Testangeboten sind wir gut gerüstet für die Omikron-Wand. Vor allem die Zahl der PCR-Testzentren konnten wir zuletzt nochmals deutlich erhöhen. Stand jetzt können PCR-Tests regulär über unsere Homepage gebucht werden.“ Im Rems-Murr-Kreis sind die Test-Kapazitäten so groß, dass „wir in unserem eigenen PCR-Testzentrum mit Anbindung an das Klinik-Labor vorrangig PCR-Tests für Schulen, Kitas und die kritische Infrastruktur ohne Engpässe anbieten“ könnten ...

Nur: Wird dem Landkreis künftig überhaupt noch erlaubt sein, das Infektionsgeschehen in Schulen via PCR-Tests zuverlässig im Auge zu behalten? Denn Jugendliche gehören weder zur Risikogruppe noch zum medizinisch-pflegerischen Fachpersonal.

In der Pressemitteilung aus dem Kreishaus heißt es dazu lapidar: „Noch ist nicht bekannt, welche Regelungen Bund und Land zur Priorisierung der PCR-Tests treffen werden.“ Es könnte also durchaus bald heißen: Ihr habt zwar genug auf Lager, dürft es aber nicht verbraten. Ein Treppenwitz? Sicher. Nur hat man in dieser Pandemie schon allerhand Wunderliches erlebt.

Im erweiterten Krisenstab sei man sich jedenfalls einig gewesen, dass PCR-Tests „für die Bekämpfung der Omikron-Welle wichtig“ seien, betont der Landrat. Und „wenn das Land die Schulen offen lässt, dann sollte man gerade in diesem sensiblen Bereich PCR-Tests einsetzen können, um bei einem möglichen Ausbruch schnell Klarheit zu haben“.

Sollte es künftig indes vor allem auf Schnelltests ankommen, wäre der Rems-Murr-Kreis auch dafür gerüstet. Zwei Drittel der Schulen im Landkreis nutzen die App RMK-Cosima bereits für die Abwicklung. Überwachte Schnelltests könnten mit dieser App ein verlässliches Freitesten ohne Gang ins Testzentrum ermöglichen.

Man kann all das auch so zusammenfassen: Der Landkreis hat die Lage im Griff – falls er darf, wie er kann und will.

Inzidenz, Intensivbetten: Die Lage

Die Inzidenz im Rems-Murr-Kreis steigt und steigt derweil. Am 26. Januar lag sie auf 1076. Aber weiterhin schlägt sich das in den Rems-Murr-Kliniken nicht nieder; im Gegenteil: Die Belegungszahl mit Covid-Patienten ist am Mittwoch, 26. Januar, weiter gesunken – mittlerweile liegen nur noch 26 Corona-Kranke in Winnenden und Schorndorf, fünf von ihnen auf der Intensivstation.

Ähnlich sieht es landesweit aus: Stand 26. Januar sind nur noch 278 Intensivbetten in Baden-Württemberg mit Covid-Patienten belegt; das ist der niedrigste Wert seit Ende Oktober!

Dr. Torsten Ade, der Chefarzt der Notaufnahme der Rems-Murr-Kliniken, warnt allerdings: „Hohe Inzidenzwerte wirken sich immer erst zeitversetzt in den Krankenhäusern aus – ich denke, dass es noch ein oder sogar zwei Wochen dauern wird, bis wir endgültig wissen, wie sich die Omikron-Welle entwickelt.“

Eins aber wird immer wahrscheinlicher: Der Druck wird eher in den Arztpraxen, in den Notaufnahmen und auf der Normalstation steigen, weniger in der Intensivstation. Für mittelschwere Fälle aber sind die Rems-Murr-Kliniken dank der im Frühjahr 2021 eröffneten neuen Infektionsstation ausgezeichnet aufgestellt; und aktuell gibt es auch noch keine personellen Engpässe.

Wie geht es künftig weiter mit Schnell- und mit PCR-Tests? Welche Testsorte ist maßgeblich für den Genesenen-Status? Welche für die Entlassung aus der Quarantäne? Welche für die Inzidenz-Statistik? Der Bund hält sich noch bedeckt, das Land verweist auf den Bund – und der Kreis hat zwar genug PCR-Tests, weiß aber nicht, ob er sie künftig überhaupt noch verwenden darf ...

Schnell oder PCR? Die Ausgangslage

Eins ist sonnenklar: Schnelltests sind unzuverlässig, PCR-Tests sind

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