Rems-Murr-Kreis

Corona Rems-Murr am 19.11.: Hotspots, Hospitalisierungsrate, Inzidenz, Intensivbetten

Intensivstation
Reichen die Intensivbetten? Reicht das medizinische Personal? Der Dezember wird hart. © Adobestock/Sascha Kampka

Wie tief wir schon im Schlamassel stecken, was jetzt noch droht, wo im Rems-Murr-Kreis die Hotspots sind – und warum unser Warnsystem wie schon im Herbst 2020 erneut versagt hat: Corona im Rems-Murr-Kreis, das ist die Lage.

Es war eine Woche der zu späten Entscheidungen: Am Mittwoch trat in Baden-Württemberg die Alarmstufe in Kraft, am Donnerstag verständigte sich die Ministerpräsidentenkonferenz auf weitere Regeln, die demnächst auch in Land und Kreis umgesetzt werden. Was aber jetzt passiert, hätte längst geschehen müssen.

Infektionsgeschehen

Landesweit sind, Stand 19. November, 445 Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt. Zu viele. Aber dabei handelt es sich nur um eine Beschreibung der Gegenwart; wer wissen will, was die Zukunft bringt, muss auf das Ansteckungsgeschehen schauen. Denn hohe Infektionszahlen heute münzen sich erst etwa zwei Wochen später in schwere Krankheitsverläufe und Intensivfälle um.

Erster Blick auf die Infektionen im Rems-Murr-Kreis:

  • 23. bis 29. Oktober: 954 Fälle (Inzidenz pro 100.000 Einwohner: 223; zum Vergleich die landesweite Inzidenz zu diesem Zeitpunkt: 181).
  • 30. Oktober bis 5. November: 1161 Fälle (Inzidenz: 272; landesweit: 211).
  • Zusammengezählt: 2115 Infektionen im Kreis binnen zwei Wochen.

Dieses vergangene Infektionsgeschehen prägt die aktuelle Lage in den Kliniken.

Zweiter Blick auf die Infektionen im Rems-Murr-Kreis:

  • 6. bis 12. November: 1794 Fälle (Inzidenz: 420; landesweit: 353).
  • 13. bis 19. November: 1771 Fälle (Inzidenz: 437; landesweit: 414).
  • Zusammengezählt: 3565 Infektionen im Kreis binnen zwei Wochen.

Aus diesem Reservoir an Infizierten wird sich die Lage in den Intensivstationen Ende November, Anfang Dezember speisen. Schlimm genug. Aber eine weitere Tücke kommt hinzu: Da die Intensiv-Verweildauer vor allem bei jüngeren Leuten oft mehrere Wochen beträgt, satteln die neuen Fälle sich auf die alten. Die Zahl der belegten Intensivbetten wird weiter stramm steigen.

Wir haben, wie schon im Herbst 2020, erneut viel zu spät reagiert.

Hospitalisierungsrate

Das neue Maß für Regelverschärfungen soll nach dem Beschluss der MPK nun die Hospitalisierungsrate sein – Zahl der Menschen pro 100.000 Einwohner, die binnen sieben Tagen landesweit stationär ins Krankenhaus kommen mit Covid-Beschwerden (intensiv oder normal).

Bei einem Wert über 3 soll 2G weite Teile des öffentlichen Lebens prägen; bei einem Wert über 6 soll in manchen Bereichen, zum Beispiel beim Pflegeheimbesuch, gar 2Gplus gelten – auch Geimpfte und Genesene müssen sich dann testen lassen.

Eine Hospitalisierungsrate über 3 aber haben wir in Baden-Württemberg bereits seit dem 19. Oktober! Und am 18. November lag sie dann bereits knapp unter 6. Sprich: Sobald die Beschlüsse der MPK in eine Landesverordnung gegossen sind, werden wir wohl umgehend manchenorts auf 2Gplus switchen müssen.

Die Maßstäbe, die das Land fürs Auslösen der Warn- und Alarmstufe angelegt hat, waren falsch. Sie haben dazu geführt, dass wir der Entwicklung elend hinterdreinhinken. Denn es gab ja bisher zwei Kriterien:

  • Warnstufe bei 250 belegten Intensivbetten landesweit, Alarmstufe bei 390. Dieser Sensor sprach viel zu träge an. In Baden-Württemberg nahm das Infektionsgeschehen bereits Mitte Oktober drastisch Fahrt auf – unsere an der Intensivlage orientierte Reaktion kam aber erst am 3. November: Als zwei Werktage hintereinander mehr als 250 Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt waren, griff am dritten Tag die Warnstufe – doch da lagen dann schon 296 Leute auf der Intensivstation! Dasselbe wiederholte sich bei der Alarmstufe: Sie trat am Mittwoch, 17. November, in Kraft, als de facto mit 444 belegten Intensivbetten die Auslöseschwelle von 390 bereits wieder pulverisiert war.
  • Warnstufe bei einer Hospitalisierungsrate von 8, Alarmstufe bei 12. Ja, wirklich: Acht und zwölf. So war das gedacht ... Wer auch immer diese Grenzwerte ersonnen hat – sie entpuppen sich im Nachhinein als Treppenwitz: Wäre es nur nach ihnen gegangen, hätten wir noch heute nicht einmal die Warnstufe!

Hotspots

Die am stärksten betroffenen Orte im Rems-Murr-Kreis – aktuell aufgrund einer Infektion in Isolation sind in ...

  • Oppenweiler: 1,4 Prozent der Bevölkerung (59 Fälle)
  • Aspach: 1,2 Prozent (99 Fälle)
  • Berglen: 1,1 Prozent (68 Fälle)
  • Winterbach: 1,1 Prozent (83 Fälle)
  • Backnang, Leutenbach und Rudersberg: jeweils 1,0 Prozent

Die am wenigsten betroffenen Orte:

  • Spiegelberg: 0,3 Prozent (7 Fälle)
  • Kaisersbach: 0,4 Prozent (11 Fälle)
  • Althütte, Kirchberg, Remshalden, Sulzbach und Urbach: je 0,5 Prozent

Der Landkreis-Durchschnitt liegt bei rund 0,8 Prozent (3349 Fälle).

Impfquote

Die Rems-Murr-Impfquote steigt im Schneckentempo. Das Landesgesundheitsamt veröffentlicht die Zahlen einmal pro Woche, der aktuellste Wert stammt vom 14. November: 61,5 Prozent doppelt geimpft. Schon vor drei Monaten waren es 55 Prozent.

Todesfälle

Seit Pandemiebeginn sind im Kreis 403 Menschen nach Infektion verstorben; 18 von ihnen in den ersten 19 Novembertagen. Im Oktober (31 Tage) waren es nur 13.

Die Bilanz

Jetzt werden also wieder mal neue Regeln kommen, von der Impfpflicht fürs Pflegepersonal bis zu 2G überall in der Republik, die Erst-, Zweit- und Booster-Impfkampagne muss dringend Schwung aufnehmen, auch über den Sinn und Unsinn von Weihnachtsmärkten wird unbedingt und rasch zu diskutieren sein – eins aber steht unausweichlich fest: Der Dezember wird schlimm, mit überlasteten Kliniken und vielen Toten, wir sind längst zu spät dran, um das noch abzuwenden.

Jetzt entscheidet sich nur noch, ob der Januar noch schlimmer wird oder wenigstens ein bisschen Entlastung bringt, jetzt entscheidet sich nur noch, ob wir im Februar und März aus dem Drama herausfinden oder bis zum Frühling darin gefangen bleiben.

Wie tief wir schon im Schlamassel stecken, was jetzt noch droht, wo im Rems-Murr-Kreis die Hotspots sind – und warum unser Warnsystem wie schon im Herbst 2020 erneut versagt hat: Corona im Rems-Murr-Kreis, das ist die Lage.

Es war eine Woche der zu späten Entscheidungen: Am Mittwoch trat in Baden-Württemberg die Alarmstufe in Kraft, am Donnerstag verständigte sich die Ministerpräsidentenkonferenz auf weitere Regeln, die demnächst auch in Land und Kreis umgesetzt werden. Was aber jetzt

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