Rems-Murr-Kreis

Corona Rems-Murr: Die Delta-Gefahr – und fünf Gründe zur Zuversicht

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Mit welcher Wucht wird die Delta-Variante aus dem Vereinigten Königreich zu uns herüberschwappen? Wagen wir eine Prognose ... © pixabay

Wird die Delta-Gefahr überschätzt? Eine Einordnung der aktuellen Lage im Rems-Murr-Kreis – und eine Prognose, wo die Reise hingeht ...

Zunächst: Im Rems-Murr-Kreis geht die Delta-Variante noch nicht stark um. Nach dem ersten Fall in den Pfingstferien (es handelte sich um einen Reiserückkehrer aus Weinstadt) gab es bislang zwölf laborbestätigte Delta-Infektionen im Waiblinger Kinderhaus Mitte (wobei Nachtestungen darauf hinweisen, dass das Ansteckungsgeschehen zumindest innerhalb der Kita inzwischen weitestgehend eingedämmt zu sein scheint) und vier bestätigte Delta-Fälle in einer Familie im Raum Backnang.

Ohne irgendetwas verharmlosen oder kleinreden zu wollen – das medial derzeit vielbeschworene Delta-Risiko ist stark einordnungsbedürftig. Selbst im Vereinigten Königreich, wo die Variante bereits weitestgehend das Infektionsgeschehen bestimmt, ist die Lage zwar ernst, aber im Vergleich zur Alpha-Varianten-Welle im Herbst und Winter noch überschaubar.

Die Inzidenz – Neuansteckungen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen – ist im Königreich zwar seit Mitte Mai von um die 20 auf 115 gestiegen, aber das ist noch meilenweit vom Gipfel im Januar entfernt, als die Inzidenz über 600 schoss.

Delta im Vereinigten Königreich: Eine Nahaufnahme

Vor allem aber: Die Inzidenz allein kann nicht der Maßstab sein. Das düsterste, aber auch präziseste Maß zur Lagebeurteilung sind die Sterbefallzahlen – schauen wir uns also das Königreich noch genauer an.

  • Die von der Alpha-Variante des Virus befeuerte Welle im Königreich strebte ab Mitte September empor – und bereits gut drei Wochen später, um den 8. Oktober, wurden pro Tag etwa 17.000 neue Fälle verzeichnet. Um eben jenen 8. Oktober herum waren auch schon deutliche Folgen des aufgischtenden Infektionsgeschehens zu beklagen – nämlich etwa 60 Todesfälle pro Tag. Von da aus eskalierte die Lage weiter.
  • Die von der Delta-Variante des Virus getriebene aktuelle Welle im Königreich setzte um den 18. Mai ein – und erst am 24. Juni, also etwa fünf Wochen später, wurden rund 17.000 neue Fälle pro Tag verbucht. Das geht aber derzeit noch nicht mit einer deutlich steigenden Zahl von Todesfällen einher. Momentan werden etwa 15 pro Tag vermeldet.

Hohe Inzidenz, wenige Todesfälle: Die dritte Welle im Rems-Murr-Kreis

Die Delta-Welle verläuft im Vereinigten Königreich bislang also nicht nur flacher als die Alpha-Welle – man sieht auch deutlich, was geschieht, wenn ein Virus auf eine Gesellschaft trifft, in der die Anfälligsten, Ältesten, Gefährdetsten längst geimpft sind. Diesen Effekt konnte man auch im Rems-Murr-Kreis schon erfreulich deutlich beobachten:

  • Zweite Welle (anfangs noch niemand, später nur wenige Leute geimpft): In den zweieinhalb Monaten vom 15. November bis zum 31. Januar gab es 6748 Infektionsmeldungen und 172 Todesfälle nach Corona-Infektion.
  • Dritte Welle (die Menschen in den Altenheimen waren da schon weitestgehend durchgeimpft, auch sonst nahm die Impfkampagne langsam Fahrt auf): In den zweieinhalb Monaten vom 15. März bis zum 31. Mai gab es 6649 Infektionsmeldungen und 47 Todesfälle nach Corona-Infektion.

Sprich: Die Wellen ähneln sich, wenn man nur die Infektionszahlen betrachtet, zwar fast wie ein Ei dem anderen, sogar der Inzidenz-Gipfel war etwa gleich hoch (243 auf der Spitze der zweiten, 245 auf der Spitze der dritten Welle) – aber was die tödliche Wirkung betrifft, war Welle 2 fast viermal so schlimm wie Welle 3! Die Impfung ist ein Segen, die Zahlen belegen das schlagend.

Fünf Gründe, warum Delta hoffentlich nicht gar so stark zuschlägt

Momentan gehen etwa 15 bis 20 Prozent der deutschen Infektionen auf das Konto von Delta – wir müssen davon ausgehen, dass diese Variante auch hier irgendwann die Vorherrschaft übernehmen wird, und dann werden „die Fallzahlen wieder steigen“, hat Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), am Freitag gesagt. Das heißt aber nicht, dass die Lage eskalieren muss. Denn fünf große Vorteile sprechen momentan für uns:

  • Erstens: Die Inzidenz nähert sich im Rems-Murr-Kreis der 10er-Marke und liegt bundesweit bereits bei 6. Wenn es aber insgesamt wenige Ansteckungen gibt, lassen sich Kontakte gut nachverfolgen und Infektionsketten durchtrennen, bevor sie überhaupt eine nennenswerte Länge erreicht haben. Klingt banal, ist aber wichtig: Eine sehr niedrige Inzidenz ist ein guter Schutz gegen eine rasch steigende Inzidenz.
  • Zweitens: Vieles haben wir selber in der Hand. Das Landratsamt Rems-Murr-Kreis empfiehlt, weiterhin die AHA+L-Regeln zu beachten: Abstand, Hygiene, Atemschutzmasken (wo es in Innenräumen eng wird) und Lüften. „Dabei ist immer dann, wenn Menschen in geschlossenen Räumen zusammenkommen, das Lüften besonders wichtig. Wenn es keine ausreichende Lüftungsanlage gibt, dann muss alle 20 bis 30 Minuten stoßgelüftet werden.“ Wenn die Abstands- und Lüftungsregeln eingehalten werden, „führt das bei einem Infektionsfall mit einer Corona-Variante in der Regel nicht dazu, dass Beteiligte als enge Kontaktperson eingestuft werden und damit in Quarantäne müssen“. Lüften lohnt sich.
  • Drittens: Der Sommer spielt uns in die Karten. Es gibt mittlerweile viele Studien, die klar belegen, dass warme Temperaturen und die Möglichkeit, viel Zeit draußen zu verbringen, das Ansteckungsrisiko fulminant verringern.
  • Viertens: Die Impfkampagne macht gute Fortschritte. In Deutschland haben 52,9 Prozent der Einwohner immerhin ihre Erstimpfung, 34,1 Prozent sind auch schon zweitgeimpft. In Baden-Württemberg: 47,9 beziehungsweise 30,2 Prozent. Der Rems-Murr-Kreis hinkt zwar weiter hinterher – dennoch: Fast 200.000 der knapp 430.000 Einwohner haben ihre Erstimpfung; Quote: 45,2 Prozent. Fast 120.000 Leute sind bereits doppelt geimpft. Quote: 27,7 Prozent. Jetzt gilt fürs Impfen das alte Olli-Kahn-Motto: „Weiter, immer weiter!“
  • Fünftens: Das Kontaktnachverfolgungsmanagement im Rems-Murr-Kreis, bei dem Gesundheitsamt und kommunale Behörden eng zusammenarbeiten, funktioniert sehr gut, die Schnellteststruktur ist vorbildlich ausgebaut.

Fazit: Ja, wir müssen aufgrund der Delta-Variante vermutlich spätestens im Herbst mit einem spürbaren Anstieg der Inzidenz rechnen – aber es gibt Grund zur Hoffnung, dass die Welle nicht zu heftig hochschnellt, nicht so tödliche Folgen hat und die Politik nicht dazu zwingt, noch einmal den Lockdown-Hammer auszupacken.

Wird die Delta-Gefahr überschätzt? Eine Einordnung der aktuellen Lage im Rems-Murr-Kreis – und eine Prognose, wo die Reise hingeht ...

Zunächst: Im Rems-Murr-Kreis geht die Delta-Variante noch nicht stark um. Nach dem ersten Fall in den Pfingstferien (es handelte sich um einen Reiserückkehrer aus Weinstadt) gab es bislang zwölf laborbestätigte Delta-Infektionen im Waiblinger Kinderhaus Mitte (wobei Nachtestungen darauf hinweisen, dass das Ansteckungsgeschehen zumindest innerhalb der

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