Rems-Murr-Kreis

Corona Rems-Murr: Inzidenz 100 an Pfingsten? Zehn Gemeinden liegen schon drunter, andere derb drüber

Shoppen
Wie lange noch?! © ALEXANDRA PALMIZI

Die Frage, die derzeit (Stand 13. Mai) viele umtreibt: Ist der Rems-Murr-Kreis auf einem guten Weg Richtung Inzidenz 100? Diese Schwelle zu unterschreiten, ist von großer Bedeutung, weil dann viele Regel-Lockerungen in Kraft treten; unter anderem würde die Ausgangssperre aufgehoben. Aber passt die Richtung momentan? Die Kurzantwort lautet: jein. Was dafür, was dagegen spricht: der Überblick. 

Der Weg zur Inzidenz 100: Erstens, die Vogelperspektive

Betrachtet man die Entwicklung in einem größeren zeitlichen Maßstab, sieht es durchaus gut aus:

  • Noch am 25. April lag die Inzidenz – Neu-Infektionen binnen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner – bei desaströsen 245.
  • Eine Woche später, am 2. Mai, betrug die Inzidenz bereits nur noch 203.
  • Eine weitere Woche später, bis zum 9. Mai, war sie gar gefallen auf 155.

Würde man diese Zeitreihe so weiter in die Zukunft hochrechnen, müsste bis Sonntag, 16. Mai, eine Inzidenz von um die 110 erreicht und bis Pfingstsonntag, 23. Mai, die magische Marke stabil unterboten sein.

Leider sieht es danach momentan nicht unbedingt aus. Am 12. Mai, lag die Inzidenz immer noch bei 150 – zu erwarten gewesen wäre eigentlich ein Wert von maximal 140, eher um die 130.

Am 13. Mai ist die Inzidenz nun zwar tatsächlich auf 136 gefallen – dieser Wert allerdings dürfte nicht wirklich belastbar sein. Denn am Feiertag Christi Himmelfahrt arbeiten viele Labore nicht, die Übermittlung von Testbefunden stockt.

Insofern ist momentan ganz schwer einzuschätzen, ob die erfreuliche Abwärtstendenz seit dem 25. April sich in den nächsten Tagen fortsetzen wird oder ernsthaft ins Stocken gerät.

Der Weg zur Inzidenz 100: Zweitens, der Tag-für-Tag-Vergleich

Wer ein Gefühl für die momentane Situation gewinnen will, sollte nicht nur auf die Inzidenz-Fieberkurve blicken, sondern auch Wochentage miteinander vergleichen – den Montag mit dem Montag der Vorwoche, Dienstag mit Dienstag und so weiter. Das kommt heraus:

  • Am Donnerstag, 6. Mai, wurden 101 Neu-Infektionen gemeldet – und damit 69 weniger als am Donnerstag 29. April (170)
  • Freitag, 7. Mai: 102 Neu-Infektionen – 11 mehr als am Freitag, 30. April (91).
  • Samstag, 8. Mai: 75 Neu-Infektionen – 73 weniger als am Samstag, 1. Mai (148).
  • Sonntag, 9. Mai: 28 Neu-Infektionen – 2 mehr als am Sonntag, 2. Mai (26).
  • Montag, 10. Mai: 72 Neu-Infektionen – 17 mehr als am Montag, 3. Mai (55).
  • Dienstag, 11. Mai: 125 Neu-Infektionen – 36 weniger als am Diensta, 4. Mai (161).
  • Mittwoch, 12. Mai: 140 Neu-Infektionen – 1 weniger als am Mittwoch, 5. Mai (141).
  • Donnerstag, 13. Mai: 40 Neu-Infektionen – 61 weniger als am Donnerstag, 6. Mai (101).
    Aber wie oben bereits betont: Es ist stark zu bezweifeln, ob mit der Feiertagsmeldung an Christi Himmelfahrt allzu viel anzufangen ist. Vermutlich wird es da in den kommenden Tagen noch nachträgliche Korrektur-Meldungen geben.

Eine auch nur ansatzweise stabile Tendenz lässt sich aus all den Daten leider nicht herauslesen. Die Lage ist momentan volatil, wackelig, unberechenbar. Es ist gut möglich, dass es in den kommenden Tagen weiter runter Richtung 100 geht; aber alles andere als sicher.

Der Weg zur Inzidenz 100: Drittens, Gemeinden im Vergleich

Bei näherem Hinsehen offenbart sich außerdem: In manchen der 31 Kommunen des Rems-Murr-Kreises ist die Lage noch äußerst angespannt, während in anderen Gemeinden nur recht wenige Infektionen zu verzeichnen sind.

Das eingebürgerte Vergleichsmaß in der Corona-Krise, die sogenannte Inzidenz, benennt die Zahl der Neu-Infektionen binnen sieben Tagen pro 100 000 Einwohner und wird normalerweise pro Landkreis angegeben. Das Landratsamt weist deshalb auch nicht gesondert die Inzidenz für jede einzelne Stadt und jedes Dorf im Rems-Murr-Kreis aus. Aber wir können uns, um die Inzidenz ortsgenau zu ermitteln, mit einer einigermaßen präzisen Rechen-Operation behelfen.

Wir nutzen dazu die Daten, die das Landratsamt täglich vorlegt: Die Behörde gibt für jede Gemeinde die Zahl derjenigen Menschen an, die sich momentan wegen einer akuten Infektion in Isolation befinden. Wenn wir von einer Quarantäne-Zeit von maximal 14 Tagen ausgehen, handelt es sich hier also um all diejenigen Personen, die sich innerhalb der vergangenen 14 Tage angesteckt haben.

Wenn wir diesen Wert nun auf die einheitliche Bezugsgröße „pro 100 000 Einwohner“ hochrechnen, erhalten wir sozusagen die „14-Tages-Inzidenz“.

Um nun die „richtige“ Inzidenz zu ermitteln (also die auf den Zeitraum von sieben Tagen bezogene), teilen wir den 14-Tage-Wert hilfsweise durch 2.

Klingt kompliziert? Es wird verständlicher, wenn wir ein ganz einfaches Rechenbeispiel konstruieren.

Stellen wir uns vor, in einer Gemeinde mit 10 000 Einwohnern seien 20 Leute in infektionsbedingter Isolation – die 14-Tages-Inzidenz pro 100 000 Einwohner beträgt dann 200. Die „richtige Inzidenz“ hingegen liegt bei 100.

Die folgende Tabelle zeigt, welche Kommunen wie stark belastet sind. Die per hilfsweiser Rechnung ermittelte Inzidenz beträgt in ...

  • Kaisersbach: 20
  • Allmersbach: 52
  • Winterbach: 65
  • Weissach: 74
  • Plüderhausen: 84
  • Weinstadt: 87
  • Kirchberg: 90
  • Remshalden: 93
  • Spiegelberg: 95
  • Burgstetten: 95
  • Leutenbach: 100
  • Berglen: 102
  • Korb: 102
  • Oppenweiler: 105
  • Fellbach: 107
  • Waiblingen: 114
  • Schwaikheim: 116
  • Welzheim: 120
  • Schorndorf: 125
  • Großerlach: 125
  • Rudersberg: 132
  • Auenwald: 132
  • Aspach: 134
  • Sulzbach: 151
  • Kernen: 153
  • Urbach: 169
  • Winnenden: 186
  • Backnang: 188
  • Murrhardt: 221
  • Alfdorf: 275
  • Althütte: 298

Die Frage, die derzeit (Stand 13. Mai) viele umtreibt: Ist der Rems-Murr-Kreis auf einem guten Weg Richtung Inzidenz 100? Diese Schwelle zu unterschreiten, ist von großer Bedeutung, weil dann viele Regel-Lockerungen in Kraft treten; unter anderem würde die Ausgangssperre aufgehoben. Aber passt die Richtung momentan? Die Kurzantwort lautet: jein. Was dafür, was dagegen spricht: der Überblick. 

Der Weg zur Inzidenz 100: Erstens, die Vogelperspektive

Betrachtet man die

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper