Rems-Murr-Kreis

Corona Rems-Murr - Kinderärzte fordern: Schluss mit Test- und Masken-Pflicht

Schulleben
Ist die Maskenpflicht im Unterricht noch schlüssig begründbar? © Alexandra Palmizi

Dieses Statement darf man wohl als Paukenschlag bezeichnen, und es fiel einstimmig aus – die Kinder- und Jugendärzte im Rems-Murr-Kreis fordern: Schluss mit Masken- und Testpflicht in Schulen und Kitas.

"Nur in absoluten Ausnahmefällen schwerer Verlauf"

Die Ärzte begründen ihr Votum mit einer Risiko-Abwägung: Einerseits führe „für Kinder und Jugendliche eine Infektion mit dem Coronavirus nur in absoluten Ausnahmefällen zu einem schweren Verlauf. Corona ist für diese Altersgruppe vergleichbar mit vielen anderen Lebensgefahren und Krankheitserregern.“ Andererseits hätten die „Einschränkungen der letzten beiden Jahre Kindern und Jugendlichen körperlich und seelisch massiv“ geschadet. Mit anderen Worten: Das geringe Erkrankungsrisiko bei den Jüngeren rechtfertige nicht mehr die strengen Schutzmaßnahmen.

Weiteres komme hinzu: „Alle Menschen werden sich mit dem Virus früher oder später infizieren, wahrscheinlich sogar mehrfach auf dem Weg in die Endemie – eine Impfung schützt vor schweren Verläufen, aber nicht vor der Infektion.“ Und „durch das Impfangebot haben auch gefährdete Kinder und deren Familien“ mittlerweile längst „die Möglichkeit, sich vor schweren Verläufen zu schützen“.

„Das sind wir unseren Kindern und Jugendlichen schuldig“

Daraus ergeben sich Kernsätze, hinter denen die Kinder- und Jugendärzte im Kreis „einstimmig“ stehen, wie ihr Obmann, der Schorndorfer Ralf Brügel, betont: „Wir fordern die politisch Handelnden dazu auf, bei den anstehenden Entscheidungen die Empfehlungen unserer Fachgesellschaften (Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte) inhaltlich umzusetzen. Kinder und Jugendliche haben nun zwei Jahre lang in besonderer Weise unter den Veränderungen in der Pandemie und den damit verbundenen Eingriffen in ihre soziale Teilhabe gelitten.“

Konkret heißt das: „Stand heute ist davon auszugehen, dass der Bundestag den Ländern auch über den 19. März hinaus Mittel an die Hand gibt, Maskenpflicht, Testpflicht und gegebenenfalls auch 2G/3G-Regelungen in bestimmten Bereichen aufrechtzuerhalten. Wir fordern eindringlich, dass solche Maßnahmen – wenn sie für Hochrisikobereiche wie Krankenhäuser und Altenheime auch notwendig sein können – nicht mehr für Schulen und Kitas gelten dürfen. Das sind wir unseren Kindern und Jugendlichen schuldig.“

Auf der Linie früherer Experten-Einschätzungen

Tendenziell in diese Richtung argumentieren viele Experten schon seit längerem. Bereits im September 2021 erklärte zum Beispiel Prof. Dr. Jörg Dötsch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin: Während „Erwachsene“ – und zwar „nicht nur die in höherem Alter“ – eine „erhebliche Krankheitslast zu tragen“ hätten „mit einer hohen Rate an schweren Komplikationen und auch Sterbefällen“, seien „für die weitaus meisten Kinder die sekundären Krankheitsfolgen, nämlich die psychische Belastung durch Lockdown-Maßnahmen, ungleich belastender als die Erkrankung selbst“.

Und Prof. Dr. Tobias Tenenbaum, Deutsche Gesellschaft Pädiatrische Infektiologie, erklärte ebenfalls bereits im Herbst: Regeln wie 3G „passen nicht für Kinder. Sie haben sogar das Potenzial, diese Altersgruppe weiter zu diskriminieren“.

Es ist durchaus Forschungskonsens, auch darauf weist die Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin hin, dass das Tragen einer Maske zu „keinen signifikanten Veränderungen der atemphysiologischen Parameter bei den untersuchten Patienten“ führe; das gelte auch für Kinder. „Der kindliche Organismus ist autonom und lebenskompetent, „Kinder haben keinen vermehrten Sauerstoffbedarf im Vergleich zu Erwachsenen“, das „Atemzugvolumen ist bei Kindern und Erwachsenen auf das Körpergewicht bezogen identisch“. Es gebe also „keine theoretische Begründung einer Gefahr einer Sauerstoffuntersättigung unter Maskenatmung“. Sprich: Das Gerücht von erstickten Kindern, das anfänglich umging, gehört wie so viele Behauptungen während der Corona-Krise in die Rubrik haltloser Quatsch. Auch der Schorndorfer Kinderarzt Dr. Ralf Brügel hat darauf schon früh hingewiesen und nannte das Gerücht "Schwachsinn".

Keine Altersgruppe wurde so gründlich überwacht wie Kinder und Jugendliche

Aber, fährt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte fort: Weil Kinder und Jugendliche „in besonderer Weise unter den Veränderungen während der Pandemie gelitten“ hätten, sollten Regel-Entschärfungen für Kinder und Jugendliche nun „mindestens analog zu Lockerungen im gesamtgesellschaftlichen Rahmen stattfinden“; sie sollten also, frei übersetzt, eher noch großzügiger ausfallen als für Erwachsene.

Bisher war das Gegenteil der Fall. „Die Altersgruppe, die in der Vergangenheit am konsequentesten, das heißt, ohne Anlass, mit Antigen-Schnelltests beziehungsweise PCR-Pool-Tests überwacht wurde, sind Kinder und Jugendliche in Kindertagesstätten und Schulen mit zum Teil täglichen Tests.“ Weder in Betrieben noch in Behörden gab es für Erwachsene ein derart rigoroses Überwachungsregime, obwohl die dort Arbeitenden viel gefährdeter sind.

„Das hatte und hat weitreichende Konsequenzen, die über das hinausgingen, was außerhalb des Schulbetriebs gefordert und umgesetzt wurde. So wurden bei positiven Testbefunden Isolations- und Quarantänemaßnahmen in Gang gesetzt, die mindestens bis zur Bestätigung/Nicht-Bestätigung durch einen PCR-Test aufrechterhalten wurden.“

„Das Ziel“, schreibt die Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, „ist jetzt vorrangig der Schutz vor schwerem Krankheitsverlauf, nicht mehr der Schutz vor jeder einzelnen Infektion.“ Daraus ergibt sich die Faustregel: Sofern „die Krankheitslast der Kinder zum Beispiel gemessen an Hospitalisierungsraten gering ist, sollte auf das Maskentragen in Bildungseinrichtungen verzichtet werden“.

Dieses Statement darf man wohl als Paukenschlag bezeichnen, und es fiel einstimmig aus – die Kinder- und Jugendärzte im Rems-Murr-Kreis fordern: Schluss mit Masken- und Testpflicht in Schulen und Kitas.

"Nur in absoluten Ausnahmefällen schwerer Verlauf"

Die Ärzte begründen ihr Votum mit einer Risiko-Abwägung: Einerseits führe „für Kinder und Jugendliche eine Infektion mit dem Coronavirus nur in absoluten Ausnahmefällen zu einem schweren Verlauf. Corona ist für diese

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