Rems-Murr-Kreis

Corona Rems-Murr-Kreis: Antworten auf alle wichtigen Fragen zur vierten Impfung

Corona Impfung
Steuern wir wieder auf einen heißen Impf-Herbst zu? Oder geht es diesmal entspannter ab? © Pixabay

Die Stiko empfiehlt jetzt die vierte Impfung schon ab 60. Droht uns damit erneutes Impfchaos? Reichen die Kapazitäten für den Herbst? Wie bereitet der Rems-Murr-Kreis sich vor? Wo bekommt man derzeit eigentlich einen Piks? Und ist der Stiko-Spruch überhaupt einleuchtend?

Derzeit atmen wir durch: Die Inzidenz im Rems-Murr-Kreis ist auf etwa 300 gefallen. Aber was bringt der Herbst? Mit der aktuellen Ansage der Ständigen Impfkommission steht eine neue Herausforderung im Raum. Die Stiko rät nun bereits Menschen ab 60 und nicht mehr nur Leuten ab 70 zum zweiten Booster, dazu auch Jüngeren mit Vorerkrankungen. Es muss wieder mehr geimpft werden. Schaffen wir das?

Frage 1: Um wie viele Leute geht es bei der vierten Impfung?

Die Zweitboosterkampagne wird bei weitem keine solche logistische Herausforderung wie das, was wir bereits hinter uns haben. Die Impfzentren und Ärzte im Rems-Murr-Kreis haben bislang rund 850.000 Impfdosen verimpft (Erst-, Zweit-, Drittimpfungen addiert) – das allermeiste davon im Jahr 2021; und da vor allem im zweiten Halbjahr.

Die Nachfrage nach Viertimpfungen wird absehbar viel geringer sein. Rund 123.000 Menschen im Rems-Murr-Kreis sind 60 und älter. Ein Teil von ihnen hat den Zweitbooster bereits, die Quote in der Altersgruppe 60 Plus liegt landesweit derzeit bei 17,3 Prozent. Wenn wir das auf den Kreis herunterrechnen, gibt es wohl nur noch rund 100.000 Leute, die altersbedingt überhaupt noch eine Viertimpfung brauchen.

Aber nicht alle werden sie wollen: In der Altersgruppe 60 Plus haben bundesweit 91 Prozent die Erst- und Zweitimpfung in Anspruch genommen, bei der Drittimpfung fiel die Quote bereits auf 86 Prozent, bei der Viertimpfung wird sie weiter sinken.

Wir reden also grob von vielleicht 80.000 Menschen im Kreis, die sich aus Altersgründen noch für eine Viertimpfung entscheiden werden. Hinzu kommen Vorerkrankte, zu denen es keine genauen Daten gibt.

Frage 2: Gibt es derzeit freie Termine für die vierte Impfung?

Oh ja. Wer eine Viertimpfung will, kann sich natürlich mit seinem Hausarzt abstimmen. Aber auch auf dem übersichtlichen und leicht bedienbaren Online-Anmeldungsportal des Landkreises, wo Praxen und Zentren ihre Angebote einstellen, gibt es viele Termine. Surfen wir kurz nach www.rems-murr-kreis.de/kiz; folgende Lage fanden wir am Freitag, 19. August, um 11 Uhr vor:

  • 58 freie Termine mit Biontech und 57 mit Moderna für Samstag, 20. August, im Abstrich- und Impfzentrum im Waiblinger Büze
  • 14 freie Termine mit Biontech und 18 mit Moderna für Samstag, 20. August, in der Gauppschen Apotheke Schorndorf
  • Massenhaft freie Termine mit allen Impfstoffen von Novovax über Biontech und Moderna bis Johnson & Johnson für Samstag, 20. August, am Impfstützpunkt Winnenden
  • Jede Menge freie Termine in der kommenden Woche täglich außer sonntags in diversen Impfpraxen von Allmersbach bis Weinstadt

Noch mal: www.rems-murr-kreis.de/kiz, sehr zu empfehlen. Die Grundbotschaft für Leute, die mit einer Impfung liebäugeln, ist wirklich irre simpel: Wer will, der kann.

Frage 3: Droht im Herbst wieder Impfchaos?

Stand heute: nein. Natürlich ist davon auszugehen, dass viele Leute auf die angepassten Impfstoffe warten wollen, die im September kommen sollen. Im Herbst wird also absehbar mehr los sein als derzeit. Aber es gibt dazu diverse gute Nachrichten.

Jens Steinat, Pandemiebeauftragter der Ärzte im Rems-Murr-Kreis, ist mittlerweile auch in der „Task Force Impfen“ des Landessozialministeriums. Grund: Das zentrale Anmeldeportal des Rems-Murr-Kreises gilt auch bei der Landesregierung als vorbildlich und soll nun quasi auf ganz Baden-Württemberg ausgerollt werden. Steinat hilft dabei mit. Er lobt: „Dank des Landrats“ sei der Rems-Murr-Kreis „Vorreiter“ gewesen.

Haus- und Betriebsärzte können sich dort registrieren und Termine einstellen. Für Impfwillige ist die Buchung bequem, die Praxen werden entlastet von den Mühen der telefonischen Vereinbarung. Win-win.

Prinzipiell sieht Steinat die ambulanten Strukturen auf einem „guten Weg“: Für den Fall, dass es im Herbst doch noch einmal „hart auf hart“ kommt, „neue Varianten“ auftreten und ein „Ansturm“ auf die Vakzine mit „verbessertem Schutzprofil“ einsetzt, könne die Ärzteschaft in Baden-Württemberg „500.000 Impfungen pro Woche generieren“. Runtergerechnet auf den Rems-Murr-Kreis wären das, ganz grob gepeilt, wohl etwa 20.000 pro Woche nur über die Praxen; dazu impfen schon jetzt auch Apotheken in Winnenden, Allmersbach, Weissach im Tal, Waiblingen, Schorndorf, Weinstadt und Betriebsärzte. Zur Not ließen sich wohl auch Impfstützpunkte schnell wieder aufbauen.

Von einem Worst-Case-Szenario mit Lauterbachscher Killervariante und entfesseltem Run auf die Impfstoffe geht Steinat derzeit aber „absolut nicht aus“.

Frage 4: Gibt es dennoch Sorgen mit Blick auf den Corona-Herbst?

Bereits in der Sommerwelle, erzählt Steinat, habe sich gezeigt: Die Arztpraxen seien vor allem im Hinteren Murrtal „stark belastet“ gewesen – es gab zum einen viel zu tun, zum anderen fiel Personal krankheitsbedingt aus.

Falls im Herbst und Winter die Coronawelle heftig hochgischten und sich womöglich noch eine Grippewelle draufsatteln sollte, könnte die Belastung wieder „grenzwertig werden“.

Wenn Steinat auf die Deltawelle im Dezember 2021 zurückblickt, lautet seine eigene Bilanz: Er habe pro Woche „80 bis 90 Stunden gearbeitet“.

Es gibt aber auch da etwas, das Mut macht: Die Zusammenarbeit und gegenseitige Wertschätzung seien im Rems-Murr-Kreis zwischen Gesundheitsamt, Verwaltung, Kliniken und niedergelassenen Ärzten hervorragend. Solch schwungvolle Kooperation „fehlt mir auf Landes- und Bundesebene“.

Frage 5: Liegt die Stiko richtig mit ihrer Empfehlung zur vierten Impfung?

Auch Jens Steinat findet eine Viertimpfung „ab 60 und bei Vorerkrankungen sinnvoll“: Selbst wenn es zu einer „Durchbruchsinfektion“ kommen sollte, sei mit einer „geringeren Symptomatik“ zu rechnen.

Die Stiko empfiehlt jetzt die vierte Impfung schon ab 60. Droht uns damit erneutes Impfchaos? Reichen die Kapazitäten für den Herbst? Wie bereitet der Rems-Murr-Kreis sich vor? Wo bekommt man derzeit eigentlich einen Piks? Und ist der Stiko-Spruch überhaupt einleuchtend?

Derzeit atmen wir durch: Die Inzidenz im Rems-Murr-Kreis ist auf etwa 300 gefallen. Aber was bringt der Herbst? Mit der aktuellen Ansage der Ständigen Impfkommission steht eine neue Herausforderung im Raum. Die Stiko

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper