Rems-Murr-Kreis

Corona Rems-Murr: Omikron-Wand geht hoch, ist das so schlimm? 7 Thesen zur Lage

Warnapp
Omikron bringt erhöhtes Ansteckungsrisiko. © Joachim Mogck

Die Inzidenz im Rems-Murr-Kreis steigt im Rekordtempo, Omikron ist auf dem Vormarsch – aber ist das überhaupt so schlimm, wie es aussieht? Oder müssen wir unsere eingespielten Vorstellungen, Betrachtungsroutinen und Deutungsmuster zur Pandemie-Dynamik überdenken? Sieben Thesen zur Einordnung der aktuellen Lage.

Erstens: Die Inzidenz rast hoch

Am 13. Januar beträgt die Inzidenz – Neuansteckungen binnen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner – im Rems-Murr-Kreis 520.

Am 28. Dezember lag sie noch bei 199.

Einen so steilen Anstieg gab es im Rems-Murr-Kreis während der gesamten Pandemie seit Anfang März 2020 noch nie.

Zweitens: Omikron übernimmt

Vorbemerkung: Während Ende Dezember und Anfang Januar von einer ferien- und feiertagsbedingten Untererfassung auszugehen war, dürften wir so langsam wieder auf Normalniveau sein. Dadurch wirkt der Anstieg noch steiler, als er ohnehin ist.

Aber: Natürlich treibt Omikron die Entwicklung. Vom 17. bis zum 29. Dezember liefen im Kreis 38 Omikronfälle auf. In der Woche darauf bis zum 4. Januar kamen 105 weitere hinzu. Und vom 5. bis 11. Januar wurden 281 neue Diagnosen bekannt.

Da die Auswertung der Proben etwa eine Woche dauert, ist davon auszugehen, dass der Omikron-Anteil am Infektionsgeschehen mittlerweile schon viel höher ist. Und weil bei weitem nicht alle positiven Proben detailliert auf die Virusvariante hin analysiert werden, müssen wir auch mit einer hohen Dunkelziffer rechnen.

Zusammengefasst: Omikron übernimmt das Kommando, das ist eindeutig.

Drittens: In den Kliniken merkt man davon noch überhaupt nichts

In den Rems-Murr-Kliniken befinden sich derzeit 29 Infizierte in stationärer Behandlung, 11 von ihnen liegen auf der Intensivstation. Das sind sehr niedrige Zahlen im Vergleich zum Höchststand am 9. Dezember: Damals waren es 76 Hospitalisierte, 26 von ihnen Intensivpatienten.

Ähnlich ist die Lage in ganz Baden-Württemberg: Am 7. Dezember waren 670 Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt – derzeit sind es nur noch 378.

Bereits hohe Inzidenz, aber noch wenige schwere Verläufe: So lässt sich die Momentaufnahme zusammenfassen. Wie stark wird sich das in den kommenden Wochen ändern? Um diese Frage geht es in den nächsten drei Thesen.

Viertens: Omikron ist – zumindest vergleichsweise – eher harmlos

Die Erkenntnisse mehren sich, dass Omikron zwar eindeutig viel ansteckender ist als Delta, aber nach Infektion seltener zu schweren Krankheitsverläufen führt.

Blick ins Vereinigte Königreich, wo Omikron längst das Zepter schwingt:

  • Anfang Januar 2021 unterm Delta-Regime gab es dort rund 417.000 Infektionen binnen sieben Tagen – die Folge waren 8700 Todesfälle Mitte Januar innerhalb einer Woche.
  • Unter Omikron-Vorzeichen waren es in der letzten Dezemberwoche 2021 mehr als eine Million Infektionen – in den vergangenen sieben Tagen aber nur rund 1700 Todesfälle. Und momentan sieht es aus, als könnte der Gipfel der Omikronwelle im UK bereits überschritten sein.

Aufschlussreich ist auch eine aktuelle US-Studie, an der eine höchst vertrauenswürdige Institution beteiligt war, nämlich die staatliche Gesundheitsbehörde. Ausgewertet wurden die Daten von knapp 70.000 Menschen, die zwischen Ende November und Anfang Januar positiv getestet worden waren. Ergebnis:

  • 52.000 Proben gingen auf Omikron zurück, 235 Betroffene landeten im Krankenhaus; Quote: knapp 0,5 Prozent.
  • Demgegenüber standen 222 Delta-Hospitalisierte; obwohl es hier nur 17.000 Infizierte gab! Quote: gut 1,3 Prozent. Demnach wäre Delta etwa zweieinhalbmal so gefährlich wie Omikron.

Fünftens: Die Booster-Kampagne hilft uns jetzt sehr

Nicht nur ist offenkundig die Hospitalisierungsgefahr bei Omikron geringer – im Falle einer Infektion sind Geboosterte gegen schwere Krankheitsverläufe auch gut gewappnet. Auf den Dämpfungseffekt sattelt sich also auch noch ein Schutzeffekt.

Und dazu gibt es erfreuliche Zahlen für den Rems-Murr-Kreis: Stand 9. Januar, sind bereits mehr als 175.000 von gut 427.000 Leuten im Rems-Murr-Kreis geboostert. Das sind 41 Prozent aller Einwohner – und sogar mehr als 62 Prozent der knapp 281.000 doppelt Geimpften. Beinahe zwei Drittel der Menschen, die sich für Dosis 1 und 2 entschieden, holten sich also auch Dosis 3.

Sechstens: Gewisse Risiken in der fünften Welle bleiben natürlich

Auch wenn die Relation zwischen Infektions- und Hospitalisierungszahlen sich erfreulich stark verändert (ähnliches ließ sich übrigens bereits beim Vergleich zwischen zweiter und dritter Welle beobachten) – eins gilt natürlich weiterhin: je mehr Angesteckte, desto mehr schwere Verläufe. Und ein Risiko ist sonnenklar: Omikron wird dermaßen stark um sich greifen, dass Ungeimpfte, die bislang ohne Infektion durch die Krise gekommen sind, sich nun wohl massenweise anstecken werden. Deshalb bleibt ein exorbitanter Anstieg der Inzidenz weiterhin eine große Gefahr. Und auch eine Fülle leicht symptomatischer und mittelschwerer Verläufe kann in Nöte führen: nicht für die Intensivstationen, aber für die kritische Infrastruktur durch Personalausfälle. Das könnte Folgeeffekte zeitigen, die derzeit noch gar nicht genau absehbar sind.

Siebtens: Wir müssen unsere Betrachtungsroutinen nachjustieren

Ist unter den neuen Umständen eine allgemeine Impfpflicht wirklich nötig? Müssen wir uns mehr Gelassenheit beim Blick auf die Inzidenz angewöhnen? Darüber lässt sich streiten – klar aber ist zumindest so viel: Die sich jetzt aufbauende sogenannte Omikron-Wand gehorcht anderen Gesetzen als frühere Wellen.

Die Inzidenz im Rems-Murr-Kreis steigt im Rekordtempo, Omikron ist auf dem Vormarsch – aber ist das überhaupt so schlimm, wie es aussieht? Oder müssen wir unsere eingespielten Vorstellungen, Betrachtungsroutinen und Deutungsmuster zur Pandemie-Dynamik überdenken? Sieben Thesen zur Einordnung der aktuellen Lage.

Erstens: Die Inzidenz rast hoch

Am 13. Januar beträgt die Inzidenz – Neuansteckungen binnen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner – im Rems-Murr-Kreis

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