Rems-Murr-Kreis

Corona Rems-Murr: Verdacht auf Delta-Variante - droht eine vierte Welle? Oder dürfen wir entspannt bleiben?

Coronavirus
Dass ein Virus Varianten ausbildet, ist normal. Aber wie besorgniserregend ist Delta!? © Pixabay

Die Delta-Variante, bekannt auch als indische Variante oder Variante B.1.617, scheint - Stand 15. Juni - im Rems-Murr-Kreis angekommen zu sein. Aber was bedeutet das? Müssen wir jetzt womöglich mit einer vierten Corona-Welle rechnen? Oder ist allein schon die Frage Panikmache? Was für und was gegen eine neu aufflammende Ansteckungsgefahr spricht: der Überblick.

Warum stellt sich die Delta-Frage jetzt auch im Rems-Murr-Kreis?

Die Kinder und Betreuungskräfte des Kinderhauses Mitte in Waiblingen befinden sich aufgrund einzelner Corona-Infektionsfälle momentan vorsorglich alle in Quarantäne und werden nun komplett mit PCR-Tests durchgecheckt, die Einrichtung  ist vorläufig geschlossen – denn bei der Sequenzierung erster positiver Testergebnisse habe sich "herausgestellt, dass ein Verdachtsfall auf die Delta-Variante des Corona-Virus vorliegt“, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes. Bis die endgültige Auswertung der Sequenzierung aus dem Labor kommt, handeln Gesundheitsamt und Stadt Waiblingen vorbeugend so, "als läge die Variante vor“.

Die zuerst in Indien entdeckte Coronavirus-Variante B.1.617, die derzeit in Großbritannien bereits das Infektionsgeschehen prägt, könnte nun, sofern der Verdacht sich bestätigt, also auch im Rems-Murr-Kreis Fuß zu fassen beginnen.

Delta-Variante im Rems-Murr-Kreis: Inwiefern ist das Grund zur Sorge?

Nach allem, was wir bislang wissen, ist die Delta-Variante nicht nur ansteckender und gefährlicher als das Ur-Virus, mit dem wir während der ersten Welle im Frühjahr 2020 konfrontiert waren; Delta ist offenbar auch aggressiver als die ursprünglich als „britische Mutante“ bekannte und mittlerweile in Alpha umbenannte Virusform B.1.1.7, die im Rems-Murr-Kreis während der dritten Welle im Frühjahr 2021 vorherrschte.

Das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs gilt bei Delta als höher, Impfstoffe schlagen nicht ganz so gut an.

Im Vereinigten Königreich gehen mittlerweile etwa 80 Prozent der neuen Infektionsfälle auf das Konto von Delta. Folge: Die Ansteckungszahlen steigen dort seit Mitte Mai wieder. Die Sieben-Tages-Inzidenz, die seinerzeit etwa um 20 gependelt hatte, ist auf rund 75 angeschwollen.

Ob man aber wirklich schon ernsthaft von einer neuen Welle sprechen sollte, ist zweifelhaft. Die Fallzahlen sind immer noch vergleichsweise niedrig, der Anstieg der Kurve ist flach: Auf dem Gipfel der Krise im Januar gab es im Vereinigten Königreich rund 60.000 Neuinfektionen pro Tag, der Wert stürzte dann bis auf etwa 2000 und liegt nun wieder bei gut 7000.

Und: Obwohl die Infektionszahlen im Königreich bereits seit Mitte Mai wieder steigen, führt das dort bislang kaum zu Todesfällen; es sind weiterhin ganz wenige, etwa zehn pro Tag.

Insofern: Ja, Delta ist ernstzunehmen. Aber vor Sorge überhitzen sollten wir nicht.

Delta-Variante im Rems-Murr-Kreis: Gibt es auch beruhigende Aspekte?

Ja. Delta wurde bereits im April in Europa nachgewiesen, ist seither aber nur in Großbritannien dominant gegenüber anderen Varianten geworden. Von Dominanz redet man, wenn eine neue Variante quasi die absolute Mehrheit erobert, hinter mehr als 50 Prozent der Neu-Infektionen steckt.

Derlei geschieht nicht von einem Tag auf den anderen, so ein Prozess zieht sich über viele Wochen hin, eine neue Variante macht nicht gleich steil Karriere – das Phänomen kennen wir von B.1.1.7: Diese Mutante wurde in Baden-Württemberg Ende Dezember erstmals nachgewiesen und ploppte im Rems-Murr-Kreis Anfang Februar auf. Die Inzidenz im Kreis aber begann erst mehr als einen Monat später, Mitte März, zu steigen.

Bei Delta sind wir von einer derartigen Entwicklung noch weit entfernt. Deutschlandweit ging Ende April etwa ein Prozent der positiven Tests auf die neue Variante zurück, Ende Mai waren es dann drei Prozent.

Und ob die neue Variante bei uns überhaupt jemals so erfolgreich werden wird wie in Großbritannien und sich zum dominierenden, andere Varianten weitgehend verdrängenden Typus aufschwingt, ist auch nicht ausgemacht.

Aber selbst wenn: Vor Angst erstarren müssen wir definitiv nicht. Derzeit hilft uns das Wetter, wir können viel Zeit draußen verbringen; dann kommen auch noch die Sommerferien; und bis Herbst haben wir hoffentlich eine so hohe Impfquote, dass Delta nicht mehr viel anrichten kann.

Wie ist im Rems-Murr-Kreis der Fortschritt beim Impfen?

Wir sind auf einem guten Weg, wenngleich bis Herbst noch viel zu tun bleibt.

Nach den aktuellsten Zahlen, die das Landesgesundheitsamt vorgelegt hat, sind in Baden-Württemberg mittlerweile 43,5 Prozent der Einwohner erstgeimpft, 20,5 Prozent haben sogar schon ihren Zweit-Pieks und sind damit mutmaßlich weitgehend gegen schwere Krankheitsverläufe mit der Delta-Variante geschützt.

Beim Vergleich der 44 baden-württembergischen Landkreise rangiert der Rems-Murr-Kreis allerdings leider weiterhin nur im hinteren Mittelfeld. Betrachten wir in der Rangliste jeweils die Top Three, die düstersten Drei und uns ...

Erstimpfungen:

  • 1. Emmendingen: 52,8 %
  • 2. Freiburg: 51,5 %
  • 3. Baden-Baden: 50,9 %
  • 34. Rems-Murr-Kreis: 40,7 %
  • 42. Sigmaringen: 38,4 %
  • 43. Stadtkreis Heilbronn: 36,1 %
  • 44. Pforzheim: 32,5 %

Zweitimpfungen:

  • 1. Freiburg: 27,8 %
  • 2. Baden-Baden: 26,4 %
  • 3. Emmendingen: 26,2 %
  • 30. Rems-Murr-Kreis: 18,7 %
  • 42. Heidenheim: 17,3 %
  • 43. Lörrach 15,8 %
  • 44. Pforzheim 14,2 %

Wie ist die aktuelle Ansteckungslage im Rems-Murr-Kreis?

Ausgezeichnete Nachrichten: Nach elf Tagen der Stagnation, in denen die Inzidenz partout nicht fallen wollte, sondern verstockt um 35 herum eierte, ging es am Dienstagnachmittag, 15. Juni, endlich mal wieder satt runter: auf 26.

Die Delta-Variante, bekannt auch als indische Variante oder Variante B.1.617, scheint - Stand 15. Juni - im Rems-Murr-Kreis angekommen zu sein. Aber was bedeutet das? Müssen wir jetzt womöglich mit einer vierten Corona-Welle rechnen? Oder ist allein schon die Frage Panikmache? Was für und was gegen eine neu aufflammende Ansteckungsgefahr spricht: der Überblick.

Warum stellt sich die Delta-Frage jetzt auch im Rems-Murr-Kreis?

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