Rems-Murr-Kreis

Corona Rems-Murr: Was kommt auf uns zu? Fünf Thesen zur aktuellen Lage (1.8.2021)

Masken Chaos
Die Maske steht für die Sorge, die Lachfältchen um die Augen zeugen von Zuversicht: Das Bild beschreibt unsere derzeitige Lage treffend. © ALEXANDRA PALMIZI

Wo stehen wir, womit müssen wir rechnen, was gibt Grund zur Zuversicht? Corona im Rems-Murr-Kreis – ein aktueller Lagebericht in fünf Thesen.

These 1: Die Inzidenz ist erfreulich stabil

Mitte Juni fiel die Inzidenz – Neuansteckungen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen – im Rems-Murr-Kreis erstmals seit Anfang März wieder unter die Warnschwelle von 35; und ist seither durchgehend weit darunter geblieben. Zwar züngelte der Wert, der zwischenzeitlich gar unter 10 gesackt war, dann wieder etwas hoch. Aber mit der aktuellen Inzidenz von 12 verbindet sich eine glasklare Botschaft: Momentan besteht keinerlei Grund zu Delta-Panik. Die neue Variante war im Kreis bereits Ende Mai erstmals nachgewiesen worden, hat es seither aber in mehr als zwei Monaten nicht geschafft, das Ansteckungsgeschehen grell zu befeuern. Es ist offensichtlich: Während des Sommers, wenn sich die Menschen vor allem im Freien zusammenfinden, ist das Risiko gering. Was uns zu These 2 bringt ...

These 2: Die Fellbacher Italia-Feiern während der EM waren harmlos

Viele machten sich Sorgen, manche empörten sich: Die große italienischstämmige Gemeinde in Fellbach zelebrierte im Juni und Anfang Juli ihre Begeisterung über die hinreißenden Auftritte der Nationalmannschaft mit rauschenden – und durchaus nicht coronaregelkonformen – Spontan-Straßenfesten, zu denen bis zu 1000 Leute strömten. Könnte sich so eine Party zu einem Superspreader-Event auswachsen? Mittlerweile haben wir dazu belastbare Erkenntnisse: Das Ansteckungsgeschehen in Fellbach blieb seinerzeit und auch danach unauffällig. Momentan befinden sich in Fellbach von 45 700 Einwohnern nur zehn in häuslicher Isolation, weil bei ihnen im Laufe der vergangenen 14 Tage eine Infektion festgestellt wurde. Ansteckungsquote: 0,2 Promille. Im Nachhinein lassen sich die Fellbacher Siegesfeiern als anarchischer Corona-Feldversuch interpretieren, der offenbart hat: Menschenansammlungen im Freien sind wohl unproblematisch.

These 3: Wenn wir nach England blicken, schauen wir in unsere Zukunft

Im Vereinigten Königreich ging es mit den Impfungen früher los; auch die Delta-Variante fasste dort schneller Fuß. Wenn wir also wissen wollen, was noch auf uns zukommen könnte, lohnt es sich, die dortigen Daten zu analysieren. Wir sehen: Delta kann zwar eine neue Welle auslösen, aber nicht allzu viel Schaden anrichten, wenn genug Menschen vor allem aus den besonders gefährdeten Altersgruppen bereits geimpft sind.

Anfang Juni schaukelte sich im Königreich die Delta-Welle auf. Sie erreichte ihren Gipfel am 20. Juli mit 330 000 Infektionen binnen sieben Tagen; derzeit sind die Zahlen bereits wieder klar rückläufig. Folge des Ansteckungsgeschehens: Pro Woche sterben im UK momentan im Schnitt etwa 500 Menschen nach Infektion.

Klingt heftig, ist aber weit weniger schlimm als die brutale Januarwelle dort. Was Infektionen betrifft, war sie gar nicht so viel höher: bis zu 420 000 Ansteckungen binnen sieben Tagen. Aber damals gab es in der schlimmsten Woche fast 9000 Tote – achtzehnmal so viele wie derzeit!

These 4: Künftig darf die Inzidenz nicht mehr der alleinige Maßstab sein

Nicht nur die englischen Daten, auch die Rems-Murr-Erkenntnisse aus der Frühjahrswelle sind eindeutig: In einer Gesellschaft, in der die Alten und besonders Gefährdeten bereits geimpft sind, richtet selbst eine extrem hohe Inzidenz von 200 plus x nicht mehr so viel gesundheitlichen Schaden an. Deshalb wird es im Herbst – selbst, wenn wir nach den Sommerferien in eine vierte Welle stolpern – kaum begründbar sein, darauf schon wieder mit Schulschließungen und Lockdown zu reagieren.

These 5: Es gibt Impffortschritte – aber das reicht noch nicht

Das ist die Lage (verfügbarer Datenstand: 25. Juli) im Rems-Murr-Kreis: 54 Prozent der gut 427 000 Einwohner haben mindestens eine Dosis intus, 46,2 Prozent sind bereits doppelt gepikst. Bald wird die Hälfte der Kreisbevölkerung vollen Impfschutz haben. Erinnern wir uns: Als die Impfkampagne im Januar fürchterlich zäh anlief – die Anmeldung war zum Durchdrehen schwierig, es fehlte deprimierend an Impfstoff –, kursierte eine Rechnung: Wenn das in dem Tempo weitergeht, werden wir erst im Jahr 2025 oder 2030 fertig sein. Aber diese Startschwierigkeiten sind längst vollkommen überwunden.

Allerdings: 50 Prozent, das reicht nicht. Aus den Rems-Murr-Kliniken kommt deshalb ein ungewöhnlich dringender Appell – das Ärzte- und Expertenteam legt sich in einer gemeinsamen Pressemitteilung fest und ruft „die Bürger ausdrücklich zu einer Impfung gegen das Coronavirus auf“.

Dr. Torsten Ade, Chefarzt der Winnender Notaufnahme und Krankenhaushygieniker: „Es ist die Aufgabe von uns allen, unseren Angehörigen, Freunden und Kollegen den Schutz zu bieten, den sie verdient haben. Eine Impfmüdigkeit können wir uns nicht erlauben! Impfen ist das derzeit einzige Mittel, um die Freiheit und Sicherheit aller zu gewährleisten. Bitte nutzen Sie daher unbedingt die zahlreichen Möglichkeiten zur Impfung!“

Und Dr. Bernhard Fröhlich, Chefarzt der Gastroenterologie, Allgemeinen Inneren Medizin und Geriatrie, fasst die weltweite Datenlage so zusammen: „Der Nutzen der Impfung überwiegt bei weitem das Risiko.“ Fröhlich verweist auf die Erkenntnisse zum sogenannten Long-Covid-Syndrom: „Zwischen 10 und 20 Prozent der Genesenen müssen auch noch Monate nach einer Infektion mit gesundheitlichen Einschränkungen leben. Das kann mit einer Impfung leicht vermieden werden“ – denn selbst in den Fällen, da sie eine Infektion nicht verhindere, seien „schwere Verläufe und Folgeschäden nahezu ausgeschlossen“.

Wo stehen wir, womit müssen wir rechnen, was gibt Grund zur Zuversicht? Corona im Rems-Murr-Kreis – ein aktueller Lagebericht in fünf Thesen.

These 1: Die Inzidenz ist erfreulich stabil

Mitte Juni fiel die Inzidenz – Neuansteckungen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen – im Rems-Murr-Kreis erstmals seit Anfang März wieder unter die Warnschwelle von 35; und ist seither durchgehend weit darunter geblieben. Zwar züngelte der Wert, der zwischenzeitlich gar unter

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