Rems-Murr-Kreis

Corona-Schutz: Gewerbeaufsicht  findet zahlreiche Mängel auf Baustellen

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Bei Montagearbeiten auf dem Bau genügend Abstand zu halten, ist nicht immer einfach. Die Gewerbeaufsicht hat bei Kontrollen zahlreiche Verstöße festgestellt. © Symbolfoto: Simon Kraus - stock.adobe.com

Die Infektionsgefahren auf Baustellen sind nicht nur theoretischer Natur. Beim Bahnprojekt „Stuttgart 21“ haben sich die Beschäftigten ganzer Bautrupps mit dem Coronavirus gegenseitig angesteckt. Die Gewerbeaufsicht hat sich in den letzten beiden Wochen im Rems-Murr-Kreis schwerpunktmäßig auf Baustellen umgeschaut und stellt in einem Zwischenfazit der Kontrollen fest: „Bei der Umsetzung der Schutzmaßnahmen weichen Theorie und Praxis zum Teil eklatant voneinander ab.“ So wurde häufig selbst bei engem Kontakt, wie er beim Betonieren oder beim gemeinsamen Arbeiten auf Arbeitsbühnen unvermeidbar ist, kein Mund-Nase-Schutz getragen.

Ende April hatten das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau sowie das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft festgelegt, dass das neue fachliche Thema der Gewerbeaufsicht 2020 in der Beratung und Unterstützung beim „Wiederanfahren“ und in der Überwachung von Betrieben liegen solle. Ein besonderes Augenmerk gelte hierbei zunächst den Kassenarbeitsplätzen und den Baustellen. Auf Baustellen arbeiten meistens mehrere Gewerke mit ihren Beschäftigten auf engem Raum. Dies birgt eine gewisse gegenseitige Infektionsgefährdung.

Die Gewerbeaufsicht, die beim Umweltschutzamt im Landratsamt angesiedelt ist, und der Krisenstab Corona haben sich eigenen Angaben zufolge bereits seit der Ankündigung, dass die Beschränkungen des öffentlichen Lebens nach und nach zurückgenommen werden, mit dem Thema auseinandergesetzt und geprüft, wie man die neue Aufgabe am besten erfüllen kann. Dem Krisenstab war dabei wichtig, dass dabei die erheblichen Belastungen und Herausforderungen, die mit einer Einhaltung der erforderlichen Hygienestandards einhergehen, nicht außer Acht gelassen werden und dass Kontrollen praxisgerecht erfolgen.

In der Gewerbeaufsicht stehen zehn Mitarbeitende für Kontrollen zur Verfügung. Normalerweise finden rund 800 Kontrollen im Jahr statt. Eine Herausforderung sei nun, dass neben der Corona-Pandemie weitere Gefährdungen in der Arbeitswelt bestehen, die weiterhin zu beachten sind, so das Landratsamt jüngst auf Anfrage unserer Zeitung.

Überall hängen Flyer und Plakate der Berufsgenossenschaft

Seit vorletzter Woche suchen die Mitarbeitenden der Gewerbeaufsicht nun schwerpunktmäßig die Baustellen im Landkreis auf und überprüfen dort die Umsetzung der Hygienemaßnahmen. Ziel sei eine fachliche Beratung für einen sicheren Baustellenbetrieb. Nach den ersten Wochen und 15 überprüften Baustellen kann bereits ein erstes Resümee gezogen werden, heißt es in der Pressemitteilung des Landratsamtes: Auf allen aufgesuchten Baustellen war man sich der besonderen Situation bewusst. Die Flyer und Plakate der IG Bau mit Informationen zum Infektionsschutz waren überall gut sichtbar angebracht.

Die Praxis sah jedoch oft ganz anders aus. Oft seien die Vorgaben zwar bekannt, werden jedoch im täglichen Betrieb nicht so genau genommen. So wurde häufig selbst bei engem Kontakt eben doch kein Mund-Nase-Schutz getragen. In diesen Fällen erhielten die Verantwortlichen zunächst noch eine Belehrung und eine mündliche Aufforderung, der gleich vor Ort nachgekommen wurde.

In der Regel haben die Kontrolleure Wasch- und Desinfektionsmöglichkeiten auf den Baustellen vorgefunden. Die Bandbreite reichte hierbei von einfachen Seifenspendern, Desinfektionsmitteln und Papierhandtüchern im Freien vor dem Baucontainer bis hin zu perfekten Sanitärcontainerlösungen.

Bei Innenausbauten haben die Baustellenverantwortlichen vorsorglich bereits die Anzahl der Gewerke begrenzt, die gleichzeitig auf der Baustelle aktiv sind. Mit dieser räumlichen und zeitlichen Trennung können mögliche Infektionswege leicht unterbunden werden.

Joachim Spindler, Leiter des Fachbereiches Gewerbeaufsicht und Immissionsschutz, ist mit dem Ergebnis der ersten Kontrollwoche zufrieden: „Die Kontrollen haben gezeigt, dass diese Beratung notwendig und sinnvoll ist. Zudem wurde deutlich, dass ein erfolgreicher Infektionsschutz nicht so sehr von den technischen Voraussetzungen abhängt, sondern in hohem Maße davon, wie konsequent Beschäftigte und ihre Vorgesetzten die Hygienemaßnahmen anwenden.“

IG Bau warnt vor der Infektionsgefahr in Kleinbussen

Die Industriegewerkschaft Bau-Agrar-Umwelt (IG Bau) hat die Arbeitgeber aufgefordert, für besseren Schutz der Beschäftigten zu sorgen. „Die Arbeit am Bau erfolgt in der Regel unter freiem Himmel und bietet dort Platz für ausreichend Hygieneabstand. Dennoch existieren am Bau besondere Risiken, die ausgeschlossen werden müssen“, erklärte Bundesvorstandsmitglied Carsten Burckhardt in einer Pressemitteilung. Besonders kritisch wird die Praxis gesehen, dass die Kollegen in Kleinbussen gemeinsam auf Baustellen gefahren werden. „Wir fordern, dass ab sofort jeder mit dem eigenen Pkw fahren kann und ihm dafür die entsprechenden Kilometerpauschalen gezahlt werden. Die IG Bau fordert darüber hinaus Unterstände für die Pausen unter freiem Himmel mit ausreichend Platz statt enger Baucontainer."

.Die Bauwirtschaft sei aufgrund der besonderen Arbeitsbedingungen mit viel Platz im Freien und der anhaltend hohen Nachfrage weit weniger von den Einschränkungen der Krise betroffen als andere Branchen. Dementsprechend gehe die Arbeit auf den meisten Baustellen unverändert weiter. „Mehr als schon zuvor zeigt sich die Baubranche damit als Stabilitätsanker der deutschen Konjunktur“, so die Gewerkschaft.

Die Infektionsgefahren auf Baustellen sind nicht nur theoretischer Natur. Beim Bahnprojekt „Stuttgart 21“ haben sich die Beschäftigten ganzer Bautrupps mit dem Coronavirus gegenseitig angesteckt. Die Gewerbeaufsicht hat sich in den letzten beiden Wochen im Rems-Murr-Kreis schwerpunktmäßig auf Baustellen umgeschaut und stellt in einem Zwischenfazit der Kontrollen fest: „Bei der Umsetzung der Schutzmaßnahmen weichen Theorie und Praxis zum Teil eklatant voneinander ab.“ So wurde häufig selbst

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