Rems-Murr-Kreis

Corona: Sieben Tipps, wie Sie mit Maskenverweigerern sprechen

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Symbolfoto. © Benjamin Büttner

Für die einen ist sie ein sinnvoller Schutz gegen das Coronavirus, für die anderen ein Zeichen von Unterwürfigkeit und Obrigkeitshörigkeit. Ob es uns nun passt oder nicht, die Maske wird uns noch einige Zeit im Alltag begleiten. Doch immer wieder kommt es vor, dass etwa in S-Bahnen oder Supermärkten Menschen ohne oder mit falsch sitzender Maske unterwegs sind. Maskenbefürworter ärgern sich darüber. Wie sollen sie in solchen Situationen reagieren? Wann lohnt es sich, jemanden auf sein Verhalten anzusprechen?

Häufig hört und liest man von aggressiven Reaktionen und Handgreiflichkeiten, wie ein Fall aus Fellbach im November vergangenen Jahres verdeutlicht. Dort eskalierte in einer Stadtbücherei ein Streit zwischen zwei jungen Männern und einem Angestellten, nachdem der Angestellte die beiden Männer auf ihre fehlende Maske angesprochen hatte. Das Ergebnis: Die beiden schlugen den Büchereiangestellten mit Fäusten nieder. Nicht gerade ermutigende Aussichten. Wie lässt sich derlei vermeiden? Fragen wir eine Expertin.

Rosa Budziat ist freiberufliche Supervisorin und Kommunikationstrainerin aus Korb. Als Trainerin für Führungskräfte und Personalverantwortliche wird sie oft auch für Teamentwicklungen angefragt, um betriebsinterne Konflikte zu überwinden.

Sie fährt täglich S- und U-Bahn und begegnet immer noch Menschen, die ihre Maske nicht richtig aufhaben. Im Umgang mit Maskenmuffeln gibt sie folgende Tipps:

1. Überlegen Sie sich gut, wann Sie jemanden ansprechen wollen und wann lieber nicht 

Wann es sich lohnt zu diskutieren, und wann nicht, hängt laut Budziat von der Situation ab. Wovon sie grundsätzlich abrät, ist, eine Gruppe anzusprechen.

Sie selbst sei es manchmal leid und setzt sich in der Bahn dann einfach an einen anderen Platz. An anderen Tagen, wenn wieder einmal ein Viersitzer durch eine einzelne Person besetzt ist, die ihre Maske unter dem Kinn trägt, reagiert Budziat auch schon mal genervt. „Sie wissen schon, dass die Maske so nichts bringt!“, sagt sie dann. Das hilft allerdings meistens nicht und die Maske bleibt, wo sie ist.

Bevor Sie eine Diskussion beginnen, sollten Sie darauf achten, selbst nicht emotional aufgewühlt zu sein oder sich selbst bereits angegriffen zu fühlen. Das kann nur eskalieren. Haben Sie Ihre Emotionen nicht unter Kontrolle, ist es besser, aus dem Fenster zu schauen und die Landschaft oder die Graffiti entlang der Fahrstrecke zu genießen. Helfen kann laut Budziat auch, einfach in ein Buch oder ins Smartphone zu gucken, langsam innerlich von zehn auf null zu zählen und sich einen anderen Platz zu suchen.

2. Spielen Sie nicht die Corona-Polizei, sondern setzen Sie auf Verständnis und Einsicht 

Wenn in der Bahn kein anderer Platz mehr frei ist, könnte sich das zum Beispiel so anhören: „Ich würde mich gerne zu Ihnen setzen. Würden Sie bitte Ihre Maske hochziehen?“ Das tun dann relativ viele, sagt Budziat. Wichtig sei es, freundlich zu bleiben. Es hilft nicht weiter, wenn man die Leute auf eine pampige Art von oben herab anspricht. Selbst wenn man sich innerlich aufregt, sollte man einen ruhigen Ton beibehalten. Moralisierende Sprüche wie „Sie wissen doch“ oder „Sie kennen die Regeln“ sind kontraproduktiv.

Setzt sich jemand ohne oder mit falsch sitzender Maske in der Bahn neben Sie und Sie fühlen sich gestört, bestehen Sie nicht auf Ihr Recht, zuerst dort gesessen zu haben. Bevor der Streit eskaliert, suchen Sie sich lieber einen anderen Platz.

3. Stellen Sie eine persönliche Ebene her und senden Sie eine Ich-Botschaft

Helfen kann auch, das Gespräch auf einer persönlichen Ebene zu führen. Budziat selbst bittet ihr Gegenüber: „Ich habe Angst, mich anzustecken. Tun Sie es doch für mich, ziehen Sie die Maske doch bitte über Mund und Nase.“ 

Machen Sie sich bewusst, dass, wenn Sie jemanden höflich fragen, er Ihnen einen Gefallen lieber tun wird, als wenn Sie ihn auf die Gesetzeslage hinweisen. Schließlich ist demjenigen, der seine Maske nicht oder falsch aufhat, sein Verhalten bewusst.

Sollten Sie zu einer Risikogruppe gehören, können Sie das ansprechen. Verdeutlichen Sie, warum es Ihnen wichtig ist, dass jeder eine Maske (richtig) aufhat. Eine Bitte wie „es würde mich freuen, wenn Sie auf mich Rücksicht nehmen“, wird Ihnen in den allermeisten Fällen niemand verwehren.

4. Suchen Sie das Gespräch nur, wenn Sie tatsächlich Interesse daran haben

Grundsätzlich kann es gut sein, das Gespräch mit jemandem zu suchen, der sich nicht an die Norm hält. Bevor Sie das allerdings tun, werden Sie sich über Ihre eigene Motivation bewusst. Interessiert es Sie tatsächlich, warum jemand die Maske falsch aufhat? Oder wollten Sie dem anderen lediglich die eigene Meinung aufschwatzen?

Gerade bei einer S-Bahn- oder Busfahrt helfe es nicht, eine Diskussion zu beginnen. In den meisten Fällen reicht die Zeit nicht aus, um ein ordentliches Gespräch auf Augenhöhe zu führen. 

5. Kommunizieren Sie gewaltfrei: Weniger moralisieren, weniger attackieren

Budziat beobachtet, dass die Menschen über die Dauer des Lockdowns insgesamt dünnhäutiger geworden sind. „Das heißt, man ärgert sich noch schneller über andere, als Schwaben das sowieso schon gerne tun.“ Hier verweist sie auf den amerikanischen Psychologen Marshall Rosenberg. Rosenberg hat die „gewaltfreie Kommunikation“ entwickelt.

Gewaltfreie Kommunikation bedeutet, in allem, was wir sagen, weniger zu bewerten, weniger zu beurteilen, weniger anzugreifen oder zu moralisieren. Dabei gilt, mehr Ich-Botschaften auszusenden, indem wir unserem Gegenüber mitteilen, wie es uns geht, was wir uns wünschen oder wie wir eine Situation erleben. Das mag sich für viele möglicherweise sehr pädagogisch anhören, dennoch wird durch die Sprache die eigene Haltung dem anderen gegenüber deutlich, erklärt Budziat.

Bevor Sie jemanden ansprechen, überlegen Sie auch: Bin ich dem anderen grundsätzlich freundlich gesinnt oder lasse ich gerade einfach nur meine schlechte Laune aus? 

Auch Doris Dietrich, freiberuflicher Coach und Seminarleiterin in Schorndorf, plädiert für eine gewaltfreie Kommunikation. Dietrich rät, vor einer konkreten Äußerung zu reflektieren, was Sie gerade denken und was Sie fühlen. Belastet Sie die Situation wirklich? Handeln Sie lediglich regelkonform? Oder wollen Sie gerade Macht ausüben?

Wenn Sie tatsächlich Angst um Ihre Gesundheit haben, dann äußern Sie das unmissverständlich. Laut Dietrich trauen sich Menschen oft nicht, ihre wahren Emotionen zu offenbaren. Sie reagieren mit Aggression, wenn sie tatsächlich Angst haben, da Aggression gesellschaftsfähiger ist.

6. Überschätzen Sie nicht die Vernunftbegabung von manchen Männern

Im vergangenen Jahr beobachtete Budziat auf ihren Fahrten, dass deutlich mehr Männer als Frauen ihre Maske nicht richtig aufhaben. Nach ihren Erfahrungen lohnt es sich eher weniger, Männer ab 40 Jahren anzusprechen. Und je cooler diese auftreten, desto weniger ergibt es Sinn, das Gespräch zu suchen. Hingegen seien jüngere Männer häufig aufgeschlossener und entgegenkommender.

7. Trollen Sie sich im Zweifelsfall – ein Gerangel ist all das nicht wert

Sollte es dazu kommen, dass das Gegenüber aggressiv reagiert, lohnt es sich nicht, einen Streit anzufangen. In solchen Fällen rät Budziat dazu, seiner Wege zu gehen. Eine Diskussion wird nichts bewirken. Im schlimmsten Fall führt sie zu Handgreiflichkeiten.

Ist man selbst nicht betroffen, sondern lediglich Beobachter, sollte man, wenn man es sich zutraut, deeskalierend wirken. Man kann zum Beispiel aus der Distanz heraus etwas sagen, zum Beispiel den Betroffenen fragen, wie spät es ist. Im Zweifelsfall, wenn es ganz wüst wird, sollte man unbedingt andere Personen, den S-Bahn-Fahrer, die Busfahrerin, ansprechen und um Hilfe bitten.

Für die einen ist sie ein sinnvoller Schutz gegen das Coronavirus, für die anderen ein Zeichen von Unterwürfigkeit und Obrigkeitshörigkeit. Ob es uns nun passt oder nicht, die Maske wird uns noch einige Zeit im Alltag begleiten. Doch immer wieder kommt es vor, dass etwa in S-Bahnen oder Supermärkten Menschen ohne oder mit falsch sitzender Maske unterwegs sind. Maskenbefürworter ärgern sich darüber. Wie sollen sie in solchen Situationen reagieren? Wann lohnt es sich, jemanden auf sein

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